Schmiedgassen: Pferdeschlitten statt Strandkörbe?

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Ein Zukunftsthema, das bisher nur andiskutiert ist: Wie kann Gmünd die Lebensqualität in den Schmiedgassen stärken ohne den Busverkehr zu schwächen?
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Bürgerforum zum Thema Schmiedgassen: Die Autolobby meldet sich zu Wort - und erntet Widerspruch. Kommen Christbäume, Pferdeschlitten - und eine „Freundeskreis Schmiedgassen“?

SchwäbischGmünd

Alles ganz schön – aber wo sind die Parkplätze? Das war ein Gegensatz, der großen Raum eingenommen hat beim Bürgerforum zum Thema Schmiedgassen im CCS Stadtgarten. Ohne gute Parkmöglichkeiten kommen deutlich weniger Kunden, so argumentierten einige Geschäftsleute vor allem aus der nicht mehr mit dem Auto befahrbaren Vorderen Schmiedgasse.

Wie viel Parkplatz braucht der Mensch - und wie zentrumsnah? das war die Grundsatzfrage, angewendet auf die Schmiedgassen. Die Forderungen, dem motorisierten Verkehr dort wieder mehr Raum zu geben, erzeugte auch Widerworte. „Wir leben in einer Zeit, wo wir uns gar nicht mehr leisten können, solche Diskussionen zu führen“, meinte eine Bürgerin.Und: Es sei doch zumutbar, „dass man auch mal zwei oder drei Meter läuft, um eine Brezel zu kaufen“.

Aber es meldete sich auch ein überzeugten Mit-dem-Auto-in-die Stadt-Fahrer zu Wort: „Es geht einfach um meine Zeit“, sagt er, und fügte hinzu: „Wir haben die Situation, dass viele Leute vor allem aus den Randgemeinden, schon gar nicht mehr kommen. Wir brauchen ganz dringend mehr Parkplätze.“

Andreas Schoell vom HGV pflichtete den Auto-Argumenten nicht komplett bei: „Wenn jeder fordert, direkt vor dem Geschäft parken zu wollen, kommen wir nicht weiter. Das fordern wir vom HGV gar nicht, das ist nicht mehr zeitgemäß.“ Und ein Anwohner entgegnete dem Auto-befürworter: „Stellen sie sich vor, das würde jeder so machen, dann wäre es in der Stadt gar nicht mehr lebenswert.“

Oberbürgermeister Richard Arnold versprach kurzfristig etwas Linderung: Der Schotterparkplatz an der Stadtmauer werde wieder frei gemacht, das seien immerhin 40 zusätzliche Parkplätze. Mittelfristig gehe es ums Parkdeck Rems. „Das reicht nicht aus, wir brauchen dort neue Lösungen, aber das kriegen wir nicht von heute auf morgen. Doch da sind wir dran.“

Eine Lösung für den Busverkehr konnte Arnold noch nicht vorstellen. Der OB zeigte die Schwierigkeiten auf, die die Stadt zu meistern hat im Widerstreit zweier Ziele: einerseits den Verkehr in der Altstadt beruhigen, und gleichzeitig den öffentlichen Personennahverkehr zu stärken. Das müsse im Hinblick auf die Neuordnung des Fahrplans 2023/24 im Landkreis geschehen, so Arnold. Dann soll in der Stadt ein 15-Minuten-Taktverwirklicht werden.

Zeitlich nahe liegender ist eine andere Frage, die beim Bürgerforum am Dienstagabend diskutiert wurde: Was bieten die Schmiedgassen im Winter? Zum „Winterkonzept“ gehört der Gedanke, möglichst viele Häuser mit so genannter „Konturenbeleuchtung“auszustatten. Ein kleiner Arbeitskreis von Anliegern wird sich darum bemühen. Den Strom müssen die Hausbesitzer selbst bezahlen, das machte OB Arnold deutlich. Der OB forderte erneut die Schmiedgässler zur Eigeninitiative auf, am besten durch Gründung eines „Freudeskreises Schmiedgassen“ als „Partner für die Stadtverwaltung“. Das wäre „eine klasse Sache“, so Arnold, der anbot, Einzelhändler, Gastronomen und interessierte Anlieger zu einem Planungstreffen ins Rathaus einzuladen. “Ich würde das aus der Erfahrung in anderen Quartieren sehr begrüßen, ich weiß, dass wir so weiterkommen. Wenn es nur die Stadtverwaltung von oben macht, das ist Kundenbeziehung, nicht Bürgerschaft.“

Weitere Winterideen sind ein Weihnachtsbasar am Samstag, 4. Dezember, kurz vor dem verkaufsoffenen Sonntag. „Wir könnten an dem Tag auch Busse umleiten, wenn es sich wegen des Programms lohnt“, so der OB. Auch möglich: Christbäume werden aufgestellt, und auf dem Fernsehplatz könnten statt Strandkörben Pferdeschlitten platziert werden, so der OB, der das für machbar hält: „Wir haben elf Teilorte, da stehen bestimmt irgendwo Schlitten rum.“ Und: „Es wäre toll, wenn der Freundeskreis sich um die Dekoration kümmern könnte.“

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