Böbinger Tunnel braucht noch "zehn bis zwölf Jahre“

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Freude in Böbingen, dass sich die Hartnäckigkeit ausgezahlt hat (v.l.): Bürgermeister Jürgen Stempfle mit Otto Betz und Manfred Gold, zwei von drei Sprechern des Aktionsbündnisses Böbinger Tunnel.
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Nach der Tunnel-Entscheidung für Böbingen: Wann wird gebaut, wie wird dann der Verkehr umgeleitet und was plant Böbingen für eine neue Ortsmitte?

Böbingen

Die Arbeit fängt jetzt erst an nach der Grundsatzentscheidung für die B29-Tunnellösung in Böbingen: Welches Verkehrskonzept braucht es nun für den Rest des Orts? Wie soll die Ortsmitte dann aussehen? Was passiert mit dem Verkehr während der Bauphase? Und wie lange dauert es eigentlich noch, bis der Neubau fertig ist? Ein erster Blick in die Zukunft.

Wann ist der Tunnel fertig? Zehn Jahre dürfte es auf jeden Fall noch dauern: „Ich gehe davon aus, dass wir in zehn bis zwölf Jahren durch den Tunnel fahren können“, sagt Otto Betz vom Böbinger Aktionsbündnis. Die Zusage des Ministeriums nun sei „ein erster und wichtiger Schritt“, sagt sein Mitstreiter Manfred Gold. Böbingens Bürgermeister Jürgen Stempfle ordnet die Zusage ein in den üblichen bürokratischen Planungszyklus beim Straßenbau: „Das war jetzt Phase zwei von insgesamt neun.“ Nach dem Grundsatzbeschluss pro Tunnellösung kann die Planung ins Detail gehen.“ Als nächstes kommt der so genannte Planfeststellungsbeschluss, also die Baugenehmigung. Geschätzte Zeit, bis der fertig ist: „Ich rechne mit rund drei Jahren“, sagt Stempfle.

Was braucht Böbingen drumherum? Während das Regierungspräsidium die Straße plant, müssen die Böbinger überlegen, wie die Verkehrsanschlüsse am besten für den Ort sind, von einem „innerörtlichen Verkehrskonzept“ spricht Otto Betz. Die Verkehrsführung werde sich ändern müssen, findet Manfred Gold: „Eine Zufahrt aus Heubach in Richtung Gmünd wird nicht gehen.“ Was möglich ist aus seiner Sicht: „eine Zu- und Abfahrt in Richtung Aalen“. Wie genau so ein Verkehrskonzept aussehen soll, ist offen. Stempfle: „Das zu sagen, da fühle ich mich heute überfordert, da brauchen wir einen Profi für die Planung.“ Außerdem geht es um die Frage, wie eine neue Ortsmitte über dem Tunneltrog aussehen soll. Wie diese entwickelt werden kann, dafür haben sich die Mitglieder des Aktionsbündnis schon vor gut zwei Jahren Anregungen geholt: in Dußlingen, wo die B27 auf dieselbe Weise unter einen Deckel gekommen ist wie es nun mit der B29 in Böbingen geschehen soll. „Dort haben sie eine Bürgerbegegnungsstätte geschaffen, einen Spielplatz und eine Grünfläche angelegt“, erzählt Otto Betz. Das Projekt in Böbingen soll zügig angegangen werden: „Wir wollen einen Plan in der Schublade haben, wenn es losgeht.“Jürgen Stempfle schwebt ein „großes Bürgerprojekt vor“, um dann den Bürgerpark bis zur B29 fortzuführen. Es dürfte eine komplexe Aufgabe werden: die große B29-Planung mit Plänen für den Ort zu verbinden. Der nächste Schritt aus Stempfles Sicht: ein Termin mit dem Regierungspräsidium, um auszuloten „wie wir am besten zusammenarbeiten können“.

Wie lange wird die Bauzeit? Mit rund drei Jahren rechnen die Böbinger. „Es ist klar, dass es schwierige Jahre werden“, sagt Otto Betz. Ein komplette Sperrung der B29 über die ganze Bauzeit hinweg halten er und seine Mitstreiter für indiskutabel. „Drei Jahre die Straße zumachen, das wäre das absolute Chaos, das kann ich mir nicht vorstellen.“ Es werde „Kompromisse brauchen, auf beiden Seiten“. Was passiert mit dem Verkehr in der Bauzeit? Bei über 20000 Fahrzeugen täglich eine wichtige Frage. „Es muss in der Planfeststellung auch eine Rolle spielen, wie der Verkehr umgeleitet wird“, so Gold. Und: Es sei „unumgänglich“, dass die Nordumfahrung Heubach bis dahin fertig ist. Zumindest der Schwerlastverkehr müsse über die Nordschiene umgeleitet werden, findet Otto Betz. Dass die Umgehung Heubach rechtzeitig fertig ist, sieht Jürgen Stempfle als gewährleistet an: „Ich gehe derzeit von 2027 aus.“ Ein, zwei Jahre später könnte es in Böbingen losgehen. Wie es gelingen kann, bei fließendem Verkehr zu bauen, das zeige sich bei Essingen, betont Bürgermeister Stempfle. „Dort haben die Planer bewiesen, dass sie's können – ich habe vollstes Vertrauen.“

Das „Ja, aber“ aus Berlin: Es klingt nach erhobenem Zeigefinger, was Verkehrsstaatssekretär Steffen Bilger auf Seite zwei seines Briefs schreibt. Erst die Zusage zur Variante Tunnel für Böbingen, dann der Hinweise auf die seit dem ersten Ansatz stark gestiegenen Kosten: Das Land Baden-Württemberg solle „alle Möglichkeiten ausschöpfen“, die Kosten zu reduzieren. Damit nämlich „die Bauwürdigkeit weiter gewährleistet werden kann“. Muss einem die Formulierung Sorgen machen in Böbingen? Droht womöglich ein Rückzieher? Nein, sagt Bürgermeister Jürgen Stempfle, der die Mahnung für völlig normal hält. „Darauf weist uns als Verwaltung auch der Gemeinderat hin bei einer Planung.“

Wofür die 215 Millionen Euro? Die aktuell gültige Kostenschätzung gilt nicht allein für den rund 400 Meter lang werdenden Böbinger Tunnel, sondern für das gesamte vierspurig geplante B29-Teilstück von der Gmünd Oststadt bis zum Anschluss an die Umgehung Mögglingen – inklusive Böbingen.

Drei Jahre die Straße zumachen, das wäre das absolute Chaos.“

Otto Betz, Sprecher Aktionsbündnis Böbinger Tunnel
  • "Steter Tropfen ..."
  • Barthle freut sich: „Eine gute Nachricht für die Böbinger Bürger und die gesamte Raumschaft“ sei der Beschluss, sagt Noch-Bundestagsabgeordneter Norbert Barthle (CDU). Und für ihn „der perfekte Abschluss meiner 23-jährigen Arbeit für meinen Wahlkreis“.
  • Dankbar sei er seinem Nachfolger im Amt des Verkehrsstaatssekretärs Steffen Bilger: „Bei jedem Treffen auf der Regierungsbank habe ich ihn gefragt: Und wie steht es mit Böbingen?“, so Barthle. Und fügt hinzu: „Das Sprichwort scheint wahr zu sein: Steter Tropfen höhlt den Stein.“
  • Das Aktionsbündnis: Neben den drei Sprechern Manfred Gold, Otto Betz und Peter Högerle sind dies: Jürgen Frieß, Steffen Henzler, Stefan Köhler, Marc Rechmann, Wolfgang Schuster, Tom Trost, Alexander Weller.

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