Die Schau ist schön. Gmünd auch

Es gibt Sachen, für die hat sich unsere Redakteurin immer zu jung gefühlt. Der Besuch auf der Landesgartenschau gehörte definitiv dazu. Als Neu-Gmünderin führt jedoch kein Weg daran vorbei. Wer mitreden will, muss da gewesen sein. Ein (Schnell-)Rundgang über die Landesgartenschau mit den Augen einer Neubürgerin.

Eine journalistische Regel besagt: Niemals, aber wirklich niemals verallgemeinern. Ich tue es trotzdem. Der Gmünder an sich ist stolz auf die Landesgartenschau. Sehr stolz. Zu Recht? Das soll ich, Neu-Gmünderin, beurteilen. Meine Erwartungen sind hoch. Schließlich liefen Dialoge in den vergangenen Wochen immer nach dem gleichen Muster ab: Ich: "Ich hätte gern so ein Brötchen." Bäckereifachverkäuferin: "Das ist ein Briegel. Sie sind nicht von hier, was?" Ich: "Nein." Bäckereifachverkäuferin: "Waren sie schon auf der Landesgartenschau? Müssen sie machen. Ist toll." Andere Situation, ähnlicher Inhalt. Makler, neue Arbeitskollegen, die Dame im Bürgerbüro und der nette Herr von der Telekom. Sie alle beendeten ihre Gespräche mit: "Müssen sie machen. Ist toll da." Ich muss gar nichts, denke ich trotzig und tigere um das eingezäunte Gelände im Erdenreich. Ich bin 28 Jahre alt. Meine Blumen auf der Fensterbank sind aus Plastik. Selbst den Kaktus habe ich verdursten lassen. Ich besitze weder Balkon noch Garten. Was soll ich auf einer Landesgartenschau? Ich bin zu jung für Blumenschau und Rumtata. Trotzdem stapfe ich los. Zu Fuß in den Himmelsgarten. Am Salvator vorbei den Lebensweg hinauf. Ich gehe nicht, ich renne förmlich. Schließlich habe ich eine lange Liste der Dinge, die ich, laut meiner Kollegen, abarbeiten muss. Angekommen im Himmelsgarten lassen mich die Themengärten zur Ruhe kommen. Sitzen, staunen, Fische zählen. Ich bin entspannt, obwohl um mich herum Mütter nach ihren Kindern suchen, Kinder sich vor ihren Müttern verstecken und ein Bus nach dem nächsten die Besuchermassen ausspuckt. Ich habe keinen Garten. Ich will aber einen. Das weiß ich jetzt. Weiter geht es. Ich möchte an der Ost-albtafel speisen. Also sitze ich im Ketten-Karussell-Stuhl der Stadt Bopfingen, esse Äpfel aus der Region und beobachte die Alpakas. So lässt es sich aushalten, denke ich und zerknülle meine Liste. Treiben lassen statt Tempo machen – so lautet der einzige Plan, der bestehen bleibt. Ich beobachte Kinder auf dem Wasserspielplatz, entdecke ein Himmelbett im Himmelsgarten und bestaune die Mutigen im Klettergarten. Ich lutsche Himbeerbonbons aus einem Bonbonautomaten und reihe mich für die Murmelbahn ein. Vor mir steht ein kleines Mädchen mit Pünktchenkleid und Seitenzopf. Eben fühlte ich mich zu jung für die Landesgartenschau. Jetzt fühle ich mich zu alt.

Meine hölzerne Kugel kugelt, ich renne ihr hinterher. Eine Station, zwei, dann blicke ich auf. Blicke mich um. Sehe den Waldboden, der von Moos überwachsen ist. Staune über die wilde, ungezähmte Umgebung. Das ist sie also, meine neue Heimat. Wunderschön. Auch ohne Kugelbahn und Touristenmassen. Ich zücke meine Kamera. Dies wird das erste Foto sein, das ich von meiner neuen Heimat zurück in meine alte Heimat schicke. Weiter geht es in Richtung Erdenreich. Wochenlang habe ich durch den Zaun auf einen ganz bestimmten Sonnenplatz an der Rems gestarrt – jetzt ist er besetzt. Von einem älteren Ehepaar. Ich geselle mich dazu. Ungefragt. Sie beginnen zu erzählen. Aus Rottweil seien sie angereist. Schon zum zweiten Mal. Weil ein Tag zu kurz sei. Und weil sie die Stadt Schwäbisch Gmünd zu schön finden. Wo ich denn herkomme, fragen sie. "Von hier", sage ich zum ersten Mal und bin stolz. Darauf, in einer Stadt zu leben, die ein solches Projekt stemmt. Und darauf hier zu bleiben, auch wenn die Touristen gehen. Denn, liebe Gmünder, die Stadt und ihre Umgebung sind wunderschön. Auch abseits der Landesgartenschau.

marie lisa schulz

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