Busunternehmen Grötzinger: Meisterleistung rettet 155 Menschen

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Sie saßen vier Tage lang abwechselnd am Steuer der drei Busse und des LKW: die Hilfskonvoi-Fahrer aus Bartholomä.
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Fast das ganze Dorf hat mit angepackt: Der Hilfskonvoi aus Bartholomä ist wieder daheim und hat 155 Menschen aus der Ukraine zur LEA in Ellwangen gebracht.

Bartholomä. 60 Tonnen Hilfsgüter, drei Busse, ein LKW und 155 gerettete Menschen aus der Ukraine. „Das war eine Meisterleistung“, sagt Birgit Grötzinger vom Busunternehmen Grötzinger. Die Chefin meint damit das, was ihre Mitarbeiter in den letzten Tagen geleistet haben. 

Vier volle Tage waren die insgesamt 13 Fahrer und Mitfahrer unterwegs, 3800 Kilometer haben sie zurückgelegt, um über Rumänien bis an die ukrainische Grenze zu kommen. Am Montagmorgen kurz nach Mitternacht war der Bartholomäer Konvoi zurück in der Heimat. „Die Fahrer sind fix und alle gewesen“, sagt Birgit Grötzinger am Montagmorgen. 

Das Schwerste war nicht die Fahrt bis zur rumänischen Grenzstadt Siret. „Das Schwerste für die Fahrer war, dass sie bei 155 Menschen die Türen zumachen mussten. Das hat sehr wehgetan“, erzählt Grötzinger. Denn es wollten mehr mit in Richtung Deutschland. Die Menschen, die die Bartholomäer Busse am Sonntagabend gegen 22 Uhr in der LEA in Ellwangen abgesetzt haben, seien die Angehörigen von Klinikpersonal aus Kiew, das bei seiner Arbeit bleibe, so berichtet die Bus-Unternehmerin. „Es waren 34 Kinder dabei, das jüngste war ein Jahr alt.“ 

Um mit Ukrainern zusammenzutreffen, die nach Deutschland flüchten wollten, hatte Birgit Grötzinger in den Tagen vor der Abfahrt Kontakte geknüpft mithilfe einer aus der Ukraine stammenden Heubacherin sowie einer Frau aus Berlin, die aber nicht als Ukraine-Helferin der Zeitung genannt werden wolle, so Grötzinger. „Ursprünglich sollten wir krebskranke Kinder mitnehmen, aber die Ärzte haben dann wohl Bedenken angemeldet.“

Das binnen weniger Tage auf die Beine gestellte Projekt Ukraine-Hilfe aus Bartholomä war stetig gewachsen am Anfang der vergangenen Woche. „Erst hatten wir an einen Bus gedacht“, erzählt Birgit Grötzinger. Beim Start am späten Mittwochabend waren es dann drei große Busse und ein LKW, den die Spedition Gröner aus Steinheim stellte. Viele Helferinnen und Helfer hatten dazu beigetragen: Die Mitarbeiterinnen im Büro der Firma, Menschen und Firmen, die Essen und nützliche Sachen gespendet haben. „Das ganze Dorf hat mitgeholfen“, sagt Grötzinger. 

Der Krieg ist den Helfern aus Bartholomä ganz nah gekommen, zum Glück nicht ganz direkt, aber in dem, was die Ukrainer erzählt haben. „Meine Fahrer mussten auf die ankommenden Leute warten, weil die unterwegs beschossen worden waren.“ 

Und wie geht’s weiter? Die Frage stellen sich viele Beteiligte. „Ich weiß nicht, wie ich weitermache. Es geht einem ja viel durch den Kopf, man muss ja doch helfen in so einer Situation“, sagt Birgit Grötzinger. Zugleich ist ihr klar, dass sie so ein aufwendiges Mammutprojekt nicht beliebig oft stemmen kann. Allein die Kosten für Diesel für vier Fahrzeuge auf den 3800 Kilometern waren immens. Auch die Vorstellung, dass einer der Busse auf so einer langen Fahrt eine Panne haben könnte, macht sie nervös.  An ihren Fahrern aber würde es nicht liegen. „Die haben nach ihrer Rückkehr im Grunde alle das gleiche gesagt“, erzählt sie: „Wenn wir geschlafen haben und geduscht, würden wir es gleich wieder machen.“

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