Die Restaurierung zum Geburtstag

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Die Mariensäule auf dem Münsterplatz in Schwäbisch Gmünd ist restauriert. Spender für diese Arbeit ist Gerhard Walter Schwarz, hier mit Ehefrau Monika Schwarz. Mit im Bild Richard Arnold.

Gerhard Walter Schwarz spendet die Restaurierung der Mariensäule auf dem Münsterplatz. Um die Entstehung des historischen Kunstwerks ranken viele Geschichten.

Schwäbisch Gmünd

Gerhard Walter Schwarz beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Stadtgeschichte. Nunmacht er sich das schönste Geschenk zu seinem 80. Geburtstag an diesem Dienstag selbst: Er finanziert die Sanierung der Mariensäule auf dem Münsterplatz und kann das historische Kunstwerk am Tag vor seinem Fest der Öffentlichkeit präsentieren. „Ein großes Dankeschön“ sagt Oberbürgermeister Richard Arnold vor wenigen Gästen auf dem Münsterplatz. Nicht zum ersten Mal mache sich Gerhard Walter Schwarz um die Stadt verdient. So habe er die Stauferbilder zur Präsentation zur Verfügung gestellt, aber auch ideelle Werte geschaffen. Durch seine Hartnäckigkeit sei es gelungen, der Unterführung am Bahnhof den Namen Pleuer-Passage zu geben. „Es ist die einzige Passage auf Bahngelände, die einen regionalen Namen trägt“, sagt Richard Arnold. Gewöhnlich erlaube das die Bahn-Bürokratie nicht.

Zur Entstehung der Mariensäule gibt es mehrere Vermutungen. Im Stadtarchiv habe er erfahren, sagt Gerhard Walter Schwarz, „dass es um diese Statue noch Geheimnisse gibt“. Die wollte er lüften, verbrachte viele Stunden mit Archivmaterial. Schon der Gmünder Heimatforscher Albert Deibele habe sich damit beschäftigt. Sicher ist, dass die Mariensäule 1693 vom Gmünder Bildhauer Benedikt Boschenrieder geschaffen wurde.

Der geschichtliche Hintergrund könne in den Wirren der Reformation und der damit einhergehenden Judenpogrome liegen. berichtet Gerhard Schwarz. Der damalige Kaiser Maximilian hatte den Juden in Regensburg die Auflage gemacht, die Stadt innerhalb von drei Tagen zu verlassen. Bei der darauffolgenden Zerstörung der Synagoge überlebte ein Steinmetzmeister wie durch ein Wunder. Man nahm an, dass dies Marias Werk war. So sei das Marienbildnis schließlich zu einem Wallfahrtsort geworden. Und die Arbeit in Gmünd könnte ein Abbild dieser Regensburger Maria sein.

Möglich aber auch, dass sich die Gmünder weniger von den Regensburger Ereignissen haben leiten lassen. So standen die Türken im ausgehenden 17. Jahrhundert vor Wien und es könnte sein, dass die Statue aus Furcht vor herannahenden Türken geschaffen wurde. In der Not habe man auf Maria gezählt. Die Marienstatue stehe auch für die Volksfrömmigkeit dieser Zeit.

Einfach kopiert hat der Gmünder Bildhauer das Regensburger Vorbild nach Recherchen von Gerhard Walter Schwarz nicht. Vielmehr berge die Gmünder Madonna „geheimnisvolle Details“. Auffallend sei die Darstellung selbst. „An ihrem Habitus erkennt man den Einfluss der byzantinisch-orthodoxen Religion und der christlichen Kirche des Ostens. Auffallend sei, dass Maria das Kind auf dem rechten Arm trage, während sie in abendländischen Werken dafür meist den linken Arm nutze. Gerhard Walter Schwarz kam nach eigenen Worten ein Gespräch mit Buchhändlerin Gabriele Fiehn zu Hilfe. Sie hatte sich mehrere Jahre in Kairo an der deutschen Schule aufgehalten, Kontakt zu arabischen Freunden gepflegt. Die Haltung des Kindes im rechten Arm sei wohl darauf zurückzuführen, dass im dortigen Glauben die linke Hand als unrein gilt.

Die Restaurierung des Mariensäule sei für Schwäbisch Gmünd von besonderer Bedeutung, meint Oberbürgermeister Richard Arnold und verweist darauf, dass dieses Kunstwerk schon in früheren Zeiten große Beachtung gefunden habe. Zuletzt sei es 1982 renoviert worden, auch Mitte des 19. Jahrhunderts gab es schon eine Sanierung. Nun hat Restaurator Karl Fiedler das Werk für die kommende Zeit gesichert. Moose und Algen von umliegenden Bäumen haben sich auf dem Stein abgesetzt, die Farben verblassen lassen. In Absprache mit der Stadt habe man deshalb die Baumkrone etwas gekürzt, sagt der Spender dieser Restauration. Seit wenigen Tagen können Besucher des Münsterplatzes das mittelalterliche Werk wieder bestaunen. Zuletzt wurde der Sternenkranz neu vergoldet und wieder aufgesetzt. Sobald eine neue Infotafel an der Mariensäule steht, denken die Beteiligten auch an eine kirchliche Weihe.

Nicht am ursprünglichen Standort

Die heute südlich des Heilig-Kreuz-Münsters vor der Fuggerei stehende Mariensäule wurde 1693 vom Gmünder Bildhauer Benedikt Broschenrieder geschaffen. Sie stand zunächst vor dem Münsterchor an der Hofstatt nahe des Löwenbrunnens. 1892 wurde sie an die Münstergasse und 1951 an ihren heutigen Standort versetzt. Instandsetzungen kennt man aus den Jahren 1858, 1892 und 1982. 1892 bekam die Mariensäule kunstvolle Eisengitter als Umrandung, die später wieder verschwanden. Als Material wurde Sandstein verwendet, den man auch an vielen (öffentlichen) Gebäuden aus dieser Zeit wiederfindet. Die aktuelle Sanierung wurde von der Bürgerstiftung Schwäbisch Gmünd begleitet. kust

Um diese Statue gibt es noch Geheimnisse.“

Gerhard Walter Schwarz,, Kunstmäzen

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