Der Krieg in der Ukraine ist „brutale Wirklichkeit“

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Beim interreligiösen Friedensgebet der Stadt Heubach gibt es neben geistlicher Impulse auch musikalische Beiträge.
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Die anhaltenden Kämpfe in Osteuropa stehen im Zentrum des interreligiösen Friedensgebets in Heubach.

Heubach. „Wenn die Last der Welt dir zu schaffen macht, hört er dein Gebet“, heißt es in einem neueren christlichen Lied. Interpretiert vom Musikteam um Pfarrer Nils Dollinger, fasste es am Sonntagabend Sinn und Zweck des interreligiösen Friedensgebetes in der Stadthalle zusammen. Zu schaffen macht derzeit der Krieg in der Ukraine, weshalb er im Zentrum der Gebete der drei Heubacher Geistlichen und des Imams stand. Auch Bürgermeister Dr. Joy Alemazung ging darauf ein, als der die rund 30 Teilnehmer begrüßte.

„Wir befinden uns hier geradezu in einer Idylle im Vergleich mit der Ukraine“, stellte der Bürgermeister das Land im Frieden dem Land gegenüber, gegen das Putin einen brutalen Krieg führt. Er sei dankbar, dass die Heubacher eine solche Aggression nicht erleben müssen. Kritisch merkte er an: „Wir halten zu vieles für selbstverständlich“, und manchmal fehle es an Wertschätzung.

Dankbar zeigte sich Alemazung auch, dass die Stadt dank der Unterstützung der Bevölkerung 200 geflüchtete Ukrainerinnen und Ukrainer aufnehmen konnte. Der Zusammenhalt vor Ort und in der Welt sei ein wichtiges Signal Richtung Russland. „Lass dich nicht vom Bösen besiegen“, zitierte er aus dem Römerbrief 9 und ordnete Putin klar auf der Seite des Bösen ein: „Er meint, er steht auf der Siegerseite, auf der Seite der Alliierten, ich sehe ihn auf der anderen Seite.“ Wie Hitler versuche er, ein Land nach dem anderen einzunehmen.

Zerstörte Städte

„Was als falscher Traum beginnen wollte, ist längst brutale Wirklichkeit“, wies Pfarrer Thomas Adam auf die vielen Wochen hin, die der Krieg in der Ukraine nun schon andauere. Verstörte Kinder, zerstörte Städte und Landschaften, zu gerne verschlösse man die Augen. „Wo immer wir hinfliehen wollen, du bist da“, verweist der Theologe auf Gott, vor den der Mensch werfen könne, was zu finster und zu dunkel ist. Er bat: „Halte uns und halte uns aus mit unseren Fragen, Zweifeln und den Lasten dieser Welt.“

Nach einem weiteren passenden Lied, Bonhoeffers „Von guten Mächten wunderbar geborgen“, rezitierte der Imam der Ulu Moschee, Ali Sarikaya, einige Verse aus dem Koran, die Abdullah Özaydin als Vertreter des türkisch-islamischer Kulturvereins übersetzte. Er begann mit einem Zitat von Martin Luther King: „Wir haben gelernt, wie die Vögel zu fliegen, wie die Fische zu schwimmen; doch wir haben die einfache Kunst verlernt, wie Brüder zu leben.“ Und warnte, Gott habe keine Gnade denen gegenüber, die kein Erbarmen mit den Menschen haben. „Ich bete zu Gott und hoffe, dass jede Art von Krieg ein schnelles Ende findet.“

Neben den Pfarrern Dollinger und Adam war Pfarrer Bernhard Weiß der Dritte im Bunde. Er knüpfte an den Muttertag an, an dem es besonders berühre, wenn Mütter und Großmütter fliehen müssen. Irritiert zeigte er sich angesichts des Männlichkeitsideals, das gerade in Kriegen gepflegt werde. Kritisch fragte er, ob man Frieden wirklich durch Waffengewalt durchsetzen könne, und fuhr fort, es sei nicht die beste Lösung, aber vielleicht besser, als nichts zu tun. Zuversichtlich endete er mit Versen aus der Offenbarung: „Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen ... denn was früher war, ist vergangen.“ Womit Weiß einen mütterlichen Gott zeichnete, der Trost spendet und voller Erbarmen ist. „Mit dem Kirchenlied „Herr, wir bitten, komm und segne uns“ endete das einstündige Friedensgebet. Birgit Markert

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