Corona nicht als Tor für Stellenabbau nutzen

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Rund 120 Zuhörer kommen zur Maikundgebung auf dem Gmünder Johannisplatz zusammen.

Rund 120 Teilnehmer bei der Demonstration des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in Gmünd.

Schwäbisch Gmünd. Zum ersten Mai sprachen Peter Yay Müller, DGB-Kreisvorsitzender Ostalb, Loui Bertram, Betriebsratsvorsitzender DRK, und Michael Deusch, GEW, Klartext auf dem Johannisplatz. Die Pandemie mache deutlicher, dass es nicht gerecht, fair und ausgewogen solidarisch in der Gesellschaft zugehe. Durch die Krise werde das Ungleichgewicht deutlich sichtbar. „Es sind nicht Banken, Manager oder wirtschaftliche Kennzahlen systemrelevant, sondern Berufe, die sich um die Grundbedürfnisse und das Leid der Menschen kümmern“, so Peter Yay Müller. Wie unter einem Brennglas seien die Unterschiede der Lastenverteilung zwischen den Geschlechtern noch deutlicher sichtbar geworden. „Deshalb muss bei der Krisenbewältigung die Überwindung dieser Benachteiligungen ganz oben auf der Agenda stehen!“

Die Forderung: „Jetzt ist es Zeit für bessere Arbeitsbedingungen, für faire Löhne und für eine Umverteilung von bezahlter Erwerbsarbeit und unbezahlter Familien- und Hausarbeit zwischen Männern und Frauen.“ Die Krise zeige, „wohnortnahe, bedarfsgerechte, hochwertige Betreuungsangebote sind Gold wert!“ Es sei eine Investition in die von Kindern und in die Zukunft von Frauen. „Gerade jetzt brauchen Familien und Alleinerziehende Freiräume.“ Zum Beispiel durch staatlich finanzierte Gutscheine für haushaltsnahe Dienstleistungen zur Entlastung von Familienarbeit.

Die Corona-Pandemie mache das Gewicht von Gewerkschaften deutlich in der Bewältigung schwieriger Situationen und Aushandlung betrieblicher und tariflicher Regelungen: „Erkämpfte und ausgehandelte Kompromisse sind besser als Willkür und Diktat von Managern und Kapitalgebern!“ Viele Arbeitgeber nutzten die Corona-Krise für Personalabbau, Verlagerungen, Lohndrückerei und Abschaffung erkämpfter Standards bei Arbeits- und Gesundheitsschutz.

Die Mitglieder der Gewerkschaft müssen in ihren Unternehmen und im Staat die grundlegenden Transformationsprozesse vorantreiben, so Müller. Dafür sorgen, dass der sozial-ökologische Umbau fair gestaltet wird. Deutliche Worte fielen gegen AfD, Querdenker und Rechtspopulisten. Letztere hätten in Deutschland und der ganzen Welt bewiesen, „wie unfähig sie sind und wie gefährlich ihre Politik ist.“ Die Auswirkung der Krise sei unter ihrer Verantwortung verheerend. In der Corona-Pandemie habe sich das wahre Gesicht des Rechtspopulismus gezeigt: „Keine Konzepte, kein Mitgefühl, keine Solidarität und keine Bereitschaft, die Realität zur Kenntnis zu nehmen.“

Loui Bertram kritisierte die Lohnverhandlungen im DRK. Der Abschluss habe nach hartem Kampf für Pflege und Rettungsdienst eine Lohnsteigerung von sieben bis elf Prozent gebracht. Aber die Arbeitsbedingungen müssten gerändert werden. Die Pflege könne nicht so durchgeführt werden, wie sie es aus Sicht der Beschäftigten sein müsse. Das führe zur Abwanderung.

Michael Deusch von der GEW prangerte den stark eingeschränkten Lernalltag an. Die Unterstützung des Kultusministeriums sei mangelhaft. Die erste geplante digitale Plattform sei bereits vor Corona gescheitert, dann kam der „digitale Schwabenstreich“ zum Schulbeginn nach den Weihnachtsferien, als die Schulen nicht auf die Plattform zugreifen konnten. Hier würden die Lehrerinnen und Lehrer allein gelassen. Der Slogan „Solidarität ist Zukunft“ wurde nicht nur skandiert, sondern war in halbmeterhohen Einzelbuchstaben eine Begrenzung des Aktionsplatzes. Mit einem bunten Puderregen sorgten Marina Reimer, Pia Rathgeb und Anita Maier von der IG Metall für Farbe. Gise Kayser-Gantner

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