Gmünds AK Asyl hilft seit 30 Jahren Schutzsuchenden

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Meine Nationalität? Mensch! steht auf der Bank bei der Flüchtlingsunterkunft. Dort erzählen Dr. Helmut Zehender, Andreas Eisenhuth, Bernd Sattler und Rainer Focken-Sonneck vom AK Asyl. Der Baum im Vordergrund erinnert an das 2019 verstorbene AK-Mitglied
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Vier Vorstandsmitglieder blicken auf ein drei Jahrzehnte währendes Engagement und bewerten dessen Ergebnisse positiv.

Schwäbisch Gmünd

Den Ort für ihr Pressegespräch haben sie bewusst gewählt: die Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge in der Oberbettringer Straße. Dorthin hatten Bernd Sattler, Dr. Helmut Zehender, Andreas Eisenhuth und Reiner Focken-Sonneck geladen, um auf 30 Jahre Arbeitskreis Asyl zu blicken. Die vier bilden aktuell den Vorstand des Vereins.

Angefangen hatte ihre und die Arbeit ihrer Vorgänger in den 90er-Jahren, als es im Osten und im Westen Deutschlands Übergriffe auf Flüchtlinge gab. Damals sei in der ehemaligen Hardt-Kaserne die Gemeinschaftsunterkunft eingerichtet worden. Auf dem Hardt habe es eine „große Unruhe“ gegeben, erinnert sich Sattler. So entstand die „Bürgerinitiative gegen Fremdenfeindlichkeit“, deren Anliegen ein vorbeugendes war. Die BI gründete einen Runden Tisch Hardt und wandte sich auch an das damals noch zuständige Regierungspräsidium (RP). Dies auch vor dem Hintergrund, dass das Hardt nach dem Abzug der Amerikaner ohnehin ein schwieriger Stadtteil gewesen sei, sagt Focken-Sonneck. Zeitweise gab es auf dem Hardt über 1000 Flüchtlinge. Ab 1996, als die Zuständigkeit vom RP an den Landkreis überging, habe der Arbeitskreis Ansprechpartner vor Ort und damit einen besseren Kontakt zur Verwaltung gehabt.

Über die Jahre haben sich die Aufgaben des heute 37 Mitglieder starken Vereins geändert. Ausgehend vom ursprünglichen Ziel, „gegenüber Verwaltung, Mandatsträgern und Öffentlichkeit für die Belange von Schutzsuchenden einzutreten“, kamen immer mehr Aufgaben dazu. Heute gehören Nachhilfekurse für Flüchtlingskinder dazu, insbesondere in der Corona-Situation, Alphabetisierungskurse für Flüchtlinge in der Gemeinschaftsunterkunft oder aber Verfahrensberatung im Welcome-Center der Stadt. Dieses Center am Bahnhof und der „Gmünder Weg“, mit den Standbeinen „Ankommen, Sprachförderung, Teilhabe, Bildung, Ausbildung und Arbeit sowie Wohnen“, macht den Mitgliedern des Arbeitskreises ihre Tätigkeit leichter. So können sie denn auch sagen, dass sich das Klima Flüchtlingen gegenüber in den drei Jahrzehnten verändert hat. „In großen Teilen der Gesellschaft gibt es mehr Aufgeschlossenheit“, formuliert dies Eisenhuth. Nicht zuletzt der einstimmige Beschluss des Gemeinderates, dass die Stadt Gmünd im Dezember 2019 dem Bündnis „Sicherer Hafen“ beitrat und sich damit mit der zivilen Seenotrettung im Mittelmeer solidarisierte, habe dazu beigetragen. In Gmünd, fassen die Vorstandsmitglieder deshalb zusammen, habe sich die Betreuung der Geflüchteten durch das Landratsamt und die Stadt „gut entwickelt“. Dem AK Asyl, der seit 2005 so heißt, geht es immer darum, „dass Geflüchtete unabhängig von ihrer Bleibeperspektive in Würde leben und ihre Zeit bei uns sinnvoll verbringen können“. Dies bedeute „Sicherung der Grundbedürfnisse, auf jeden Fall Bildung und wenn möglich Arbeit“. Konsequenterweise spricht sich der Vorstand deshalb auch für den so genannten Spurwechsel aus: ein Wechsel von Asylbewerbern ohne Bleiberecht vom Asyl- ins Einwanderungsverfahren, wenn sie integriert und qualifiziert sind.

Das jüngste Projekt des Arbeitskreises ist die Untergruppe NesT. NesT ist ein Pilotprojekt des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge für besonders schutzbedürftige Flüchtlinge. 15 Personen der Gmünder Untergruppe kümmern sich um eine Mutter mit drei Kindern aus Somalia. Und tut damit das, was Focken-Sonneck so formuliert: „mithelfen, damit die Welt ein kleines Stückchen besser wird“.

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