Die Grabkammer gleich nebenan

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Die Höhle Haus sieht von der Form her tatsächlich aus wie ein Haus. So richtig wohnlich finden es die Teilnehmer der Führung aber nicht.
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Der Heubacher Höhlenverein bietet verschiedene Führungen auf dem Rosenstein an. Im Oktober wird die Höhle Haus für einige Zeit gesperrt, weil Forscher sie genauer untersuchen möchten.

Heubach

Weit reicht der Blick vom Heubacher Rosenstein über große Weideflächen, kein Baum, nur Buschland, in der Ferne grast eine Rentierherde, Hirsche und Mammuts durchstreifen das steppenähnliche Gelände. Vor der Höhle Haus brennt ein Lagerfeuer, innen sitzt die Großfamilie zusammen. Gemütliches Steinzeitleben? Nun ja, ganz so gemütlich ging's damals wohl nicht zu.

Das erfahren die Teilnehmer der Höhlentour, die zum Haus, zur Großen Scheuer und zum Finsteren Loch führt. Wolfgang Naak vom Heubacher Höhlenverein erzählt Kindern und Erwachsenen von Grabkammern, dicken Maden und dem ersten Zwei-Komponenten-Klebstoff, den die Höhlenmenschen vor tausenden von Jahren erfunden haben.

Im Haus breitet der Hobby-Höhlenforscher ein Ziegenfell aus und präsentiert darauf Funde, die die Lebensweise der Steinzeitmenschen veranschaulichen sollen. Die Mädchen und Jungs dürfen raten, worum es sich handelt, und machen das richtig gut: Angelhaken und Speerspitzen aus Knochen, ein dicker Brocken mit spitzem Ende – ein so genannter Faustkeil – aus Hornstein, den die Steinzeitmenschen als Messer, Schaber und Kratzer nutzten, Speer- und Pfeilspitzen. Und ein Werkzeug aus leichtem Stein mit angeklebter scharfer Steinklinge und einem Lederband zum Umhängen. „So in etwa sah vermutlich ein Taschenmesser der Kinder damals aus“, erklärt Wolfgang Naak. Die scharfe Klinge haben die Menschen mit Spezialkleber angeklebt: eine Mischung aus Kiefernharz und Bienenwachs.

Leben schon vor 40 000 Jahren?

Kinder, Eltern, Großeltern, Onkels und Tanten lebten gemeinsam in den Höhlen auf dem Rosenstein. Die gefundenen Nähnadeln verdeutlichten, dass sich die Steinzeitmenschen dort für einen längeren Zeitraum aufgehalten hatten und beispielsweise Kleidung aus Fellen nähten. Neueste Erkenntnis: Die Forscher glauben, dass bereits vor etwa 40 000 Jahren die Höhlen auf dem Heubacher Hausberg bewohnt waren. Bislang seien rund 15 000 Jahre alte Funde entdeckt worden. Knochen des Höhlenbären, die Forscher nun im Haus entdeckten, lassen laut Wolfgang Naak darauf schließen, dass die Höhlen schon viel früher bewohnt waren. Der Bär war vor 15 000 Jahren schon längst ausgestorben. Die gefundenen Knochen weisen Schnittspuren auf - der Steinzeitjäger war's vermutlich.

Haus im Oktober zu

Im Oktober rücken Experten des Landesamtes für Denkmalpflege mit einem Spezialbohrer an, um die Erdschichten im Haus genauer zu untersuchen. Dann wird die Höhle eine Zeit lang gesperrt sein. Die Vermessungspunkte an den Wänden sind die Vorarbeit hierfür – ganz aktuell und keine steinzeitliche Höhlenmalerei, wie Wolfgang Naak berichtet. Dass bisher in den Höhlen auf dem Rosenstein keine Malereien entdeckt worden seien, bedeute übrigens nicht, dass die Heubacher Steinzeitmenschen nicht malten. Die Höhlen in der Region seien aber sehr feucht, Malerei vermutlich deshalb nicht mehr erhalten oder unter Kalkschichten verdeckt. Auch mit Schmuck konnten die Steinzeitmenschen schon vor tausenden von Jahren etwas anfangen. Wolfgang Naak zeigt die Nachbildung eines dicken Maden-Kokons, den die Menschen damals vermutlich als Anhänger an einer Halskette trugen.

Im hinteren Teil des Hauses schließt sich ein weiterer Höhlenraum an, der allerdings mit einem Gitter verschlossen ist. Dort haben Forscher menschliche Knochen gefunden. Knochen aus der Steinzeit, aber auch aus dem Mittelalter. „Ein Grab“, sagt Wolfgang Naak. Gleich im Anschluss an die „gute Stube“, in der die Forscher schon viele Keramikscherben entdeckt haben, aber auch Knochen von allerlei Tieren.

In der Großen Scheuer zeigt der Hobby-Forscher Bilder vom „homo erectus„, vom ersten aufrecht gehenden Menschen, der vor gut 1,9 Millionen Jahren lebte, vom Neandertaler, der vor 40 000 Jahren Unterschlupf in den Höhlen – vermutlich auch auf dem Rosenstein – suchte und von Ötzi, der vor rund 5000 Jahren lebte, die älteste, bekannte, menschliche Mumie.

Im Finsteren Loch entdeckte der Heubacher Forscher Franz Keller vor gut 100 Jahren ebenfalls menschliche Knochen, Ringe, Messer und eine römische Kupfermünze. „Vielleicht gab's damals Handelsbeziehungen bis nach Italien“, sagt Naak. Woher die menschlichen Knochen stammen? Das wisse man nicht so genau. Vielleicht sei's ein Mord gewesen, berichtet Naak von Gerüchten.

Zum Abschluss der Führung dürfen die Teilnehmer erste Wurfübungen mit nachgebauten Steinzeitspeeren wagen. „Mit den Dingern konnte man nicht gut zielen“, erklärt Naak. Vielmehr schossen die Menschen damals wohl die Speere auf gut Glück in eine Herde Wildpferde oder Hirsche und schauten danach, ob's geklappt hat. Mit scharfen Steinklingen schnitzen die Kinder aus stabilen Ästen ihren ersten Steinzeitpfeil. Spannend, aber ganz schön anstrengend. Dann geht's zurück ins Hier und Jetzt und zum Wanderparkplatz, dem Ausgangspunkt der Führung.

Der erste Zwei-Komponenten-Klebstoff bestand aus Kiefernharz und Bienenwachs.“

Wolfgang Naak,, Höhlenverein Heubach
  • Führungen durch Heubachs Höhlen
  • Mitmachen: Der Heubacher Höhlenverein bietet archäologische Führungen, Aktivführungen und Vorträge an. Alle Infos zu den Höhlen auf dem Rosenstein, Termine und Ansprechpartner gibt's unter www.hoehlenverein-heubach.de.
Wolfgang Naak zeigt Werkzeuge der Steinzeit.
Taschenmesser der Steinzeit.
Rosenstein Höhlentour

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