Kunstwerk lässt Spekulationen zu

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Viele Monate hat Restaurator Hermann Petersohn an diesem Werk gearbeitet.
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Beim jetzt restaurierten Werk „Heilige Maria Magdalena“ könnte es sich ums Altarbild der Dominikanerkirche handeln. Verbannt, verschollen und wieder aufgetaucht.

Schwäbisch Gmünd

Es ist vielleicht ein Werk mit kulturgeschichtlicher Bedeutung für Schwäbisch Gmünd, ganz besonders für den Prediger: Es geht um das Gemälde „Heilige Maria Magdalena“ des aus Gmünd stammenden Malers Johann Christoph Katzenstein des Älteren (1627 bis 1695). Das Bild galt viele Jahre als verschollen, ist vor gut einem Jahr durch einen besonderen Zufall aufgetaucht. Viele Monate hat sich der Göppinger Restaurator Hermann Petersohn dem  1686 entstandenen Gemälde gewidmet. „Ein schwieriger Fall“, wie er im Rückblick sagt. Das nun gesicherte Werk ist reif für die Öffentlichkeit. Im Februar soll es in einer Ausstellung im Prediger präsentiert werden.

Interessant ist die Vorgeschichte. Sie  beginnt mit dem Angebot eines Privatsammlers aus den Rheinland, dem Gmünder Museum ein großes Ölbild von Johann Christoph Katzenstein zu schenken. Es zeigt das biblische Motiv „Verkauf von Joseph durch seine Brüder“. Grund für Museumsleiter Dr. Max Tillmann, noch einmal intensiv nach einem anderen Werk des Malers zu suchen. Nach mehreren Wochen wurde man in einem Außenlager fündig.

Das  Werk, so wird vermutet, könnte Teil des Altarbilds der Kirche im Dominikanerkloster, dem heutigen Prediger, gewesen sein. An der Stelle befinden sich heute Galerie und Festsaal.   1802 wurde die Maria Magdalena geweihte Kirche aufgegeben, das Bild kam nach Forschungen von Hermann Kissling vermutlich Anfang des 20. Jahrhunderts auf den Dachboden der Kirche St. Cyriakus in Straßdorf, danach in die Städtische Altertümersammlung, das heutige Museum. Vermutlich wurde es beim Umzug aussortiert, in ein Außenlager gebracht  und  nicht entsprechend katalogisiert. Weil es sich um ein wichtiges Bild für Schwäbisch Gmünd handeln könnte, hat das Museum die Restaurierung forciert, konnte für die Finanzierung die Ernst-Siemens-Kunststiftung gewinnen. Sie hat für die Corona-Zeit einen Betrag bereitstellt, um selbstständigen Restauratoren Aufträge zu ermöglichen.

Eine Herausforderung für einen Restaurator, wie sich bald herausstellte. Vor einem Transport war eine Notsicherung nötig, um weitere Schäden zu vermeiden. An mehreren Stellen im Bild „Heilige Maria Magdalena“ wurde dafür Seidenpapier verwendet. So gefleckt, machte sich Hermann Petersohn ans Werk. Dabei wurde deutlich, dass eine Restaurierung im 19. Jahrhundert dem Bild mehr geschadet als geholfen hat. Damals habe man „mit scharfen Mitteln“ gearbeitet, Schäden an der Malerei waren die Folge.  Das Bild sei mit Firnis überzogen worden, die im Lauf der Jahre nachdunkelt und die Leinwand aushärtet. Hermann Petersohn hat sich Quadratzentimeter um Quadratzentimeter – es sind genau 23 144 – vorangearbeitet, dabei die Fehler aus früheren Restaurierungen beseitigt.  Inzwischen steht das Bild bereit für die Rückführung ins Museum im Prediger. Direktor Dr. Max Tillmann bereitet eine Präsentation vor, die im Februar in der Galerie Labor im Chor  eröffnet wird. Katzensteins Bild soll dabei im Mittelpunkt stehen, umgeben von Werken, die zum Mysterium rund um die „Heilige Maria Magdalena“ passen.

Dazu gehört auch die Einordnung  des Malers. Die Gmünder Dynastie Katzenstein ist im Museum mehrfach zu sehen. So findet sich eine Gedenktafel der Familie Katzenstein aus der Zeit um 1600 im Stil des Manierismus in der Sammlung. Die Familie Katzenstein wird in alten Aufzeichnungen bis ins beginnende 18. Jahrhundert erwähnt. Bekannt wurden die Familien als Maler, als Waffen- und Beilschmiede. Sie stellten auch immer wieder städtische Ratsherren. Im Museum existiert auch ein Werk von Johann Christoph Katzenstein dem Jüngeren, der von 1674 bis 1753 gelebt hat. Ein Bild der Volksfrömmigkeit, wie es vom gleichen Maler in weiteren Kirchen im ostwürttembergischen Raum vorkommt. Es zeigt einen vor dem Schmerzensmann knieenden Pfarrer, vermutlich ein Verwandter der Familie. So bekannt die Maler-Dynastie hier war, so sehr war sie auch der Region verhaftet.  

Ein schwieriger Fall.“

Hermann Petersohn,, Restaurator

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