HNO-Versorgung in Gmünd gefährdet?

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HNO-Facharzt Dr. Rainer van Braam ist auf der Suche nach einem Nachfolger.
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Nur noch eine Vollzeitpraxis in der Stadt. Dr. Rainer van Braam möchte in zwei Jahren an eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger übergeben. Suche bis jetzt ohne Erfolg.

Schwäbisch Gmünd

Für Patienten im Altkreis Schwäbisch Gmünd könnte es bald eng werden, wenn sie mal  Ohrenschmerzen haben, Probleme mit Hals oder Nase: In Schwäbisch Gmünd gibt es nur noch eine einzige fachärztliche HNO-Vollzeitpraxis, dahinter steht Dr. Rainer van Braam. Nicht erst jetzt macht er sich über die langfristige Patientenversorgung Gedanken. „Als ich 1994 nach Schwäbisch Gmünd kam, gab es dort fünf HNO-Ärzte.“ Heute praktiziert außer ihm nur noch ein HNO-Arzt in Teilzeit. Dr. Rainer van Braam möchte seine Praxis gerne  in zwei Jahren einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger übergeben. Aber die Suche ist schwierig.

Auf Anzeigen in Fachblättern gab es bis jetzt keine Reaktionen. Auch direkte Gespräche mit  der Ärzteschaft in Kliniken haben noch nicht weitergeführt.

Der Gmünder HNO-Arzt sieht dafür mehrere Gründe. Zum einen würden seit Jahren zu wenig HNO-Fachärzte  ausgebildet. Und junge Ärztinnen und Ärzte bevorzugten heute den Verbleib in Kliniken oder den Wechsel in eine Großpraxis, in der sie angestellt sind. Denn viele scheuten, so Dr. Rainer van Braam, die unternehmerische Selbstständigkeit und den Ärger mit der Kassenärztlichen Vereinigung und den Krankenkassen. Ein Problem, das nicht nur das eher ländlich platzierte Schwäbisch Gmünd betrifft. 

Ähnlich sieht das der Vorsitzende der Kreisärzteschaft Schwäbisch Gmünd, Dr. Erhard Bode. Das unternehmerische Risiko und die Bürokratie, die in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen habe, seien Hemmschwellen für die Niederlassung junger Ärztinnen und Ärzte. Manche scheuten auch den hohen Zeitaufwand in den Praxen vor Ort. Und nicht wenige ziehen es vor, sagt Dr. Rainer van Braam, lukrativere Angebote in der Schweiz und in skandinavischen Ländern anzunehmen. Aber Dr. Erhard Bode ist „weiter guter Hoffnung, bis in zwei Jahren eine Lösung zu finden“. Schwierig sei es dennoch, weil man ja in Konkurrenz mit anderen Landkreisen stünde. 

Den eigentlichen Auftrag, für eine Nachfolge zu sorgen, haben aber nicht Kreisärzteschaft oder Arztpraxen. „Die Kassenärztlichen Vereinigungen  haben eine flächendeckende ambulante ärztliche und psychotherapeutische Versorgung der gesetzlich  Krankenversicherten zu organisieren“, heißt es in einer Vorgabe des Bundesgesundheitsministeriums.  In Stuttgart gibt man sich zurückhaltend. „Wir können ja keine Praxis eröffnen“, sagt Kai Sonntag, Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Baden-Württemberg. Man habe nur begrenzte Möglichkeiten und unterstütze Interessierte, wenn sie kommen. Dafür biete die KV Beratungsgespräche an. Finanzielle Hilfen gebe es, wenn eine neue Praxis eingerichtet werde, wenn eine Ärztin oder ein Arzt eine Praxis übernimmt. Förderung sei auch für den Fall möglich, dass eine Praxis einen weiteren Standort übernimmt und mit angestellten Ärzten arbeitet.  

Kai Sonntag sieht die Situation für den Ostalbkreis allerdings nicht dramatisch. „Der Versorgungsgrad im HNO-Bereich liegt bei 87 Prozent. Maximal könnten noch 2,5 Stellen dazu kommen. Das Problem: Es geht nicht um die Versorgung eines räumlichen Zentrums, sondern um einen ganzen Kreis. In Aalen arbeiten drei HNO-Ärzte, auch in Ellwangen gibt es eine Praxis. 

Unterdessen laufen die Bemühungen vor Ort weiter. In gemeinsamen Konferenzen mit der Aalener Kreisärzteschaft, mit dem Landratsamt und mit Bürgermeistern suche man nach Lösungen, sagt Dr. Erhard Bode. Dabei könne es „auch um neue Formen der Niederlassung gehen“. Außerdem möchten die Beteiligten versuchen, möglichst viele ältere HNO-Ärzte in die Versorgung einzubinden. Sie könnten vielleicht in Praxen mitarbeiten, ohne sich um Verwaltung und Bürokratie kümmern zu müssen. 

Langfristig müssten  wohl auch die Patienten umdenken. „Deren Ungeduld ist groß“ ,sagt Dr. Rainer van Braam. „Wir haben inzwischen eine Wartezeit von drei Wochen, Notfälle ausgenommen.“ Das wollten manche Patienten so nicht verstehen. Dr. Erhard Bode formuliert es deutlich: „Wer nach zwei Tagen Schnupfen zum Arzt kommen will, wird das in Zukunft nicht mehr können.“ Viele Menschen hätten einen deutlich zu hohen Versorgungsanspruch, der nicht zu halten sei.  Die aktuelle Situation, darauf weist Dr. Rainer van Braam hin, sei eine Folge der Fehlplanung der Kassenärztlichen Vereinigung. „Der Altersdurchschnitt der Ärzte ist sei langem bekannt.“ Jetzt nachzusteuern, sei deutlich zu spät. „Vom Beginn eines Medizinstudiums bis zum fertigen Facharzt dauert es elf Jahre.“ 

Der Altersdurchschnitt der Ärzte ist seit langem bekannt.“

Dr. Rainer van Braam

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