Von der Idee bis aufs Dach: Unser Photovoltaik-Projekt

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Die Module sind auf dem Dach - fehlt nur noch der Wechselrichter.
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Knapp acht Monate vergehen von der Idee, eine Photovoltaik-Anlage aufs Dach zu bauen, bis zu deren Inbetriebnahme.

Heubach

Unser Photovoltaik-Projekt beginnt mit einer maroden, über 20 Jahre alten Gasheizung, die im vergangenen Winter Mucken machte und laut Experte „nicht mehr lange tut“. Was nun? Im Sommer sollte eine neue Heizung eingebaut werden. Aus baulichen Gründen entschieden wir uns abermals für eine Gasheizung, dafür sollte aber Photovoltaik (PV) aufs Dach, damit wir wenigstens unseren Strom teilweise selbst erzeugen können.

Im Februar 2022 legen wir los. Matthias Schneider von Elektrotechnik Mack aus Neuler kommt vorbei, vermisst unser Dach, wertet aus, wann wo viel Sonne runterkommt, überprüft die Statik des Garagendaches und erstellt einen Plan, wo die Module am besten installiert werden sollten, um das Sonnenlicht effektiv nutzen zu können. „Glück gehabt“, sagt der Experte damals. Denn wir hatten uns kurz vor Ausbruch des Ukrainekrieges und der explodierenden Energiepreise für den Aufbau der PV-Anlage entschieden. „Heute beträgt die Wartezeit für eine Anlage etwa 18 Monate“, erklärt uns Matthias Schneider zu einem späteren Zeitpunkt. Wir warten (nur) bis Mitte Mai.

Dann rücken die Handwerker an mit einem Lastwagen voller Module, Aluschienen, Dachpfannen, allerhand Kabeln und einem Baugerüst. Drei Tage lang werkeln die Männer vor allem auf den Dächern von Haus und Garage. Insgesamt 26 PV-Module schrauben sie auf Aluschienen, die an Unterlegplatten aus Metall befestigt werden. Für die Leitung in den Keller bohren die Handwerker ein kleines Loch durch die Außenwand. Ein Kabelkanal führt vom Dach durchs Loch bis zum Wechselrichter im Keller. Eigentlich. Denn die Geräte sind Mangelware, und zu diesem Zeitpunkt ist unseres noch nicht geliefert. Die PV-Anlage auf dem Dach ist innerhalb von drei Tagen montiert. Sonnenstrom können wir trotzdem nicht tanken, weil besagter Wechselrichter fehlt. Jetzt heißt es warten. Und zwar bis Ende Juli. Die Handwerker rücken erneut an, bauen den etwa 50 auf 30 auf 20 Zentimeter großen Kasten ein und verlegen die Leitungen im Keller.

Rein theoretisch könnten wir ab sofort unseren eigenen Sonnenstrom erzeugen. Zuerst muss aber noch ein neuer Stromzähler eingebaut werden, weil wir überschüssigen Strom, den wir nicht selbst verbrauchen, ins Netz einspeisen. Dies übernimmt ein Mitarbeiter des Energieversorgers EnBW ODR in Ellwangen. Und auf den müssen wir: warten. Dieses Mal bis Anfang September. Eine Wartezeit von sechs bis acht Wochen sei normal, heißt es auf Nachfrage in Ellwangen. Die Mitarbeiter seien im Dauereinsatz und bearbeiteten die Aufträge der Reihe nach, mehr gehe nicht.

Mehrere Anträge ausfüllen

Diese Zeit nutzen wir, um uns um den Papierkram zu kümmern. Da wir eine PV-Anlage mit einer Leistung von unter zehn Kilowatt-Peak auf dem Dach haben, müssen wir kein Gewerbe anmelden und somit auch keine Gewerbesteuer zahlen. Weil wir aber überschüssigen Sonnenstrom ins öffentliche Netz einspeisen, müssen wir dies beim Finanzamt anmelden. Zwei Formulare füllen wir aus. Einen Antrag auf Kleinunternehmerregelung. Diese besagt: Wir dürfen im Laufe des Kalenderjahres eine Umsatzgrenze von 22 000 Euro nicht überschreiten, müssen dafür aber keine Umsatzsteuer bezahlen und keine Umsatzsteuer-Jahreserklärung abgeben. Ein weiteres Formular nennt sich „Antrag auf Liebhaberei“ oder Vereinfachungsregel. Auch diese beantragen wir. Sie besagt, dass wir mit unserer kleinen PV-Anlage „keine Gewinnerzielungsabsicht“ verfolgen. Gewinne müssen wir fortan nicht versteuern, Verluste werden aber auch nicht berücksichtigt.

Geschafft! Heißt es für uns Anfang September. Der Fachmann der EnBW und zwei Mitarbeiter der Firma Mack besuchen uns. Sie tauschen den Stromzähler aus und schließen den Strom an. Wir füllen ein weiteres Formular aus: das Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur für den deutschen Strom- und Gasmarkt. Die Bestätigung, dass wir alles korrekt angemeldet haben, flatterte in diesen Tagen in unseren Briefkasten.

Ab jetzt zählt's: Am Stromzähler können wir nun sehen, wie viel wir verbrauchen und wie viel wir mit unserer PV-Anlage erzeugen. Auch am Tablet oder Handy können wir mithilfe einer App zu jeder Zeit nachverfolgen, welches Modul auf dem Dach gerade Strom erzeugt. An Sonnen-Tagen produzieren wir mehr Strom als wir verbrauchen. Manchmal aber halt zur falschen Zeit. Dann fließt der Strom ins Netz. „Lernen Sie, mit der Sonne zu leben“, rät uns Matthias Schneider. Unser Auftrag in den kommenden Jahren....

Fünf Schritte bis zur Photovoltaikanlage

1. Anbieter für PV-Anlage beauftragen.2. PV-Anlage installieren lassen.3. Die PV-Anlage beim Finanzamt und bei der Bundesnetzagentur anmelden.4. Den Stromzähler austauschen lassen.5. Eine Solar-App installieren, um die PV-Anlage im Blick zu behalten.Der Preis für eine PV-Anlage hängt von deren Größe ab. Sie kostet für ein Einfamilienhaus um die 20 000 Euro.

Module warten auf Montage.
Module warten auf Montage.
Geschafft: Der neue Stromzähler ist eingebaut.
Die Fotovoltaik-Module werden auf Schienen befestigt.
Die Fotovoltaik-Module werden auf Schienen befestigt.
Module warten auf Montage.
Zuerst kam das Dixi-Klo.
Der Wechselrichter im Keller.
Das Haus wird eingerüstet.
Ein Loch muss in die Wand, um die Kabel vom Dach in den Keller zu verlegen.
Einzelne Dachplatten werden durch Metallplatten ersetzt, auf die sodann die Schienen angebracht werden.
Die Fotovoltaik-Module werden auf Schienen befestigt.
Die Unterkonstruktion für die Fotovoltaik-Module.

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