Eurotech muss in die Insolvenz

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Die Aluminiumgießerei Eurotech in Schwäbisch Gmünd hat Insolvenz angemeldet.
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Das Unternehmen mit mehr als 140 Mitarbeitenden befindet sich in finanzieller Schieflage. Stuttgarter Anwalt soll das Unternehmen retten. Gewerkschaft hofft auf Investor.

Schwäbisch Gmünd

Die Eurotech Schwäbisch Gmünd GmbH hat mit erheblichen finanziellen Problemen zu kämpfen. Das Unternehmen, das derzeit am Standort im Gmünder Westen 142 Menschen beschäftigt, hat beim zuständigen Insolvenzgericht in Aalen einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellte das Gericht den Sanierungsspezialisten Jochen Sedlitz, Rechtsanwalt bei der Stuttgarter Kanzlei Grub Brugger. Die Belegschaft wurde am Montag in einer Betriebsversammlung informiert.

Wie Sedlitz erklärt, wird das Unternehmen „uneingeschränkt fortgeführt“. Ziel des Insolvenzverfahren sei es, „sehr kurzfristig“ für die Firma Sanierungsmaßnahmen zu prüfen und umzusetzen. Bis Jahresende sind die Löhne und Gehälter der Beschäftigten über das Insolvenzgeld der Arbeitsagentur abgesichert. Dies nehme Eurotech den Druck im Hinblick auf die künftigen Lohnzahlungen und ermögliche es, ein „strukturiertes Sanierungskonzept“ einzuleiten und umzusetzen. Hierbei will Sedlitz „alle Möglichkeiten in Betracht ziehen“. Auch die Suche nach einem neuen Investor gehört offenbar zu den Optionen.

„Unser Ziel ist es, innerhalb der nächsten drei Monate das bereits vorhandene Sanierungskonzept der Geschäftsleitung zu prüfen und umzusetzen, so dass möglichst viele Arbeitsplätze am Standort in Schwäbisch Gmünd erhalten bleiben und die Eurotech spätestens im 1. Quartal 2022 das Insolvenzverfahren wieder verlassen kann“, erklären Geschäftsführer Frank Schröder und Jochen Sedlitz. „Dafür werden Geschäftsleitung und Insolvenzverwaltung mit einem großen und erfahrenen Team die nächsten Monate intensiv arbeiten.“

Verhandlungen zwischen dem Unternehmen und der IG Metall seien in jüngster Zeit zwar in guter Gesprächsatmosphäre, aber letztlich ergebnislos verlaufen, so Sedlitz weiter. Dies habe dazu geführt, dass dem Unternehmen die notwendige Fortbestehensprognose fehlte und den Gang zum Insolvenzgericht erforderlich gemacht. Peter Yay-Müller, 2. Bevollmächtigter der IG Metall, erklärt wiederum, dass die Beschäftigten bereits in der Vergangenheit zu erheblichen Zugeständnissen bereit gewesen seien. So hätten die Mitarbeiter vor drei Jahren auf rund 750 000 Euro verzichtet, damit das Unternehmen in die Automatisierung investieren könne. Der Gewerkschafter sieht das Problem des Standorts vielmehr in ausbleibenden Aufträgen.

Eurotech gehört seit einigen Jahren dem niederländischen MGG-Konzern. Produziert werden in Gmünd vor allem Wärmetauscher. Hauptkunde ist die Bosch Thermotechnik mit Sitz in Wetzlar. „Dieser Großauftrag lastet den Standort jedoch nicht aus“, wie Yay-Müller erklärt. Aufträge verteile der Mutterkonzern bevorzugt an andere Standorte. „MGG lässt den Standort Gmünd am langen Arm verhungern.“ Er hofft darauf, dass Eurotech einen neuen Investor findet und setzt deshalb auf die Sanierung sowie Insolvenzverwalter Sedlitz, der in der Vergangenheit bereits mehrere Unternehmen in der Gussbranche betreut hat, darunter die Insolvenz der Gmünder Gießerei Gatter.

Insolvenzverwalter Sedlitz appelliert derweil: „Die Insolvenz ist nicht, auch wenn dies gerade während Coronazeiten von der Politik immer wieder so dargestellt wurde, das Ende eines Unternehmens.“ Das Gegenteil sei der Fall. „Wenn ein Unternehmen Probleme hat und diese nicht kurzfristig aus eigener Kraft lösen kann, dann bietet ein Insolvenzverfahren ein hervorragendes Portfolio an Maßnahmen und Möglichkeiten, um das Unternehmen sehr kurzfristig und nachhaltig neu auszurichten“, so der Anwalt weiter. Das werde leider viel zu oft übersehen. „Wenn ein Mensch krank ist und die Hausmittel nicht helfen, dann geht er zum Arzt oder ins Krankenhaus. Da ist das völlig normal.“

MGG lässt den Standort Gmünd am langen Arm verhungern.“

Peter Yay-Müller, IG Metall

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