Die besten Schulwege sind Gehwege

+
Viele Gründe sprechen dafür, dass Kinder den Weg zur Schule zu Fuß gehen – warum es auch um Sicherheit geht, erklären ein Polizist und drei Schulrektoren.
  • schließen

Viele Gründe sprechen dafür, dass Kinder den Weg zur Schule zu Fuß gehen – warum es auch um Sicherheit geht, erklären ein Polizist und drei Schulrektoren.

Schwäbisch Gmünd

Das nennt man paradox: Eltern bringen ihre Kinder mit dem Auto zur Schule, weil sie den Verkehr als zu gefährlich empfinden. Dabei werden sie selbst zum Problem. Nicht nur, weil sie für alle anderen Kinder, die zu Fuß unterwegs sind, eine Gefahr darstellen. Mükayil Dalbudak, der beim Polizeipräsidium Aalen für die Verkehrsprävention zuständig ist, nennt noch einen weiteren Grund: „Der sicherste Ort ist der Gehweg und nicht die Rücksitzbank im Auto.“ Denn statistisch verletzen sich mehr Kinder, wenn sie im morgendlichen Elterntaxi sitzen, als zu Fuß.

Überhaupt passieren statistisch die meisten Unfälle auf Kurzstrecken innerhalb geschlossener Ortschaften, erklärt der Polizist. Und von den rund 25 Verkehrsunfällen pro Jahr im Ostalbkreis, die in Verbindung mit dem Schulweg stehen, passieren 50 bis 70 Prozent mit dem Auto, erklärt er. Darum sei der sicherste Schulweg der zu Fuß.

Mükayil Dalbudak propagiert dies auch bei den Elternabenden, zu denen ihn Schulen und Kindergärten einladen. Dann nimmt er die Eltern gerne mit auf eine Zeitreise und ruft ihnen den eigenen Schulweg in Erinnerung: Wie man sich mit den Schulkameraden getroffen hat und zusammen in die Schule ging. Das ein oder andere Abenteuer erlebt. Auf dem Heimweg die Zeit am Bächle vergisst und auf Bäume klettert. „Wie schön das war“, finden die Eltern.

Dass ein solcher Schulweg auch die soziale Entwicklung der Kinder fördert, ist ein weiterer Grund, der fürs Zu-Fuß-Gehen spricht. Kinder reifen, wenn sie eigenverantwortlich unterwegs sind. Beim Spielen hinter jedem Busch eine Mutter, das tue Kindern nicht gut, sagte der Erziehungsberater Jan-Uwe Rogge einst bei einem Vortrag in Heubach. Das Bild ließe sich übertragen: Immer mit Mama oder Papa hinterm Lenkrad unterwegs, beeinträchtigt Kinder in ihrer Entwicklung.

Laufen gehört zum Kindsein

Daniela Maschka-Dengler, Rektorin der Friedensschule, kann viel zu den Vorzügen sagen: Kinder könnten auf dem Schulweg Energie rauslassen, Freundschaften könnten auf den Wegen entstehen, Streiten werde eventuelle gelernt. Für sie gehört das alles zum Kindsein. Werde das Kind immer gefahren, werde ihm all das genommen. Viel kann sie auch zu den Problemen sagen, die das Elterntaxi mit sich bringt. Denn wenn sie in Schulnähe parken, nehmen sie den Fußgängern Sicherheit, vor allem wenn es sich um kleine Verkehrsteilnehmer handelt, die man beim Rangieren kaum sieht.

Wie zäh es ist, die Eltern in die Schranken zu weisen, zeigt ebenfalls die Friedensschule. An ein absolutes Halteverbot vor der Schule hielten sich nur wenige. Erst nachdem die Stadt Unebenheiten in den Straßenbelag eingearbeitet hatte, wurde es besser. Doch die Mehrheit der Eltern sei autoaffin. Sie schätzt, dass 40 bis 50 Prozent der Schüler mit dem Auto gebracht werden. Weiteres Paradox: Wenn der Sport ausfalle, kämen gleich Beschwerden.

Beim Hans-Baldung-Gymnasium verteile sich der Bringverkehr etwas, weil an mehreren Stellen gehalten werden kann. Außerdem fruchte vermutlich die ständige Aufforderung, die Kinder nicht direkt vor der Schule abzusetzen. „Die Kinder bis in den Pausenhof zu bringen, das geht einfach nicht“, erklärt Rektor Veit Botsch.

Extrem schwierige Situation

Als extrem schwierig bezeichnet Adelheid Singer-Luschka die Situation im Schulzentrum Strümpfelbach, weil viele Kinder von den Bussen kommen und zum Teil die Einfahrt zum Schulzentrum überqueren müssen. Eine rechtliche Handhabe habe man nicht, dem Elterntaxi die Einfahrt zu verweigern. Ein Hoffnungsschimmer ist für die Rektorin der Adalbert-Stifter-Realschule, dass sich wenigstens im Kollegium langsam das Fahrrad durchsetzen.

Mehr zum Thema:
-Mihm will Gmünd für Fußgänger attraktiver machen
-Wie gut geht Gmünd?
-Gmünd hat Fußgänger im Blick
-So läuft es sich in Schwäbisch Gmünd

Der sicherste Ort ist der Gehweg, nicht das Elterntaxi.“

Mükayil Dalbudak, Polizeipräsidium Aalen
  • Bundesweite Aktion: „Zu Fuß zur Schule“
  • Das Deutsche Kinderhilfswerk, der Verkehrsclub Deutschland (VCD) und der Verband Bildung und Erziehung als Kooperationspartner machen sich seit vielen Jahren stark für „Zu Fuß zur Schule“: Regelmäßige Bewegung stärkt die Abwehrkräfte der Kinder, beugt Haltungsschäden und Übergewicht vor und macht außerdem viel Spaß. Außerdem werden sie nur so zu selbstständigen Verkehrsteilnehmern.

Zurück zur Übersicht: Stadt Schwäbisch Gmünd

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL

Kommentare