„Ellas verschdanda?“

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Foto: Jan-Philipp Strobel
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In einem Sprachunterricht der etwas anderen Art bekommen Rauchbeinschüler die Vielfalt der schwäbischen Sprache erklärt. Und zwar von vier ganz besonderen Lehrern.

Schwäbisch Gmünd

Die Rauchbeinschule besuchen 150 Grundschüler aus über 40 Nationalitäten, weiß Rektorin Dr. Karin Schwarz. Man könnte also sagen, „Schwäbisch ist hier ein wenig eine Fremdsprache“. Um den Kindern das Schwäbisch zu vermitteln, konnte die Rektorin „ganz besondere Sprachlehrer“ verpflichten. Zwei Unterrichtseinheiten wurden am Freitag von Herrn Stumpfes Zieh & Zupfkapelle bestritten. Die Auftritte ermöglichten das Landesprogramm „Kunst trotz Abstand“, das coronagebeutelten Künstlern die Möglichkeit gibt, Auftritte zu absolvieren. 15 Schulbesuche stehen für Benny, Manne, Flex und Selle an, die elfte Schule war die Rauchbeinschule.

Der Sprachunterricht begann lautstark im Pausenhof mit Tuba, Zugposaune, Akkordeon und Waschbrett. Zum Aufwärmen gab's einen Überblick, was die Künstler eigentlich so machen. In 30 Jahren konnte die Kapelle über 3500 Auftritte absolvieren, die Pandemie habe das Leben der Musiker auf den Kopf gestellt, alle Konzerte wurden abgesagt. Jetzt hätten die Künstler Zeit, einmal zu schauen, wie es mit dem schwäbischen Dialekt in den Schulklassen im „Ländle“ so aussieht. Los ging es mit einem Lied mit urschwäbischen Wörtern. „Ellas verschdanda“ hatten dabei nicht alle kleinen Sprachschüler. Aber bei einigen wird zuhause Schwäbisch gesprochen, die Hände gingen zumindest bei der Frage hoch. „Schwäbisch ist wie Deutsch nur anders“, meinte Benny augenzwinkernd und was ein „Bäbber“ ist, wusste zumindest ein kleines Mädel genau. Auch „Gsälz“ war bekannt, bei „Butzele“ wurde der Nachholbedarf in der schwäbischen Sprache allerdings deutlich. Dabei sei Schwäbisch eine wunderbare „weiche“ Sprache schwärmte Manne und gab gleich Beispiele dazu. Aus einem harten „T“ wird ein weiches „D“ also wird aus einer Tasche „a Dasch“, die Faustformel lasse sich aber nicht immer umsetzten, denn aus einer Tüte wird bekanntermaßen „a Gugg“.

Die Mehrdeutigkeit im Schwäbischen war das nächste Thema des Sprachunterrichts, so sei der „Debbich“ nicht nur ein Bodenbelag, im Schwäbischen kann er auch eine wärmende Zudecke sein. Was alles mit einem weichen „B“ versehen werden kann, Manne kam direkt ins Schwärmen: „Mei Baba schafft bei der Bolizei ond mei Fahrrad hot en Bladda“. Ein Karton, im Schwäbischen ein „Babbadeckel“ kann gleichzeitig auch für die Fahrerlaubnis verwendet werden. Das schönste schwäbische Wort, der Ansicht ist zumindest Manne, ist „a Bombobabierle“ und wenn das zusammen mit einem „Babbadegel“ auf den „Boda“ gelegt wird, ist der Posaunist in seinem Element. Die Abfrage bei den Schülern brachte ein positives Ergebnis, nahezu alle konnten die Wörter fehlerfrei nachsprechen. Prüfung bestanden.

Was isst der Papst am liebsten?

Überraschenderweise konnten nahezu alle Kinder die kompliziertesten Zungenbrecher in feinem Schriftdeutsch vortragen, wer allerdings der Papst ist, musste den Schülern nochmals erklärt werden. Selle wusste, dass die Lieblingsspeise des Papstes „Spätzla mit Soß“ seien. Das dazugehörige „Spätzlesbschdeck“ brachte die Kids dann doch an ihre sprachlichen Grenzen. Mit einem gesungenen „mei Bemberle duad weh“ sorgte Herrn Stumpfes Zieh & Zupfkapelle nochmal für Lacher und Beifall, was ein „Bemberle“ ist, schien den meisten Schülern bekannt zu sein. Für die Künstler stand am Ende fest, „Lehrer sein ist anstrengend“, aber nicht wegen der Schüler, „das frühe Aufstehen ist nichts für uns“ meint Benny lachend.

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