Etwa 900 „Spaziergänger“ tummeln sich in Gmünd

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Etwa 900 „Spaziergänger“ versammelten sich an diesem Montag in Gmünd und demonstrierten gegen Corona-Maßnahmen.
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Polizei, Staatsschutz und Stadt stellen an diesem Montag „keinerlei Anzeichen von NPD“ fest.

Schwäbisch Gmünd. „Spaziergänger, oh Gott, nix wie weg“, sagte der Radfahrer, als er vom Marktplatz in die Hofstatt einbiegen wollte. Schnurstracks wendete er und fuhr zum Marktplatz zurück. „Ich mache jetzt meinem Ärger bei der Polizei Luft“, sagte die Frau, die am Unteren Marktplatz vor verschlossener Tür zum Spitalinnenhof stand. Das war gegen 18.45 Uhr. Ungewöhnlich, dass zu dieser Zeit schon geschlossen ist. Reaktionen zweier Bürger auf die „Spaziergänger“. Bürger, die wohl zur schweigenden Mehrheit gehören, die Woche für Woche die „Welle der Freiheit“ singende Minderheit an „Spaziergängern“ aus der Nähe, aus der Ferne oder auch gar nicht verfolgt. Etwa 900 „Spaziergänger“ hatten sich an diesem Montagabend versammelt, unter ihnen vermutlich Gmünds prominenteste „Spaziergängerin“, Altstadträtin Heidi Preibisch. Sie beteiligte sich an diesem einen Montagabend am „Spaziergang“, „weil ich mich für die Freiheit einsetze“, wie sie im GT-Gespräch erzählte.

Mit 900 Personen waren's im Vergleich zum Montag vor einer Woche etwa 350 Personen mehr. Das Wetter war ihnen mit streckenweise sternenklarem Himmel und leichter Bewölkung bei fast lauen Temperaturen entgegengekommen, nach dem Regen vor einer Woche.

Die „Spaziergänger“ erwiesen sich als kreativ und wechselten ihre Route. Vom Bahnhof durch den Remspark in die Uferstraße. Von dort nicht in die Bocksgasse, sondern durch die Ledergasse zum Marktplatz um den Marienbrunnen in die Postgasse in die Franziskanergasse in die Rinderbachergasse. Von dort in die Hofstatt über die Bocksgasse ins Pfeifergässle, über den Kroatensteg vorbei am Hans-Baldung-Gymnasium in die Rektor-Klaus-Straße in die Katharinenstraße und über den Kreisel am Fehrle-steg zurück zum Bahnhof.

Wir wollen die NPD nicht in Gmünd.“

Christian Baron, Gmünds Erster Bürgermeister

„In der Spitze“ seien 900 „Spaziergänger“ dabei gewesen, sagte Polizeisprecher Bernd Märkle, stellenweise aber auch nur 700. Die Versammlung sei ohne Zwischenfälle abgelaufen. Die Polizei hatte, wie in den Vorwochen, die Teilnehmer auf Maskenpflicht, Abstandsgebot und Alkoholverbot hingewiesen. Zudem darauf, dass sie Gehwege benutzen und Fahrbahnen nicht blockieren sollten. An letzteres hätten sich die Teilnehmer weitgehend gehalten, sagte Gmünds Ordnungsbürgermeister Christian Baron, der den „Spaziergang“ einmal mehr begleitete. Es habe keine Blockade gegeben. Masken hat Baron allerdings nur wenige wahrgenommen, Abstände seien nicht eingehalten worden. Was für Baron aber am schwersten wog: „Es gab keinerlei Anzeichen von NPD.“ Nachdem am Montag der vergangenen Woche „eindeutig“ eine Vertreterin der NPD beim Gmünder „Spaziergang“ dabei gewesen sei, hatten Polizei, Stadt und Staatsschutz an diesem Montag besonders genau hingeschaut. Mit dem Ergebnis: „keine Transparente, keine NPD“. Worüber Baron froh war, denn „wir wollen die NPD nicht in Gmünd“.⋌Michael Länge

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