Versprechen die Heubacher Kandidaten zu viel?

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So geht "politisches Speeddating": Fünfzehn Minuten, zehn Jugendliche, ein Bürgermeisterkandidat und Butterbrezeln. Hier ein Tisch mit Kandidat Jörg Pfisterer (Zweiter v.r.).
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Wie kommen die Bürgermeister-Kandidaten bei der Jugend an? Ein Besuch beim „Politischen Speeddating“ in der Stadthalle in Heubach.

Heubach

Letizia hat sich entschieden. Eben hat die 16-jährige Heubacher Schülerin fünf Kandidaten persönlich erlebt, jetzt weiß sie, wen sie wählen wird. Das direkte Kennenlernen, 15 Minuten pro Kandidat, hat etwas gebracht, findet sie. Gute und weniger gute Eindrücke: „Es waren nicht alle überzeugend“, sagt die Schillerschülerin.

Was bei Landtags- und Bundestagswahlen eher politische Aufwärmübungen sind, ist nun ernsthafte Demokratiepraxis beim Treffen der Schülerinnen und Schüler mit den Bürgermeisterkandidaten. Denn am kommenden Sonntag dürfen auch die 16- und 17-Jährigen mitwählen. Für ihn stehe die Entscheidung fest, erzählt ein 16-jähriger Gymnasiast. Auch ihm hat nicht alles gefallen, was er gehört hat: „Einige Kandidaten haben viele leere Versprechungen gemacht, das kann man nicht umsetzen.“

Helmut Dannecker, Dr. Joy Alemazung, Jörg Pfisterer, Christian Joswig und Wolfgang Schurr hatten sich am Mittwochvormittag Zeit genommen, um mit den mehr als 50 Schülerinnen und Schülern in der Stadthalle zu reden, Tayfun Türkylmaz hatte abgesagt.

Für die Jugend an den fünf Tischen gab’s ein Frühstück mit Butterbrezel, Kirschplunder und ein paar Süßigkeiten, für die Kandidaten Fragen - und die Gelegenheit, sich vorzustellen und ihre Ideen zu präsentieren. Christian Joswig nutze sein Fachgebiet, um mit den Schülern ins Detail zu gehen. „Als Leiter des Amts für Gebäudewirtschaft“ in Gmünd sei er schließlich für alle Schulen dort zuständig. Überdachte Bänke, größere Klassenräume, weniger altersschwaches Schulmobiliar und bessere Digitalausstattung notierte er sich auf einem Zettel als Wünsche der Jugendlichen.

Zuhören, Wünsche und Ideen aufgreifen, Jugendliche mitreden lassen – dass ihnen das wichtig sei, betonten alle Kandidaten. Joy Alemazung, Jörg Pfisterer, Christian Joswig und Wolfgang Schurr wollen den bestehenden 8er-Rat, ein stadtpolitisches Gremium aus Schülern der achten Klassen, ausbauen und eventuell erweitern hin zu einem Jugendgemeinderat, in dem auch ältere Schüler repräsentiert sind.

Es ging auch um Persönliches, um Motivation. Joy Alemazung, der als Referent beim Bundesministerium für Entwicklung arbeitet, griff eine Frage auf, die ihm öfter gestellt worden sei: Warum er aus Berlin nach Heubach wechseln wolle? „Weil ich mit Euch hier sitzen kann, das ist etwas, was mir Freude bereitet“, sagte er. Er wolle als Bürgermeister auf die Jugend schauen: „ohne Euch macht das keinen Sinn.“

Weitere Themen waren Busverbindungen, Wohnen, Flächenverbrauch. „Es braucht bessere Busverbindungen“, sagte Jörg Pfisterer, als eine Schülerin aus Lautern von ihren Problemen erzählte. Helmut Dannecker ging auf die Frage „Wie weit kann das Wachstum gehen?“ ein: „Ich finde es wichtig, vorhandene Gebäude weiter zu nutzen – das ist besser als Abreißen.“ Wolfgang Schurr betonte: „Dass kinderreiche Familien keine Wohnung finden, das darf nicht sein.“

Am Ende zeigten die Kommentare der Jugendlichen: Nicht nur Themen, auch der persönliche Eindruck, die Glaubwürdigkeit, ist nicht nur bei Kanzlerkandidaten ein wichtiges Element – auch bei der Wahl eines Bürgermeisters.

Einige Kandidaten haben viele leere Versprechungen gemacht.“

Ein Gymnasiast aus Heubach
  • Zuhören, entscheiden, wählen: Jugendliche dürfen gleich loswählen
  • Die Organisation: Das Jugendbüro Heubach hat gemeinsam mit der Schulsozialarbeit das „politische Speeddating“ für Schüler der weiterführenden Schulen organisiert.
  • Der Modus: Fünf Tische mit Jugendlichen, mit je einem Kandidaten. Nach jeweils 15 Minuten wandern die Kandidaten einen Tisch weiter, so dass jeder jeden trifft.
  • Die Jugendwahl: Nach dem Speeddating durften die Jugendlichen gleich vor Ort abstimmen: Die Ergebnisse dieser extra „Jugendwahl“ werden vom Jugendbüro ausgewertet und am Montagmorgen den Schulen bekannt gegeben.
  • Zum Nachlesen: Auf der Homepage der Stadt Heubach findet man acht Fragen und Antworten der Kandidaten zu Jugendthemen. Zu finden unter den Menüpunkten Bildung/Familie – Jugend.

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