So geht's dem Mögglinger Ärzteteam

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Bürgermeister Adrian Schlenker mit Mitarbeiterinnen des MVZ am Empfangstresen. Foto: dav
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Wie die Hausärzte Janja Jerak und Julian Seitzer in Mögglingen zurechtkommen und wie sie die spezielle Form des gemeindeeigenen Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) bewerten.

Mögglingen

Das Wartezimmer von Janja Jerak und Julian Seitzer ist voll an diesem Mittwochnachmittag. Eigentlich nicht üblich, sagen die Ärzte. Nicht, weil das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) schlecht liefe, im Gegenteil. Sondern weil Mittwochnachmittag grundsätzlich geschlossen ist. Heute aber springen sie ein, um allen, die sie haben wollen, eine Corona-Impfung zu verabreichen. „Das läuft gut, wir haben keinen Mangel, bleiben aber auch auf so gut wie nichts sitzen“, sagt Janja Jerak.

Gemeinde als Eigentümerin

Und wie läuft das MVZ sonst so? Welche Bilanz ziehen die Ärzte? Welche die Gemeinde Mögglingen, die Eigentümerin der als GmbH organisierten Einrichtung? Seit einem Jahr praktiziert das Hausärzteteam in der ehemaligen Praxis Dr. Herbst in der Bahnhofstraße 21. Lange habe die Gemeinde darum gekämpft, die Nachfolge von Dr. Herbst zu regeln, um die Hausarztversorgung aufrecht zu erhalten, erinnert sich Bürgermeister Adrian Schlenker. Er habe zahlreiche Gespräche geführt und immer wieder Absagen bekommen. Bis sich als Lösung schließlich das gemeindeeigene MVZ herauskristallisiert habe. Der Charme für die Ärzte: Sie sollen sich auf ihre Kernarbeit konzentrieren können und von bürokratischem Ballast möglichst befreit sein.

Funktioniert das? Die Abrechnung müssten sie selbst machen, erläutert Janja Jerak. Das sei aber von Anfang an klar gewesen. Zunächst war das sehr zeitaufwendig, weil beide Mediziner damit keine Erfahrung hatten. Mittlerweile funktioniere es gut. All das „Drumrum“, etwa Arbeitsverträge und Personalangelegenheiten, regelt der Geschäftsführer des MVZ, in dem Fall Bürgermeister Schlenker. Bis dato sei das so beschlossen, allerdings strebe er an, diese Aufgabe mittelfristig an einen externen Geschäftsführer abzugeben. „Bisher mache ich das ja ehrenamtlich on top“, so Schlenker.

Großer Einzugsbereich

Just zu dem Zeitpunkt, als das MVZ eröffnete, hätten einige Hausärzte in der Region aufgehört. „Ich könnte Ihnen spontan fünf Kollegen nennen“, meint Julian Seitzer. Das habe dazu geführt, dass das MVZ einen vergleichsweise großen Einzugsbereich habe. Anfangs sei es auch „Verpflichtung und Prämisse“ gewesen, alle Patienten ohne Hausarztversorgung aufzunehmen, ergänzt Janja Jerak. Momentan gebe es aber einen Aufnahmestopp. Insgesamt rund 3000 Patienten seien im System aufgenommen, das seien aber wirklich alle, also auch „schlafende“ oder Leute, die „nur“ zum Impfen hier waren. Pro Quartal behandle das Team rund 1800 Patienten. Damit sei man schon am Limit, meint Julian Seitzer.

In ihrem ersten Jahr habe es viel Lob, aber auch Kritik gegeben, berichtet Janja Jerak. Vieles könne nicht so einfach von jetzt auf gleich funktionieren. Beim MVZ habe schließlich das gesamte Team von Grund auf neu angefangen und musste sich erst „eingrooven“. Dass manche Patienten etwa telefonisch nicht durchkämen, bedaure sie sehr. Mit einer weiteren Medizinischen Fachangestellten, die Anfang November eingestellt wurde, hoffen sie, das in den Griff zu kriegen.

„Wir geben immer unser Bestes und denken, wir haben gemeinsam mit unserem hochmotivierten Team, das untereinander super harmoniert, etwas Gutes und Funktionierendes auf die Beine gestellt“, sagt Janja Jerak.

Auch die Räumlichkeiten seien praktikabel, meint Julian Seitzer. Zumindest, solange das Team nur aus zwei Ärzten bestehe. Langfristig möchte sich die Praxis gerne an der Ausbildung beteiligen, um jungen Kolleginnen und Kollegen den „schönen Beruf des Hausarztes“ schmackhaft zu machen. Das sei aber ohnehin erst nach zweijähriger Zulassung möglich, ergänzt der Mediziner. „Wir haben da also noch ein Jahr Puffer.“

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