Böbinger Gemeindearchiv zieht um: Viel Platz für Historie

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Egon Dick (links) und Otto Betz vom Geschichts- und Heimatverein sind froh, dass das Archiv in Böbingen jetzt einen würdigen Platz gefunden hat.
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Mitglieder des Heimat- und Geschichtsvereins organisieren den Umzug des Gemeindearchivs. Auch heute fragwürdig anmutende Ehrenbürgerschaften sind unter den Dokumenten

Böbingen. Die Zeit der vollen Kartons, der Kisten und der Buchtürme ist vorbei. Jetzt sind alle Dokumente, Urkunden, Unterlagen oder auch Bilder fein säuberlich in die Regale gewandert. Nein, nicht von Zauberhand, sondern mit großem körperlichen Einsatz von Mitgliedern des Heimat- und Geschichtsvereins in Böbingen. Jetzt gibt es auf rund 80 Quadratmetern Platz für die Historie der Gemeinde in all ihren Facetten. Denn es ist in die einstige Hausmeisterwohnung in der Schule am Römerkastelle eingezogen. Start für diese große Aktion war bereits vor zwei Jahren, als mit der Generalsanierung des Gebäudes begonnen wurde.

Hilfe von Werner Kowarsch

Was bedeutete, dass alle Unterlagen, Dokumente, Bücher und vieles mehr erst einmal durchforstet werden mussten. „Was ist aufzubewahren“, war die Frage, berichtet Werner Kowarsch. Er kümmert sich auch um die Registratur der Gemeinde und ist als Hobbyarchivar und Alt-Bürgermeister gewiss, was erhaltenswert ist. Etwa bei Akten. Und so greift er mit seinem fundierten Wissen den Mitgliedern des Heimat- und Geschichtsvereins, allen voran Vorsitzender Dr. Egon Dick, unter die Arme. So hat er auch ein Findbuch für alle Dinge, die sich auf 70 laufenden Metern in Regalen des Gemeindearchivs aneinanderreihen, erstellt. Auch in digitaler Form, damit man den Standort des Gesuchten per Mausklick erhält, und so dann ans richtige Regal und den richtigen Ordner kommt. Sein großer Trumpf ist zudem, dass er die altdeutsche Kurrentschrift beherrscht. Und für diese auch Kurse an der Volkshochschule anbietet.

„In diesem Gemeindearchiv sind alle wichtigen Dinge niedergelegt, die vor 1972 waren. Also vor der Gemeindereform“, beschreibt Dr. Dick. Er ist zusammen mit Vereinskollege Otto Betz sehr dankbar, dass die Gemeinde nun statt nur einem Raum ganze drei Räume zur Verfügung stellt. Und obendrein sind diese Räume saniert. Mit neuem Boden und neuem Anstrich, aber beispielsweise auch neuer Beleuchtung und Regalen versehen. Solchen, die dicke Wälzer mühelos tragen können. Nicht einfach, hat doch manches Grundbuch über fünf Kilogramm an Gewicht. „Das ist nicht selbstverständlich“, machte Werner Kowarsch der Verwaltung ein Kompliment, dass sie diese Einrichtung dem Geschichts- und Heimatverein zur Verfügung stellt.

Der Hobbyarchivar, der 34 Jahre lang Bürgermeister in Lauchheim war, und seit seinem Ruhestand schon manches Gemeindearchiv geordnet hat, kann von manchem Schmankerl erzählen. So stieß er bei der Sichtung auf Bestätigungen zum Erhalt der Ehrenbürgerschaft von Adolf Hitler und Paul von Hindenburg. Persönlich unterzeichnet. „Dabei heißt es immer, dass alles aus dem Dritten Reich vernichtet wurde.“

Ehrenbürger Hitler

Was findet sich sonst im Archiv? Grundbücher, Inventar- und Teillisten, die bei Eheschließungen und Todesfällen angefertigt wurden. Aber Gemeinderatsprotokolle und Privatbestände, die dem Verein zur Verfügung gestellt wurden mit Dokumenten und Bildern. Letztere wurden bereits digitalisiert. Erhalten sind Belege zur Notzeit von 1916 bis 1935. Inklusive der Bezugscheine. Zu finden sind Pflegschaftsakten mit Inhalten. Etwa Briefe, die Mündel an ihre Vormünder geschrieben haben. Oder Schilderungen von ausgewanderten Böbingern, die aus Amerika ihren Verwandten am Ort schrieben. Wer zu seiner eigenen Familie recherchieren will, wird da fündig. Aber stets mit einem Mitglied des Heimat- und Geschichtsvereins an seiner Seite.

Auch ein EDV-Arbeitsplatz und ein Scanner sollen im Archiv eingerichtet werden. Beim Tag der offenen Tür Mitte 2022, zur fertigen Generalsanierung der Schule, werden sich auch die Archivpforten öffnen.

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