"ess-bar": Mehrwertgefühl für Lebensmittel

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Einmal in der Woche ist wieder Leben im bislang leer stehenden Ladengeschäft im Bezirksamt: Die „ess-bar“ in Bettringen öffnet.
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Was der Bettringer Bürgerverein mit der „ess-bar-bettringen“ bewirken möchte und wie jeder Mitbürger etwas gegen die Verschwendung von Lebensmitteln selbst etwas tun kann.

Schwäbisch Gmünd-Bettringen

Beim Bettringer Bezirksamt ging es am Freitagnachmittag zu, als „gäbe es etwas umsonst“. Und das war in der Tat der Fall. Der Bettringer Bürgerverein startete sein neuestes Projekt: die „ess-bar-bettringen“.

Mit dem Projekt „ess-bar-bettringen“, das ab sofort jeden Freitag zwischen 15 Uhr und 17 Uhr kostenlose Lebensmittel für alle Bettringer Bürger anbietet, möchte der Verein zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, erklärt der stellvertretende Vorsitzende des Bürgervereins, Thomas Baulig. Zum einen können so gute und verzehrbare Lebensmittel, die im Handel nicht mehr verkauft werden können, „vor der Mülltonne gerettet“ werden. Zum anderen möchten die Mitstreiter das Bewusstsein für den nachhaltigeren Umgang mit Lebensmitteln wecken.

Was offensichtlich interessiert: Immer mehr Menschen bevölkerten den Vorplatz und warteten auf die Eröffnung der „ess-bar“, während in dem stillgelegten Ladengeschäft im Bezirksamt unter anderem Carola Pflug, Jutta Baulig und Jana Stegmaier damit beschäftigt waren, die vom Lebensmittelmarkt EDEKA-Donderer gestifteten Lebensmittel attraktiv zu präsentieren. Konservendosen, Teigwaren, Tier- und Babynahrung warteten neben einer unglaublichen Fülle an weihnachtlichen Süßigkeiten auf die ihnen zugedachte Bestimmung, dem Verzehr. Und nicht dem Mülleimer.

Molkereiprodukte warten übrigens gut gekühlt in einer Kühltruhe auf Abnehmer. Auch die Kühltruhe sei eine Spende der Familie Donderer, zeigt sich Baulig erfreut. Denn auch wenn bei manchem Lebensmittel das Verfallsdatum erreicht ist, bedeute dies keinesfalls „dass diese Produkte jetzt verdorben sind“, stellt Baulig klar. Eine Kundin bestätigt das und findet die Idee des Bürgervereins „einfach nur großartig“. Auch die Entsorgung der Lebensmittel koste Geld, mit der ess-bar sorge der Bürgerverein dafür, dass Menschen einen Nutzen von diesen Lebensmitteln haben.

Rund 400 Kilogramm Lebensmittel landeten bei EDEKA-Donderer wöchentlich in der Tonne, erklärt Inhaber Sascha Donderer, der mit Produkten seiner Heubacher Filiale auch die Tafelläden kostenlos beliefert. Logistische Gründe verhindern aber, dass die Tafelläden Abnehmer der Bettringer Filiale sein können.

Ortsvorsteher Karl-Andreas Tickert findet lobende Worte für das Projekt. Mit der „großartigen Idee“ trage der Bürgerverein zur Eindämmung von Lebensmittelvernichtungen bei. Jährlich würden über 72 Tonnen Lebensmittel europaweit weggeworfen. Mit der „ess-bar“ könne der Bürgerverein zwar „die Welt nicht retten“ aber immerhin das Bewusstsein der Mitbürger wecken für einen sorgsameren Umgang mit den Produkten.

Für Gmünds ersten Bürgermeister Christian Baron sorgt das nachhaltige Projekt dafür, die Wertschätzung von Lebensmitteln wieder zu wecken und sich darauf zu besinnen, dass es Zeiten gegeben habe, in denen nicht alles, immer und zu jeder Zeit verfügbar gewesen ist. Neben dem Effekt, allen Bürgern kostenlos Lebensmittel zur Verfügung stellen zu können, habe der Bürgerverein zudem für eine „Wiederbelebung“ des leer stehenden Ladengeschäfts im Bezirksamt gesorgt.

Den etwas ungläubigen Fragen von drei jungen Frauen, ob den wirklich alles kostenlos sei, erwiderten die Mitstreiter: „Es soll nichts übrig bleiben“. Mit gut gefüllten Einkaufstaschen verließ das strahlende Trio die „ess-bar“. Es sei unglaublich, welche qualitativ hochwertige Produkte dort verschenkt werden.

  • Wann und für wen die ess-bar offen ist
  • Fast ein Drittel aller produzierten Lebensmittel landen im Müll, erklärt das Umweltbundesamt. Nicht alle Lebensmittel, deren Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist, müssten in den Abfall. Die „ess-bar-bettringen“ stemmt sich gegen diese Verschwendung und bietet jeden Freitag zwischen 15 Uhr und 17 Uhr kostenlose Lebensmittel zum Mitnehmen an. Das Angebot richtet sich ausnahmslos an alle Bürger.

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