Solaranlage darf (noch) nicht ans Netz

+
Eine Solaranlage darf erst in Betrieb gehen, wenn die ODR den Stromzähler getauscht hat. Das kann derzeit einige Wochen dauern.
  • schließen

Ein Heubacher hat seit Anfang Juli eine funktionstüchtige PV-Anlage auf dem Dach. Strom darf diese aber keinen produzieren. Der Ball liegt bei der ODR. Das sagt ihr Geschäftsführer dazu.

Heubach

Ekkehard Schwarz aus Heubach ärgert sich. Anfang des Jahres habe er sich entschlossen, eine Photovoltaik-Anlage auf seinem Dach zu installieren. Die Firma Zipser aus Bartholomä habe den Auftrag trotz Engpässen bei den Materialien zuverlässig und schnell erledigt. Die Solaranlage wurde laut Schwarz am 3. Juli als fertiggestellt an die EnBW/ODR übermittelt. „Da dachte ich noch, ich kann das Ding innerhalb von ein paar Tagen in Betrieb nehmen“, erinnert sich Schwarz.

Er darf aber nicht, wie er berichtet. Denn die ODR habe den erforderlichen Stromzähler noch nicht ausgetauscht. Schwarz sagt, er habe zwei Mal bei der ODR angerufen. Dort habe er die Auskunft bekommen, man sei „total überlastet“ und Kunden müssten mit bis zu sechs Wochen Wartezeit rechnen. Nun seien vier Wochen vorbei. Vier Wochen, in denen die Sonne super geschienen hätte, der Ertrag der Anlage hervorragend gewesen wäre. „Aber ich habe nichts davon“, sagt Schwarz. Vielleicht, meint er, habe die ODR ja gar kein großes Interesse daran habe, den Zähler auszutauschen. Denn: „Solange meine Anlage nicht läuft, können sie mir weiter ihren teuren Strom verkaufen.“ Das sei unverantwortlich, heutzutage, wo jeder übers Energiesparen rede und selbst der Bundespräsident den Strom in seinem Schloss abschalte.

Hinhaltetaktik?

Die Redaktion hat bei der ODR nachgefragt: Müssen Kunden wirklich so lange warten? Warum? Und was sagt die ODR zu dem Vorwurf, sie betreibe sogar eine Art „Hinhaltetaktik“,?

Geschäftsführer Matthias Steiner sagt: „Wir haben großes Interesse daran, die Energiewende in der Region weiter zügig voranzubringen und den Ausbau der erneuerbaren Energien sogar noch zu beschleunigen.“ Im Marktgebiet der EnBW Ostwürttemberg DonauRies AG (ODR) sei diese mit der Stromwende vergleichsweise weit. Insgesamt seien mehr als 34 000 Erzeugungsanlagen aus erneuerbaren Energien, überwiegend Photovoltaik, installiert, die Strom in das Netz einspeisen, darunter viele kleine. Zusammengerechnet komme man auf eine Leistung von über einem Gigawatt. Das entspreche der Stromproduktion eines großen konventionellen Kohleblocks. „Die Steuerung der verstreut liegenden Anlagen bedeutet jedoch im Vergleich dazu einen immens höheren Aufwand“, meint Steiner.

„Im ersten Halbjahr 2022 sind bei uns bereits fast 2700 Anträge zum Anschluss von Erneuerbare-Energien-Anlagen eingegangen; eine Verdoppelung gegenüber dem Vorjahr. Mehr als die Hälfte dieser Anlagen sind bereits angeschlossen. Für die übrigen sind die Anträge in Bearbeitung oder warten auf ihre Bearbeitung“, sagt Steiner.

Boom führt zu Engpässen

Leider führe dieser Boom aktuell tatsächlich zu Engpässen und längeren Bearbeitungszeiten, sowohl bei der Bearbeitung der Anmeldungen wie bei der Zählersetzung, sagt der Geschäftsführer. „In einigen Fällen kann es derzeit leider auch vier bis sechs Wochen dauern, obwohl unser Team auf Hochtouren arbeitet und Überzeiten leistet.“ Die ODR wolle ihr Team verstärken und suche Fachkräfte, was aktuell ebenso eine Herausforderung darstelle. „Diese Gemengelage ist natürlich für alle Seiten nicht schön, vor allem für unsere Kunden. Wir verstehen, dass diejenigen, die jetzt durch den Anschluss einer Photovoltaikanlage ein Stück energieautarker sein könnten, verärgert reagieren, wenn die Bearbeitungsdauer länger als erwartet ist. Wir versichern, dass wir so zügig wie möglich arbeiten und alles tun, um die Verfahren zu beschleunigen. Denn wir wollen, dass die Anlagen in Betrieb gehen.“

Der Geschäftsführer betont: „Dem Vorwurf, dass die ODR/Netze ODR eine Art 'Hinhaltetaktik' betreibt und wir angeblich kein Interesse habe, solche Solaranlagen möglichst schnell zum Laufen zu bringen, muss ich entschieden widersprechen. Es ist schlichtweg die Flut an Anfragen die zu längeren Bearbeitungszeiten führt. Dass dies zu Frust bei den Anlagenbetreibern und auch bei unseren Mitarbeitern führt, ist uns bewusst. Wie arbeiten mit Hochdruck daran, dass wir hier schneller werden.“

ODR: „Oft fehlen Zugangsvoraussetzungen“

Nicht alles liege beim Anmelden einer solchen Anlage in den Händen der ODR, betont Geschäftsführer Matthias Steiner. So komme es oft vor, dass die Anträge nicht korrekt ausgefüllt seien oder Voraussetzungen für den Anschluss an das Netz fehlen. „Wo es möglich ist suchen wir pragmatische Wege, doch gibt es einige Formalien die eingehalten werden müssen, wie die Eintragung in das Marktstammdatenregister“, so Steiner, Alle Akteure des Strom- und Gasmarktes seien verpflichtet, ihre Anlagen auf www.marktstammdatenregister.de zu registrieren. Solaranlagen, KWK-Anlagen, ortsfeste Batteriespeicher und Notstromaggregate müssen genauso registriert werden wie Windenergieanlagen oder konventionelle Kraftwerke. Auch komme es vor, dass Anlagen erst angemeldet würden, wenn diese schon installiert seien. So gehe wertvolle Zeit verloren.

Zurück zur Übersicht: Heubach

Kommentare