Anno 1766 für Katholiken errichtet

+
Die katholische Kirche St. Bartholomäus wurde 1871 anstelle einer beim großen Brand von 1866 zerstörten Vorgängerkirche um 1840 errichtet. Davor stand seit 1766 am Möhnhof eine erste katholische Pfarrkirche.

Wie der Schechinger Pfarrer und Dekan des Landkapitels Gmünd, Franz Anton Schedel, vor 255 Jahren den Katholiken des Albuchs zu einer Kirche verhalf.

Bartholomä

Die Existenz einer katholischen Gemeinde verdankt „Das Dorf am Rande des Himmels“ nicht der Gegenreformation, auch nicht der Säkularisation und schon gar nicht der industriellen Revolution. Sie ist ein Kind des Dreißigjährigen Krieges und erst spät mutete man ihr ein eigenständiges Gehen zu.

Nicht einmal hundert Jahre waren vergangen, dass Pfarrer Ornberger aus Heidenheim anno 1547 die erste evangelische Predigt in der altehrwürdigen Bartholomäer Wehrkirche hielt, als es der Dreißigjährige Krieg an traumatischen Geschehnissen auch in Bartholomä nicht fehlen ließ. Dies hatte die fast vollständige Entvölkerung des Albuchortes zur Folge und der Ulmer Alt-Bürgermeister Johann Jakob Schad (1573-1652), der Bartholomä seit 1638 sein Eigen nennen durfte, beobachtete diese Entwicklung mit Besorgnis. Aus diesem Grund war ihm die Förderung und Wiederbelebung eines dörflichen Gemeinwesens eine Herzensangelegenheit, zumal aus Bartholomä in dieser Zeit keine oder nur wenig steuerliche Einnahmen zu erwarten waren. Schads Nachfolger in der Eigentümerliste, hauptsächlich die Freiherren vom Holtz zu Alfdorf, unterstützten diese Entwicklung.

„Cuius regio, eius religio“ – dieser Grundsatz von 1629 wurde in Beziehung der Neubesiedelung des Albuchs ab 1648 quasi ad acta gelegt, denn die Neubürger waren größtenteils katholischen Glaubens. Und schon bald tat sich darum die Frage auf, wie man diese Katholiken sinnvoll seelsorgerlich betreuen sollte. An den Bau einer katholischen Kirche auf reformatorischem Boden war in jener Zeit nun überhaupt nicht zu denken. Letzten Endes kam man zu der einhelligen wie genialen Erkenntnis, die Katholiken Bartholomäs einfach dem Pfarrer von Lautern aufs Auge zu drücken.

Immerhin, für sportliche Erwachsene war die einfache Wegstrecke zum Gottesdienst nach Lautern am Sonntagvormittag in eineinhalb Stunden zu bewältigen. Dies war aber für den damaligen Schechinger Pfarrer und Dekan des Landkapitels Gmünd, Franz Anton Schedel (1698-1771), zu Beginn der 1760er-Jahre nicht mehr länger tragbar. Denn es bestand jederzeit die „Gefahr, daß kranke, oder sonst verunglückte wegen allzu weither Entlegenheit der ihnen vorhin zur Seel-Sorge angewiesenen Pfarrey Lautheren ohne Tröstlichen oder Höchstnöthigen Beystand eines Catholischen Priesters dahin sterben möchten“.

Der heutige Teilort Möhnhof bildete zu dieser Zeit quasi den südöstlichen Zipfel der katholischen Freien Reichsstadt Gmünd. Hier war, nach Meinung Schedels, der perfekte Ort zum Bau einer katholischen Kirche. In der Person des Möhnhofbauern Johann Michael Nuding (1732-1810) fand Schedel einen treuen, handwerklich begabten Mitstreiter. Nudings Familie stellte 1766 eine kleine Kirche im Rohbau her und Dekan Schedel finanzierte anfangs mit 2000 Gulden aus eigener Tasche dieses Vorhaben mit. Zeitgleich informierte er seine Vorgesetzten im Augsburger Ordinariat über das Projekt und erhielt von dort mit Schreiben vom 20. April 1766 grünes Licht. Nicht ohne Bedenken, denn der Möhnhof war Gmündisches Lehen, demzufolge hatte der Magistrat der Reichsstadt in dieser Angelegenheit ein kräftiges Wörtchen mitzureden.

Ein persönliches Anliegen

Zum Bau der Kirche kam aber noch der Bau eines „Benefiziatenhauses“ und nachdem der Gmünder Magistrat wohlwollend der Sache entsprach, ließ Dekan Schedel in seinem Landkapitel eine Kollekte ausrufen – mit deren Ergebnis von 312 Gulden er durchaus zufrieden sein konnte. „…betet damit die Sach zu einem gliklich Endt gelange“, ließ er seine Anbefohlenen wissen. Der Möhnhofbauer Nuding war auf die Handlanger- und Frondienste der katholischen Dorfbewohner angewiesen und damit diese ihre wörtlichen Zusagen auch einhielten, holte sich der Dekan den vom Holtzschen Amtsvogt Johann Jacob Baumann (1714-1774) ins Boot, der mittels Androhung von Gerichtsbarkeiten, für die Ausführung der zugesagten Dienste sorgte.

In seinem 2013 erschienen Buch über Franz Anton Schedel berichtet Reinhold Fischer, dass die Möhnhofer Bauvorhaben im Laufe der Zeit zu einem persönlichen Anliegen Schedels wurden, würde er doch „aus meinem Beutl bezahlen sohier die vorseyendte Capell und Beneficiat behausung wider alles vermuthen sollte von hoher obrigkeit abgeschaffet werden“. Was ihn zu dieser Dringlichkeit anspornte, bleibt im Verborgenen, aber mit dem sogenannten „Fundations-Brief“ der „Reichs-Statt Gmünd“, datiert mit dem 3. Dezember 1767, der mit seinen eingehenden Worten „Kund und zu Wißen seye Hiemit…“, feierlich über die Gründung einer Möhnhofer Kurat-Kaplanei informiert, war Franz Anton Schedel am Ziel: eine Kirche und „Beneficiatenhaus“ für die Katholiken des Albuchs. Jedoch als „Curat-Caplanei“, also als Seelsorgestelle, war sie keine rechtlich eigenständige Pfarrei. Die Möhnhofgeistlichen, allesamt „Söhne der Reichsstadt Gmünd“, unterstanden dem Lauterner Pfarrer und dieser Zustand sollte bis zur Erhebung der „Curat-Caplanei“ zur selbstständigen Pfarrei im Jahre 1810 andauern. Die Stadt Gmünd besaß bis 1806 das Patronatsrecht und in Anlehnung an das Heilig-Kreuz-Münster gab man der Kuratkirche den Namen „sanct crucis“. Über der Türschwelle des einstigen Kurat- und Pfarrhauses ist noch heute das Einhorn, das Wappen der Stadt Schwäbisch Gmünd, zu sehen, welches an die Zugehörigkeit des Möhnhofes zu Schwäbisch Gmünd erinnert.

Verschiedene Baustile

Kann sich die katholische Kirchengemeinde Bartholomä demnächst, nach Vollendung der Renovierungsarbeiten wieder an ihrer aus verschiedensten Baustilen bestehenden Pfarrkirche erfreuen, so könnte sie das eigentlich im doppelten Sinne tun, denn die Grundsteinlegung der Möhnhofer Kurat- und späteren Pfarrkirche jährt sich in diesem Jahr zum 255. Male. In diesem Sinne: Gott befohlen!

Betet damit die Sach zu einem gliklich Endt gelange.“

Franz Anton Schedel, Dekan (*1698-

Historischer Vortrag und Festgottesdienst

Die Innenrenovierung der Kirche St. Bartholomäus ist abgeschlossen. Zur Wiedereröffnung wird es am Samstag, 3. Juli, um 18.30 Uhr einen historischen Vortrag geben: „Der gute Wille war bezahlt!“. Am Sonntag, 4. Juli, folgt um 17 Uhr der Festgottesdienst zur Eröffnung, mit Pater Joji Mathew und Pfarrer Bernhard Weiß, dem katholischen Kirchenchor, Solisten und Ministranten. Anschließend erfolgt eine Begegnung auf dem Kirchplatz. Für den historischen Vortrag am Samstag ist keine Anmeldung erforderlich, jedoch für den Festgottesdienst am Sonntag. Anmeldungen werden im Pfarrbüro (freitags von 15 bis 18 Uhr) unter Telefon (07173) 7400 entgegengenommen.

Zurück zur Übersicht: Bartholomä

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL

Kommentare