Gratis-Bus? Viele Gmünder wussten nicht Bescheid

+
Kein Andrang zu sehen. Die kostenlose Busnutzung am Donnerstag in Gmünd hat kaum neue Fahrgäste angelockt.
  • schließen

Wenig neue Gesichter: Ein „ganz normaler Tag“ trotz kostenloser Fahrt mit Bussen in Gmünd. Nächste Chance am verkaufsoffenen Sonntag.

Schwäbisch Gmünd

Es war ein ganz normaler Tag“, sagt Jiannis Sotiropoulos, der mit seinem roten Stadtbus kurz Aufenthalt hat am Gmünder Busbahnhof. Es ist kurz vor vier am Nachmittag, rund um die ankommenden und abfahrenden Busse ist die für diese Tageszeit unter der Woche übliche Kundschaft unterwegs, man blickt vor allem in müde Gesichter von Schülerinnen und Schüler.

Der Donnerstag sollte der „Autofreie Tag“ im Rahmen der Mobilitätswoche in Gmünd sein inklusive kostenfreier Busnutzung in Gmünd, aber die Idee der Programm-Macher schien in den Alltag vieler Gmünder nicht vorgedrungen zu sein. Dirk Masanetz, der Fahrdienstleister von Stadtbus, fasst die Erfahrungen seiner Busfahrer zusammen: „Arg groß“ sei die Resonanz nicht gewesen. Was er erklärlich findet: „Es ist offenbar so, dass es an einem Wochentag nicht so viele Leute gibt, die mal schnell etwas anderes machen als sonst. Da sind die Leute eben in der Schule oder bei der Arbeit.“ Viele Stammkunden waren auch an diesem Tag unterwegs, erzählt er. Plus ein paar „neue Gesichter“, von denen ihm einige Fahrer berichtet hätten.

Es gab offenbar auch jede Menge Gmünder, die gar nichts wussten vom Gratis-ÖPNV an diesem Donnerstag, das erzählt jedenfalls Sonia Hilbert, die am Nachmittag mit einem Info-Stand von OstalbMobil auf dem Marktplatz präsent war. „Viele Leute wussten das nicht, oder sie wussten nicht warum, und erst die Busfahrer haben ihnen dann Infos gegeben.“ So wie Jiannis Sotiropoulos in seinem Stadtbus: „Es gab immer wieder Kunden, die Geld hingelegt haben. Ich hab es Ihnen dann zurückgegeben und gesagt: Es ist heute gratis.“

„Es ist wohl leider nicht überall angekommen“, sagt Anja Tamm, die städtische Mobilitätsbeauftragte. Resonanz gab’s dennoch von Bürgerinnen und Bürgern, vor allem wegen einer Definitionsfrage: Die Nutzung der Busse sei im „Stadtgebiet“ kostenlos, hatte es in der Ankündigung geheißen. Anja Tamm stellt klar, dass damit nicht nur die Innenstadt gemeint ist, „sondern auch alle Stadtteile“.

Die Auskunft hat nach wie vor einen Nutzwert, denn es wird einen weiteren „Autofreien Tag“ mit kostenloser Nutzung der Busse geben: am Sonntag, 16. Oktober, dem verkaufsoffenen Sonntag und dem „Tag der Kulturen“. „Wir gehen davon aus, dass da mehr los ist: So eine Aktion gab es auch schon mal beim Weihnachtsmarkt“, sagt Tamm. Wenn dann doch ein Ansturm an Fahrgästen kommt, ist man beim Stadtbus gerüstet, versichert Dirk Masanetz. „Da werden wir mit Sicherheit mehr Fahrgäste bekommen. Aber wie beim Stadtfest oder Staufermarkt werden wir zusätzliche Kapazitäten bereithalten. Wir sind bei solchen Events immer präsent.“

Das Ziel des Landes Baden-Württemberg, die Nachfrage im öffentlichen Nahverkehr bis zum Jahr 2030 zu verdoppeln, bleibt ein sehr ambitioniertes - darauf deutet auch dieser Gratis-Wochentag in Gmünd hin, er blieb Experiment ohne Breitenwirkung. Mehr Leute in Bus und Bahn zu bringen, es scheint dem Bohren sehr dicker Bretter zu gleichen. „Wir sind bei den Fahrgastzahlen noch nicht wieder beim Vor-Corona-Niveau“, muss OstalbMobil-Geschäftsführer Paul-Gerhard Maier am Info-Stand auf dem Marktplatz einräumen. Vielleicht hilft ja auch die Bundespolitik. Sonia Hilbert: „Viele Leute haben nach einem Nachfolger des Neun-Euro-Tickets gefragt.“

Zurück zur Übersicht: Stadt Schwäbisch Gmünd

Kommentare