Der Tunnelbau als Wendepunkt

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Andreas Zengerle lebt mit 76 Jahren immer noch da, wo er geboren ist. Wie ein alter Gmünder seine Stadt und ihre Besonderheiten sieht.

Schwäbisch Gmünd

Gerade 20 Jahre alt war Andreas Zengerle, da bekam der gelernte Drucker einen Job angeboten: im damaligen Druckhaus der SchwäPo und Gmünder Tagespost in Aalen. „Es war ein lukratives Angebot“, erinnert sich der heute 76-Jährige. Aber er hat abgelehnt. „Die Arbeitszeiten waren ja abends, und ich hatte schon so viele Ehrenämter in Gmünd, die hätte ich dann alle aufgeben müssen.“

Bis heute ist er Gmünder geblieben, wohnt immer noch in dem Haus in der Buchstraße, in dem er geboren ist. „Ich bin immer hier gewesen. Mein weitester Weg zur Arbeit waren sieben Minuten mit dem Fahrrad.“

Sein Leben als mitschaffender Gmünder hat diese Richtung früh genommen: Als er zehn war, fing Zengerle bei den eben gegründeten St. Micheal-Chorknaben an zu singen. Und bald mehr. Der Chorgründer, Pfarrer Julius Müller-Dimmler, gab den Ausschlag: „Der hat das hingebracht, dass die Jungen Verantwortung übernehmen.“ Das hat Zengerle seitdem häufig gemacht: in seiner Kirchengemeinde St. Franziskus, beim Stadtverband Musik und Gesang, beim AGV.

Durch sein Engagement kennt der „alte Gmünder“, wie Zengerle sich selbst nennt, unglaubliche viele Leute in seiner Heimatstadt. Was macht sie aus, seine Stadt, seine Mitbürger? „Die Feste und wie sie gefeiert werden, sind schon etwas Typisches für Gmünd.“ Auch die historische Innenstadt sei etwas Besonderes – „einerseits schön, andererseits auch eine Last.“ Das kriegt er mit in St. Franziskus: „Als klar war, dass Pfarrer Kloker nach Gmünd kommt, haben sie ihm in Rottenburg gesagt: Da kriegst Du eine halbe Diözese allein an Bauten.“

Aber schön ist’s: „In Gmünd lässt sich schon leben“, sagt er in schwäbischer Schlichtheit. Andreas Zengerle schätzt die Lebensqualität in seiner Stadt. Das wichtigste Ereignis der letzten Jahrzehnte, das der Lebensqualität enorm gutgetan hat, sieht er im Bau des Tunnels – nicht, weil sein Bruder Johannes Zengerle als Bauleiter dafür verantwortlich war. „Das ist ein Segen für Gmünd, dass die B29 raus ist aus der Stadt.“ Der Stadtumbau als entscheidender Wendepunkt: „Gmünd war weit hinten im Vergleich zu den Nachbarstädten“, findet Zengerle.

Dass auch Gmünd sich eine Verkehrswende vorgenommen hat, mit mehr Rad-, mehr Fußverkehr, mehr ÖPNV, findet er im Grunde gut: „Das begrüße ich, das würde der Stadt guttun“, sagt Zengerle, für den eine autoarme Zeit in seiner Straße eine ferne Erinnerung ist. „Als Kinder haben wir oft Federball gespielt auf der Buchstraße – wenn ein Auto kam, ist man halt kurz zur Seite gegangen.“

Bekannter Kopf

Über ein Jahrzehnt lang konnte man ihm im Schwerzer als Stürmer des FC Normannia zuschauen. Mehr als 300 Spiele hat Beniamino Molinari für seinen Heimatverein gemacht, über 100 Tore geschossen. Nach dem Karriereende 2014 war er FCN-Coach, später in Backnang und Essingen. Dann kam Zypern und der Profi-Fußball, als Co. von Alex Zorniger. In der nächsten Saison wird der Gmünder in Bundesliga-Stadien zu sehen sein: als neuer Co-Trainer bei Schalke 04.

Instagram-Fotomotiv

Die Mona Lisa in Paris, die Freiheitsstatue, eine scheinbar frei über dem Nichts schwebende Hängebrücke im Zillertal: Orte, die man heutzutage „instagramable“ nennt. Und was nehmen dann Gmünd-Besucher? Mit dem Forum Gold und Silber steht Gmünd ganz gut da in Sachen Herzeigbarkeit und Einzigartigkeit. Man muss ja nicht unbedingt wissen, was da alles an Geschichte dahintersteckt in der „Gold- und Silberstadt“ Schwäbisch Gmünd ... 

Schon gewusst?

Der Name der Stadt Gmünd leitet sich vom Wasser ab - was den Bewohnern bei Hochwassergefahr manchmal sehr bewusst wird: Ein „Gemünde“ ist ein Ort, an dem mehrere Bäche ihre Mündung in einen größeren Bach oder Fluss haben. Lateinisch „Gamundias“ - wie es in der ersten urkundlichen Erwähnung von Gmünd heißt, einer laut Stadtgeschichtsschreibung „im 9. Jahrhundert auf das Jahr 782 verfälschten Urkunde für das Kloster St. Denis bei Paris“. 

Der Mann mit Glocke, Frack und Fliege

Es ist die Rolle, in der ihn viele Gmünder schon gesehen haben: Wenn Andreas Zengerle im Frack, mit Zylinder und Fliege vor dem Franziskaner steht und den Marktschreier macht für den Flohmarkt der Gemeinde, deren Erlöse immer einem guten Zweck zukommen. Zengerle, der Kommunikator, beschreibt seine Aufgabe so: „Ich tu halt Leut‘ neitreibe, dass die neiganget zum Flohmarkt.“

Josefsbach
Beniamino Molinari
gold und silber

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