Was Wahlsieger Joy Alemazung in Heubach plant

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Dr. Joy Alemazung mit seiner Frau Barbara am Wahlabend in Heubach.
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Welche Projekte Dr. Joy Alemazung als Bürgermeister angehen will, ob er nach Heubach umzieht und warum er in die CDU eingetreten ist. Ein Gespräch am Tag nach der Wahl.

Heubach. Seit Sonntagabend steht er fest, der Nachfolger von Frederick Brütting als Heubacher Bürgermeister. 66,2 Prozent der Bürgerinnen und Bürger wählten Dr. Joy Alemazung. Am Tag nach dem Wahlsieg hat die Redaktion ihn telefonisch erreicht.

Herr Alemazung, haben Sie ihren großen Erfolg schon verdaut?

Joy Alemazung: Ich arbeite immer noch daran. So viel Vertrauen, wie die Menschen in Heubach und den Teilorten mir geschenkt haben, bedeutet nun auch Verantwortung. Es bedeutet, sie trauen mir zu, ihre Probleme zu lösen.

Wie läuft der „Tag danach“?

Es gibt sehr viele Rückmeldungen und Anfragen, da komme ich kaum hinterher. Seit 8 Uhr arbeite ich beruflich im Homeoffice fürs Ministerium und fahre in zwei Stunden wieder nach Berlin. Für den Wahlkampf hatte ich mir freie Zeit genommen, jetzt steht deswegen viel Arbeit an. Das werde ich bis Ende des Jahres machen und am 1. Januar in Heubach anfangen.

Im Wahlkampf haben sich manche gefragt, ob Sie Ihre Parteipräferenzen verheimlichen. Jedenfalls haben Sie es nicht besonders betont. Sind Sie Mitglied der CDU?

Ja! Ich bin seit etwa einem Jahr Mitglied und seit August auch im Vorstand des Kreisverbands.

Warum haben Sie sich für die CDU entschieden?

Die CDU will die Schöpfung bewahren, dazu müssen wir den Menschen und die Natur in Einklang bringen. Das können wir nur mit einer nachhaltigen Wirtschaft. Bei Wirtschaftsthemen ist die CDU sehr gut, da kann ich mich gut einbringen. Eine Partei muss ja auch nicht perfekt passen, ich gehe ja auch rein, um zu helfen, dass es besser wird.

Wie wollen Sie helfen?

Wichtigstes Thema ist für mich die Nachhaltigkeit, die drei Dimension hat: die Ökologie, die Ökonomie und Soziales. Manchmal mache ich mich Sorgen, dass die Ökologie so sehr im Vordergrund steht. Manchmal hat man den Eindruck, die Menschen jetzt sollen leiden und sterben für die Zukunft, dann aber gibt es keine Zukunft. Auch andere Parteien wären in Frage gekommen: In meiner Studentenzeit war ich in der SPD wegen ihrer sozialen Komponente, was ich in den letzten Jahren stark vermisst habe. Ich komme aus einer Kultur, in der die Kollektivität eine große Rolle spielt und deswegen waren die Liberalen hier kein Thema für mich. Wichtig ist aber: Kommunalpolitik ist immer Bürgerpolitik, keine Parteipolitik. Mensch, Umwelt und Wirtschaft zusammenzubringen, darum geht es.

Gab es im Wahlkampf Vorbehalte gegen Sie wegen Ihrer Hautfarbe, mussten Sie Rassismus erleben?

Nein, nur auf Facebook. Ich war aber so angetan, wie stark andere Menschen das sofort kritisiert haben, ich selbst musste da gar nichts machen. Ich bin den Bürgerinnen und Bürgern so dankbar. Dass ich die Wahl gewinnen könnte, habe ich tatsächlich vermutet, wegen der Art und Weise, wie die Menschen mich angesprochen haben. Auch mein achtjähriger Sohn hat gemeint: „Papa, du wirst schon gewinnen, alle lieben dich.“ Die Wärme und der Zuspruch, die ich erfahren habe, bringen mich zum Weinen.

Am Sonntag sagten Sie, Sie wollten Heubach noch schöner machen. Welche konkreten Schritte wollen Sie als erstes angehen?

Ich möchte die Quartiersentwicklung gleich in die Wege leiten, so dass wir die Wohngebiete grüner, ökologischer, für Kinder und Senioren freundlicher machen und Ansätze finden, wo Jugendliche und Ältere zusammenkommen können. Außerdem will ich die Nachhaltigkeitsthemen fördern, indem ich die vom Bund geförderte Stelle beantrage und Aspekte wie Fair-Trade und fairer Handel forciere. Wir müssen zum Beispiel Fair-Trade-Stadt werden. Die Themen Nachhaltigkeit und Umwelt müssen in die Schulen getragen und die Jugendlichen mitgenommen werden. Nicht zuletzt gilt es, das einzigartige ehrenamtliche Engagement zu stärken und gemeinsam ökologische Themen angehen.

Sind Sie für die Heubacher weiterhin erreichbar?

Zwischen jetzt und Januar werde ich die angesprochenen Gedanken verschriftlichen und immer wieder Rücksprache mit den Menschen halten. Die Begegnungen aus der Wahlkampfzeit werde ich fortsetzen, zuhören, mitfühlen und verstehen, wo die Menschen Not haben. Das werde ich mitnehmen, um daraus Handlungsoptionen zu entwickeln.

Werden Sie als Bürgermeister nach Heubach ziehen?

Wir über prüfen schon die Möglichkeiten, schauen, wann ist der beste Zeitpunkt für den Schulwechsel der Kinder. Wie schnell wir dann etwas finden, wird sich zeigen.

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