Kurioser Baumschmuck verbindet die Menschen

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Inklusives Weihnachtsbaumschmücken
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Der inklusive Weihnachtsbaum im Buhlgässle steht wieder. Was dieses Jahr daran hängt und wer ihn geschmückt hat.

Schwäbisch Gmünd

Alle Jahre wieder wird vor dem Begegnungscafé „Bunter Hund“ im Buhlgässle ein etwas anderer Weihnachtsbaum geschmückt. Der Baumschmuck strahlt dieselbe Lebensfreude aus wie die zahlreichen Menschen, die sich diese Schmück-Aktion der Stiftung Haus Lindenhof nicht nehmen lassen.

Petra Schrieb wartet darauf, endlich mit dem Schmücken loslegen zu dürfen, dieses Jahr hat sie keine eigenen Utensilien zum Aufhängen mitgebracht. „Im Fundus vom 'Bunten Hund' ist genügend vorhanden“ lacht sie. Petra Schrieb ist immer vorne dabei, wenn es in Gmünd um Inklusion geht. Neben dem Musizieren in der inklusiven Guggentruppe „Los Krawallos“ freut sie sich über ihren Nebenjob im Service des „Bunten Hundes“. Der musste leider pandemiebedingt dichtmachen, erklären Frank Eißmann und Nicole Wensing von der Stiftung Haus Lindenhof. Markus Jensen bedauert die momentane Schließung seines Stammcafés sehr, der „Bunte Hund“ sei ein schöner Treffpunkt.

Marie Luise Wohlschieß lebt in einer Wohngemeinschaft, die Rentnerin freut sich, wenn sie etwas für andere tun kann. Drei Tage in der Woche sorgt sie in der Wäscherei der Stiftung für saubere Wäsche. Baumschmuck hat sie keinen dabei, auch hier wird die „Kruschtelkiste“ vom „Bunten Hund“ herhalten. Die Idee mit dem kurios geschmückten Weihnachtsbaum finden beide Frauen „witzig und schön“. Mesut Sola ist stadtbekannt, freundlich grüßend fährt er oft mit seinem Rollstuhl durch die City. „Ich brauche den Rollstuhl immer seltener“ freut sich der junge Mann, der seit Juli 2019 in einer eigenen Wohnung lebt und ambulant betreut wird. Sola ist wie Schrieb immer dabei, wenn es in Gmünd um Inklusion geht.

Die selbsternannten „Lindenhof-Zwillinge“ Malena Müller und Sabrina Schöttle sind „unzertrennlich“, lachen die jungen Frauen. Beide sind bei den Los Krawallos, Müller als zweite Vorsitzende, Schöttle spielt die große Trommel.

Nudelzange und roter BH

Der Startschuss zum Baumschmücken fällt und während Petra Schrieb souverän ein Interview in eine laufende Kamera gibt, schnappt sich Mesut Sola den roten Büstenhalter, der traditionell auf dem Baum zu finden ist. Ein anderer hat keine Lust, bei schlechtem Wetter zu schmücken und geht telefonieren, dafür greift Petra Schrieb einen großen Holzstern.

Küchenutensilien wie Nudelzangen und Pfannenwender wechseln von der Funduskiste auf den Baum. Um nicht nur „untenrum“ zu schmücken, kommt eine Bockleiter zum Einsatz. Der Barde der Staufersaga, Pat Mueller, drapiert gemeinsam mit Frank Eißmann die obligatorische Wimpelkette, jetzt in neuer Nachbarschaft mit leeren Getränkeflaschen, Christbaumkugeln und Büchern. Von dem bunten Treiben angezogen wagen sich immer mehr Nachbarn heran. Mit einem langen Holzstab hilft ein Anwohner, den Baum in höheren Regionen zu schmücken, und mit einer bunten Tragetasche wünscht Martina Stütz vom Buchhandel „Das Buch Das Geschenk“ nebenan allen „Glück, Freude und Segen“. Und der Amtsleiter für Soziales, Hans-Peter Reuter stiftet eine FFP2-Maske, „neu und unbenutzt“, lacht er.

„Witzig und schön“.

Petra Schrieb und Marie Luise Wohlschieß , zum Weihnachtsbaum im Buhlgässle

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