Heubacher auf dem fünfthöchsten Berg der Welt

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Sebastian Fuchs, Bersteiger und Bergführer aus Heubach besteigt den fünfthöchsten Berg der Welt.
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Sebastian Fuchs stammt aus der Rosensteinstadt und war jetzt im Mai auf dem Makalu (8463 Meter) – allein und ohne Zuhilfenahme von Sauerstoff.

Sebastian Fuchs auf dem fünfthöchsten Berg der Welt

Sebastian Fuchs, Bersteiger und Bergführer aus Heubach besteigt den fünfthöchsten Berg der Welt.
Sebastian Fuchs, Bersteiger und Bergführer aus Heubach besteigt den fünfthöchsten Berg der Welt. © privat
Sebastian Fuchs, Bersteiger und Bergführer aus Heubach besteigt den fünfthöchsten Berg der Welt.
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Sebastian Fuchs, Bersteiger und Bergführer aus Heubach besteigt den fünfthöchsten Berg der Welt. © privat

Heubach/Kathmandu. Er gehört zu den „Big Five“ der Achttausender: der Makalu, der fünfhöchste Berg der Erde, 8463 Meter über dem Meeresspiegel. Nur der K2, der Lhotse, der Kangchendzönga und, natürlich, der Mount Everest sind noch höher als der „Große Schwarze“, wie der Makalu genannt wird. Er liegt östlich des Mount Everest zwischen Nepal und dem Autonomen Gebiet Tibet, das zu China gehört.

Sebastian Fuchs ist 37 Jahre alt und aus Heubach. Ihn zog es bereits als Jugendlichen in die Bergwelt der Alpen. Weil es immer ein wenig aufwendig war, an jedem möglichen Wochenende in die Berge zu fahren, um dort das zu tun, was Sebastian Fuchs am liebsten tut: Skifahren, Wildwasserkajakfahren – und Klettern. Mittlerweile hat er sich in Kufstein selbstständig gemacht als staatlich geprüfter Bergführer. Er gibt Kurse, bringt Menschen aufs Matterhorn, den Mont Blanc, aufs Zinalrothorn, zum Alpamayo in Peru, die Dent Blanche oder auf seinen Hausberg, den Wilden Kaiser. Fit hält er sich mit Trailrunning: Berge hoch und runter rennen. Zum Beispiel beim „Ultra-Trail du Mont-Blanc“, das sind 170 Kilometer mit 10 000 Höhenmetern hinauf.

Vorgeschichte und Anreise

Eigentlich war es gar nicht so sehr das Ziel von Sebastian Fuchs, den Makalu zu besteigen, eher die Idee seiner Bergfreundin Carolin. Für Caro war es der Traumberg. Und sie wäre die erste deutsche Frau gewesen, die den Makalu ohne zusätzlichen Sauerstoff bestiegen hätte. Deswegen haben sich die beiden auf den Weg gemacht in den Himalaya. Und am Ende war es Sebastian, der es auf den Gipfel des Makalu geschafft hat - allein. Und ohne Sauerstoff.

Von Frankfurt ging’s mit dem Flieger erst nach Kathmandu, dann weiter nach Tumlingtar und schließlich in weiteren 22 Stunden mit dem Bus nach Num. Dass sie sich gut akklimatisieren mussten, war ihnen klar. „Die Zeit muss man sich einfach nehmen“, drei Wochen in diesem Fall, berichtet Fuchs. Und sie genießen zunächst den Weg zum Makalu Base Camp. „Du könntest Dich auch mit dem Hubschrauber hinfliegen lassen, aber dieses Anmarschtrekking ist schon toll“, sagt der Bergsteiger. Man geht durch mehrere Vegetationszonen allmählich hoch mit Blick auf Berge und Gletscher.

Als sie am Base Camp auf 5600 Meter Höhe sind, beginnen die sogenannten Rotationen. Da geht es darum, sich an die Höhe zu gewöhnen. Dazu muss man wissen, dass es immer weniger Sauerstoff in der Luft gibt, je höher man kommt. Ab 7000 Metern Höhe ist es so, dass sich der Körper nicht mehr regenerieren kann, er baut ab. Häufig wird der Bereich oberhalb von 7000 Metern als Todeszone bezeichnet. Ab 8000 Metern, so heißt es, ist ein Aufenthalt dort von mehr als 48 Stunden lebensgefährlich. Dort sollte man keinen Urlaub planen. Aber wenn man sich immer wieder an die Höhen herantastet, dann kann man die Gefahr minimieren, die Höhenkrankheit zu bekommen, die durch einen Mangel an Sauerstoff entstehen kann: Symptome sind Kopfschmerzen und Übelkeit – bis hin zu Lungen- oder Hirnödemen.

Die Akklimatisierung

Sie gehen zum ersten Lager auf etwa 6100 Meter, schlagen ein Zelt auf, bleiben dort über Nacht – und steigen wieder ab. Machen Ruhetage. Was man da tut? „Lesen, Wäsche waschen, entspannen, solche Sachen“, berichtet der Heubacher. Dann zum zweiten Lager (6600 Meter), wieder mit Übernachtung im Zelt, das sie stehen lassen und Dinge dort deponieren, Sauerstoffflaschen zur Sicherheit etwa und Lebensmittel – und wieder runter. Dann hoch zum dritten Lager auf 7500 Meter, wo sie ein weiteres, kleineres Zelt aufschlagen – und so weiter, rauf und runter. Dann ist es soweit, und sie planen einen Gipfelsturm – aber der Begleiterin von Sebastian geht es nicht gut. Sie klagt über Kopfschmerzen, ihr ist übel. Es sind Symptome der Höhenkrankheit. Und sie beschließen, dass es besser ist, wenn Caro nicht weiter hoch geht. Es ist zu riskant. „Für sie war es der Traumberg, das ist der Grund, weswegen wir dort hin sind“, berichtet Sebastian Fuchs später. Aber er lobt seine Begleiterin für die Vernunft. „Sie kann stolz sein, dass sie sich so entschieden hat“, sagt der Bergführer. Sie besprechen, dass Fuchs nun allein auf den Gipfel geht. Er fühlt sich gut – und die Bedingungen seien „ideal“ gewesen. Ideal, damit meint Fuchs, dass es ein sehr langes Fenster mit gutem Wetter gegeben habe, dass wenig Schnee lag und es viel Blankeis gab, was die Gefahr von Lawinen minimiert. Und dass es nicht gar so kalt gewesen sei. 20 Grad minus.

Der Gipfelsturm

Sebastian Fuchs steigt abends gegen 19 Uhr hoch von Lager drei aus - um 19 Uhr, weil er zunächst damit gerechnet hat, 14 Stunden unterwegs zu sein. Ohne Sauerstoff. „Bis 8000 kommt man noch gut vorwärts“, berichtet der Bergsteiger. Aber ab 8300 Meter: „Da wird es schon mühsam.“ Insgesamt wird er für den Sturm auf den 8463 Meter hohen Gipfel 6 Stunden und 17 Minuten brauchen. Für 1000 Höhenmeter. „Normal laufe ich 1000 Höhenmeter unter einer Stunde“, sagt er. Da oben sei alles ganz anders. „Man macht schon einen normalen Schritt, muss aber massiv schnaufen.“ Er steht oft auf den Frontzacken seiner Steigeisen. Fuchs muss immer wieder stehenbleiben und Pausen machen. Dennoch kommt er recht schnell voran im Vergleich zu anderen, die den Weg schon gemacht haben. Das ist gut. Denn wenn man schnell vorwärts kommt, ist das Risiko geringer, dass man sich Erfrierungen holt. Dabei seien kalte Finger nicht so schlimm wie kalte Zehen. „Du kannst die Arme kreisen, dann werden die Finger wieder wärmer“, berichtet der Bergsteiger. Schwieriger sei es, wenn die Zehen kalt werden. Zwar trägt er Spezialschuhe und Heizsocken, die sich mit einem kleinen Akku beheizen lassen. Aber das hilft halt nur ein bisschen. Irgendwann werden die Zehen taub. Er sieht einen Gipfel, hofft, dass es der richtige ist. Er ist es aber nicht. Sondern nur eine Pyramide vor dem eigentlichen Ziel. Er muss noch durch eine Rinne, das French Couloir.

Und dann ist er oben am 15. Mai. Allein. Aber er hat den Gipfel zu früh erreicht. Zumindest für ein richtig schönes Gipfelfoto. Denn es ist noch Nacht. Aber er hat ein kleines GPS-Navigationsgerät dabei und kann so seine Position markieren und sie auch verschicken vom Gipfel. „Irgendwie muss man es ja belegen“, sagt Fuchs, das gehört schon dazu. Warten, bis die Sonne aufgeht, vielleicht bei einem Heubacher Gipfelbierchen wie auf dem Rosenstein: Das geht nicht. Er bleibt zehn, 15 Minuten – ganz allein auf dem Gipfel. „Die Nacht war schön“, sagt er. Er habe bei Vollmond hinüber gesehen zu Mount Everest und Lhotse in etwa 30 Kilometer Luftlinie Entfernung. Und eine Lichterkette dort von Bergsteigern. Dann steigt er ab. Packt die Zelte zusammen und die Ausrüstung. Kommt wieder an im Base Camp. Nie habe das Gefühl gehabt, dass er es nicht schafft. Gemerkt, dass es brutal anstrengend wird, das habe er schon. „Technisch war es keine große Herausforderung“, sagt Fuchs und meint das gar nicht angeberisch. Sie hätten die Normalroute gewählt. Die sei durch fix angebrachte Seile entschärft, an denen man sich mit Handsteigklemmen hocharbeiten kann. Ohne diese Fixseile müsste man sich sichern in einer Seilschaft. „Da wüsste ich nicht, ob ich mich das allein trauen würde“, meint Fuchs. Aber wegen der Höhe sei es schon ein großes Unternehmen – und auch aufwendig wegen der Akklimatisierung.

Nächste Ziele

Wenn man da so sitzt auf dem Makalu und schaut rüber zum Mount Everest. Denkt man da nicht: Da will ich auch mal hin? „Da sage ich ganz klar, wenn ich das als Bergführer-Auftrag bekomme, mache ich das gern, privat interessiert es mich nicht.“ Höchstens vielleicht eine Begehung ohne Sauerstoff, schiebt Fuchs doch noch nach. Aber der Mount Everest: Das sei schon Massentourismus – mit allein jetzt schon 400 Besteigungen in diesem Jahr. Eher reizen würde ihn eine Tour auf den Kangchendzönga (8586 Meter) in Indien.

Der Makalu, das ist kein Schnäppchen. Anbieter verlangen mindestens 18 000 Euro pro Person mit Flug. Dann muss eine nepalesische Agentur mit im Boot sein – und ein Verbindungsoffizier, auch wegen der Nähe zu China. Denn zwischen Lager zwei und drei kommt man nach China und steigt also über China zum Gipfel. „Das ist schon viel Geld“, so der Heubacher – auch wenn er einen Spezialpreis bekommen hat.

Info: Wer sich für eine Tour mit Sebastian Fuchs interessiert: Infos gibt’s unterwww.fuchssebastian.com

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