Der Wolf kann jederzeit kommen

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Der Wolf in der Fotofalle im Jahr 2019.
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Förster Andreas Kühnhöfer beschäftigt sich als Wildtierbeauftragter mit möglichen Wolfssichtungen. Im Jahr 2019 lief ein Wolf in seine Fotofalle. Ein Waldspaziergang im Wental.

Bartholomä

Andreas Kühnhöfer wandert durch den Wald im Wental bei Bartholomä. Ganz in der Nähe hat eine seiner Wildtier-Fotofallen im Jahr 2019 eine besondere Aufnahme gemacht. Von einem Wolf. Der war zwar nur auf der Durchreise, auf einem sogenannten Wildtierkorridor, der hier vorbeiführt, sagt Kühnhöfer. Das könne sich aber im Prinzip täglich ändern.

War's ein Wolf?

Neben seiner Tätigkeit als Revierförster ist er Wildtierbeauftragter des Landkreises Heidenheim. Meldungen über Wölfe landen immer zunächst bei ihm. Das können Berichte von Spaziergängern sein, die meinen, einen Wolf gesehen oder gehört zu haben. Oder, was häufiger vorkomme, tote Tiere wie Schafe oder Ziegen. Ein Riss, wie der Fachmann sagt.

Dann ist es an Kühnhöfer, eine erste Einschätzung abzugeben. „Viele Tierhalter, denen so etwas passiert, sind erstmal überzeugt, dass es ein Wolf gewesen sein muss“, berichtet der Förster. Regelmäßig fährt er raus zu solchen Rissen, regelmäßig sei schnell klar, dass hier kein Wolf am Werk war. „Manchmal war es ein wildernder Hund, manchmal eine natürliche Todesursache und andere kleinere Tiere, etwa ein Fuchs, haben das Aas angefressen“, so der Förster. Die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) in Freiburg ordnet die Fälle letztlich in drei Kategorien ein: „eindeutiger Nachweis“, „bestätigter Hinweis mit starkem Verdacht“ oder „unbestätigter Hinweis“. Außerdem gebe es Negativmeldungen, also Hinweise, die nachweislich nicht auf einen Wolf zurückzuführen seien. Das bedeute aber nicht, dass die Ostalb dem Wolf keine Heimat bieten könne. Im Gegenteil.

Warum der Wolf aus dem Jahr 2019 nicht hiergeblieben ist, darüber könne man nur spekulieren. Vor allem die jungen Rüden haben einen enormen Wanderdrang. „Vielleicht hat es ihn instinktiv einfach noch weitergezogen“, meint Kühnhöfer.

Drei Tiere im Ländle

Grundsätzlich biete die Ostalb dem Wolf einen guten Lebensraum. Bislang seien in Baden-Württemberg fünf Exemplare genetisch nachgewiesen worden, zwei davon wurden Opfer des Straßenverkehrs.

Bleiben also drei, die heimisch geworden sind, im Odenwald sowie im Süd- und Nordschwarzwald. Beide Wölfe im Schwarzwald sind aus Niedersachsen zugewandert, der Wolf im Odenwald aus den Alpen. Das aber seien nach wie vor Einzeltiere. Für wie viele Rudel gäbe es denn Platz im Ostalbkreis? Ein Rudel braucht laut Andreas Kühnhöfer etwa 250 Quadratkilometer Territorium. Der Ostalbkreis umfasst 1500 Quadratkilometer, theoretisch wäre also Platz für vier bis sechs Rudel.

Platz für bis zu sechs Rudel

Rudel gebe es bislang nur im Norden und Osten Deutschlands. Im Beobachtungsjahr 2019/20 habe es deutschlandweit 128 Rudel, 35 Paare und zehn Einzeltiere gegeben. Eines sei aber völlig klar, betont Kühnhöfer: „Eine Zuwanderung von Wölfen ist jederzeit möglich.“ Denn im Gegensatz zu Luchsen, die ausgedehnte, zusammenhängende Wälder brauchen, sei der Wolf an die Kulturlandschaft des Menschen gewöhnt und brauche keine Wildnis.

Dass so mancher Landwirt oder Schäfer das kritisch sieht, kann Kühnhöfer gut nachvollziehen. Als Förster und Wildtierbeauftragter muss er zwischen vielen widerstreitenden Interessen vermitteln, dem Naturschutz, den Jägern, den Landwirten. Zahlen können da helfen, meint er. Zum Beispiel seien die überwiegenden Beutetiere von Wölfen Rehe (55 Prozent), gefolgt von Rothirschen und Wildschweinen. Haustiere landen mit 0,6 bis 1 Prozent auf dem letzten Platz, hier trifft es vor allem Schafe und Ziegen. Angriffe auf Rinder oder Pferde seien doch eine sehr seltene Ausnahme, meint der Förster.

Und was rät er Spaziergängern? Grundsätzlich, so der Fachmann, seien Wölfe vorsichtige und intelligente Tiere, die Menschen aus dem Weg gingen. Vorfälle aus früheren Zeiten seien vor allem auf Tollwut oder auf Wölfe zurückzuführen, die fahrlässigerweise angefüttert wurden. Trotzdem könnten vor allem junge Tiere neugierig und auch schon mal auf einem Wanderweg unterwegs sein. Kühnhöfer rät immer zu Respekt. Und: „Hunde anleinen!“.

Was tun im Fall der Fälle?

Auf der Internetseite des Umweltministeriums Baden-Württemberg findet man viele Tipps, wie man sich bei einer Begegnung mit einem Wolf verhalten sollte. Hier ein Auszug:

Abstand halten, die Tiere nicht bedrängen.

Zieht sich der Wolf nicht zurück: auf sich aufmerksam machen und sich langsam entfernen, dabei nicht weglaufen, sondern betont uninteressiert und langsam gehen, dabei laut sprechen.

Fühlt man sich unwohl, stehenbleiben, laut rufen und in die Hände klatschen, sich groß machen und – bei weiterer Annäherung des Tieres – mit Gegenständen werfen.

Unter keinen Umständen Wölfe füttern. An Fütterung durch den Menschen gewöhnte Wölfe können Futter aufdringlich oder aggressiv einfordern, wenn sie wider Erwarten nicht gefüttert werden.

Hunde können von Wölfen als Eindringlinge in ihr Revier angesehen und angegriffen werden. Hunde daher anleinen oder nur im engen Einwirkungskreis des Besitzers führen.

Förster Andras Kühnhöfer kümmert sich als Wildtierbeauftragter auch um vermeintliche Wolfssichtungen.

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