Russischer Supermarkt: Kunden von beiden Seiten der Front

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Eine Mitarbeiterin aus der Ukraine räumt im Eurosmarkt in Heubach Regale ein - ihre Eltern leben im Kriegsgebiet.
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Wie der russische Angriff auf die Ukraine in einem Supermarkt in Heubach zu spüren ist: ein Besuch im EuroSmarkt, dessen Besitzer selbst aus Russland stammt.

Heubach

Es ist ein ruhiger Einkaufsvormittag im EuroSmarkt in Heubach. Doch der Krieg in der Ukraine ist auch hier präsent. „Eine Mitarbeiterin stammt aus der Ukraine, der ist es schwergefallen, heute morgen zu kommen“, sagt Johann Schlosser, der Geschäftsinhaber. Schlosser ist in Russland geboren, 1990 ist er als Jugendlicher nach Heubach gezogen.

Die Ukrainerin, die in seinem Markt arbeitet, möchte nichts in der Zeitung sagen. Doch für die junge Frau ist der an diesem Tag ausgebrochene Krieg in ihrem Heimatland viel mehr als eine Nachricht in den Medien. „Sie kommt aus einer Stadt aus dem Kriegsgebiet, die Eltern und die Familie leben noch dort“, erzählt Schlosser.

Rund ein Drittel seiner Kunden hat russische Wurzeln, schätzt der Geschäftsinhaber, der viele russische Produkte, aber auch Lebensmittel aus anderen Länder verkauft. Als Chef kennt er die Stimmung und die Meinungen mancher Kunden und Mitarbeiterinnen, die eine Verbindung zu Russland haben.

Wie seine eigene Meinung ist, dazu äußert sich Johann Schlosser sehr vorsichtig. „Ich muss ja neutral bleiben“, sagt er. Unter seinen Kunden gebe es „solche und solche“, sagt er. „Manche sind pro Russland, manche pro Ukraine – nur pro Amerika ist kaum jemand“, sagt Schlosser. Die Meinungsverschiedenheiten hängen oft mit der Mediennutzung zusammen, so seine Beobachtung: „Es kommt sehr darauf an, wo sich die Leute informieren.“

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Waren aus Russland

Um seine Warenversorgung muss Schlosser kaum fürchten: „Nur zehn Prozent meiner Produkte kommen direkt aus Russland, vieles wird in östlichen Ländern der EU produziert.“ Auch der Betriebsfrieden unter seinen zehn Mitarbeitern ist noch nicht gestört, so empfindet es Johann Schlosser. „Ich hoffe, dass es so bleibt“, sagt er vor dem Hintergrund seiner Erfahrungen in den letzten Monaten. „Beim Thema Impfen war das nicht immer einfach.“

Und dann redet Johann Schlosser doch noch über den Krieg und Wladimir Putin. „Angriff“ nennt er den Krieg, und sagt: „Es ist schlimm, dass Menschen sterben.“ Und wie sieht er den Kriegsherrn, den russischen Präsidenten? „Putin ist eben Soldat, das ist jetzt wohl seine Art, Politik zu machen.“ Und die Nato schaue zu. „Dabei haben die Nato und die Amerikaner die Sache mit bewirkt.“ Was die deutsche Regierung betrifft, fragt sich Johann Schlosser, ob die frühere Bundeskanzlerin etwas anders gemacht hätte. Vielleicht schon, denkt er. „Ich bin ein großer Fan von Frau Merkel.“

„Das waren die Guten“

Dem Thema, das offenbar das Handeln des russischen Präsidenten bestimmt, ist Johann Schlosser schon in seiner Schulzeit in den 80er-Jahren im damals noch sowjetischen Russland begegnet: der Frage, ob die Ukraine zu Russland gehört oder eben nicht. „Uns wurde damals beigebracht, dass es schon im Weltkrieg Ukrainer gegeben hat, die für die Unabhängigkeit waren – das waren, so hieß es, die Schlechten.“ Und umgekehrt: „Die, die wollten, dass beides zusammenbleibt, das waren die Guten.“

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