Ein Brandstifter wird erst gerettet und dann verurteilt

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Einen Tag vor Heiligabend brannte 2016 eine Wohnung in der Weißensteiner Straße. Am Mittwoch musste sich ein 50-Jähriger vor Gericht dafür verantworten.

Schwäbisch Gmünd

In Notsituationen werden Helden geboren. So wie am 23. Dezember 2016, als es im dritten Stock eines Mehrfamilienhauses in der Weißensteiner Straße brannte. Mutig und selbstlos rettete der junge D. seine Großmutter, seine Freundin und schließlich gemeinsam mit einem Freund einen Nachbarn vor den Flammen. Erst kurz darauf traf die Feuerwehr am Ort des Geschehens ein. "Was Sie gemacht haben, ist klasse. Sie haben mehrere Menschenleben gerettet", lobte Staatsanwalt Armin Burger D.s Einsatz.

Der Gerettete ist der Täter

Was D. zum Zeitpunkt seiner Rettungsaktion noch nicht wusste: Sein Nachbar, den er gerettet hatte, soll das Feuer vorsätzlich in seiner eigenen Wohnung gelegt haben – weswegen sich der 50-jährige O. nun vor dem Schöffengericht am Gmünder Amtsgericht verantworten musste.

Kurz nach dem Brand, bei dem ein Gesamtschaden von rund 60 000 Euro entstand, war die Polizei noch davon ausgegangen, dass der damals 49-Jährige womöglich sein Essen auf dem Herd vergessen hatte und eingeschlafen war. Weitere Untersuchungen ergaben jedoch: Es war Brandstiftung. "Es waren mindestens zwei separate Brandherde", teilte ein Sachverständiger dem Schöffengericht mit. Und keiner davon sei in der Küche gewesen. Zudem hatten die Ermittler Spuren von Brandbeschleuniger entdeckt – was den Verdacht gegen O. erhärtete.

Der Angeklagte wies während der Gerichtsverhandlung jedoch jegliche Schuld von sich: "Ich kann mich an nichts mehr erinnern." Er sei zur Tatzeit erheblich alkoholisiert gewesen. Dies bestätigte vor Gericht ein weiterer Sachbearbeiter. Blutproben hatten ergeben, dass O. noch zwei Stunden nach dem Feuer 1,8 Promille hatte. Zurückgerechnet auf den Tatzeitpunkt, ergebe das einen wahrscheinlichen Trunkenheitsgrad von 2,47 Promille, weswegen O. vor Gericht auch eine verminderte Zurechnungsfähigkeit zugestanden worden ist.

Eine eigene Sichtweise

O. blieb derweil bei seiner Geschichte. Demnach habe er – nachdem er aus einer Kneipe nach Hause gekommen war – den Herd angemacht und sei dann eingeschlafen. Die Ermittlungen ergaben jedoch, dass dies nicht stimmen kann: "Der Herd war nicht eingeschaltet", sagte ein Ermittler. Auch eine Zigarette als mögliche Brandursache – so wie es Verteidiger Reiner Kitzenmaier vermutete – schlossen die Ermittler aufgrund der beiden separaten Brandherde aus.

Und wie erklärte sich O. die gefundenen Spuren von Brandbeschleunigern in seiner Wohnung? Die erklärte der Angeklagte mit kurz zuvor eingekauftem Petroleum für eine Duftkerze, einem Kanister Olivenöl und einem Verdünner, um Pinsel zu reinigen. All das sei in seiner Wohnung "auf dem Boden einfach herumgelegen".

O.s Erklärungsversuche wollte die Vorsitzende Richterin Julia Ocker allerdings nicht glauben. Nach der Beweisaufnahme und den gehörten Zeugen glaubte sie vielmehr, dass der Angeklagte aus Wut über das kurz vor dem 23. Dezember erhaltene Kündigungsschreiben seines Vermieters sowie aufgrund seiner Alkoholsucht das Feuer selbst gelegt hatte. Ocker folgte daher dem Antrag der Staatsanwaltschaft und verurteilte O. zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren. Seine Strafe muss der 50-Jährige jedoch nicht im Gefängnis absitzen, sondern in einer Entzugsklinik. Dass O. sich aktuell um seine pflegebedürftige Mutter kümmert, wirkte sich nicht strafmildernd aus.

In Richtung des Angeklagten sagte Ocker abschließend, dass er sich beim jungen D. bedanken müsse, "dass nicht mehr passiert ist", ansonsten wäre die Strafe deutlich höher ausgefallen.

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