Mehr Wertschätzung und Entlastung für Pflegekräfte

+
Wunschbaum für Pflegekräfte
  • schließen

Die Gmünder Tagespost widmet ihre Weihnachtsaktion in diesem Jahr den Pflegenden im Klinikum und in den Heimen.

Schwäbisch Gmünd

Es ist die etwas andere Weihnachtsaktion: Die Gmünder Tagespost wird in diesem Jahr kein Geld sammeln, ihre Leser nicht um Spenden bitten. Unsere Redaktion widmet die Weihnachtsaktion 2021 den Pflegekräften im Gmünder Raum - im Stauferklinikum, in Seniorenheimen, in Pflegeeinrichtungen, in Demenzheimen, im Klosterhospiz. Mit Reportagen, Berichten, Interviews und Kommentaren wollen wir aus dem Alltag der Pflegenden berichten, insbesondere derjenigen, die auf Intensivstationen, Isolierstationen, Covidstationen und in den Notaufnahmen tätig sind. Diese sind, neben allen Medizinern und Pflegenden in anderen Bereichen, durch die Pandemie einer besonderen, einer nunmehr gut eineinhalbjährigen Belastung ausgesetzt.

Am Stauferklinikum Schwäbisch Gmünd gibt es rund 750 Pflegekräfte. Viele von ihnen arbeiten in Teilzeit. Umgerechnet machen die 750 Pflegenden ungefähr 300 volle Stellen aus. Die Mitarbeiter, sagt Klinikchef Prof. Dr. Ulrich Solzbach, nehmen viele Dinge selbst in die Hand. Sie hätten die zweite und die dritte Welle „gut gemeistert“. Inzwischen jedoch kommen häufiger Pflegekräfte zu ihm, die sagen, dass es nicht mehr gehe. „Die Leute sind erschöpft, ausgelaugt, gebeutelt.“

Ihnen eine Prämie zu geben, zu klatschen, dies sei nur ein kleiner Teil der Lösung, sagt der Vorstandsvorsitzende der drei Kliniken im Ostalbkreis. Sondern „es geht viel mehr um Wertschätzung“, um „Ruhe, Verständnis und Entlastung“, so Solzbach, der in den Augen vieler Pflegender Müdigkeit sieht. Dabei haben sich viele Pflegende bewusst für diesen Beruf entschieden, wollen helfen und machen diesen mit Freude, es gehe ihnen auch um den menschlichen Kontakt. „Dieser Kontakt ist die Luft, die die Pflegenden zum Atmen brauchen“, sagt deshalb der Klinikchef.

Die derzeitige Lage sei für die Pflegekräfte sehr belastend, sagt Solzbach. Deshalb müsse für sie etwas Nachhaltiges getan werden. Dieses Nachhaltige sieht Solzbach in den Arbeitsbedingungen. Sie fühlten sich aufgehoben in einer Gemeinschaft von Kollegen und Ärzten, „wie in einer Familie“. Es gibt oftmals zu viel Bürokratie, zu viel zu dokumentieren. Anstelle von „nur noch messbarer Pflege und Leistung“ müssten Pflegende sich mehr um Patienten kümmern können. „Da müssen wir wieder hin“, sagt Solzbach. Er befürwortet dies ausdrücklich, denn dies sei Teil seines humanistischen Weltbildes.

Durchschnittlich liegen Covid-Patienten, die intensiv betreut werden, etwa drei Wochen auf der Intensivstation. Leider versterben bis zu 40 Prozent der beatmeten Intensivpatienten, sagt der Mediziner. Bei manchen Patienten wisse man, fügt er hinzu, dass die Überlebenschancen sehr gering sind.

Wie kommen Pflegekräfte mit diesen belastenden Situationen auf Isolier- und Covidstationen klar? „Wir haben an den Kliniken Ostalb eine Kollegin aus der Psychosomatik, die die Pflegekräfte mit Gesprächen unterstützt“, sagt Solzbach und betont dabei, dass von dieser Belastung nicht nur Pflegende, sondern auch Ärzte betroffen sind. Deshalb betont Solzbach, dass er „vor und hinter“ seinen Ärzten und Pflegenden stehe. „Wir werden auch diese vierte Welle schaffen“, bekräftigt er. Von der Politik aber, weiß er aus Gesprächen, seien viele enttäuscht. Dieser Enttäuschung will diese GT-Aktion Raum geben. Deshalb laden wir Pflegekräfte in Kliniken und Heimen ein, uns ihre Wünsche zu schicken. Wünsche und Statements, Erklärungen zu ihrer Situation. Schreiben Sie uns, was Sie bedrückt. Erzählen Sie uns aus Ihrem Alltag. Sagen Sie uns, welche Erwartungen Sie an die Politik haben. Schreiben Sie uns unter redaktion@tagespost.de. Die GT wird Ihre Statements in die Leserschaft hineintragen. Und die gesammelten Berichte den Landtags- und Bundestagsabgeordneten übergeben. Für die Regierenden. Da mit sich endlich etwas zum Besseren wendet.

  • Was Pflegekräfte im Jahr 2020 verdienten
  • Pflegekräfte in Krankenhäusern verdienten im Jahr 2020 im Durchschnitt brutto 3578 Euro im Monat. Fachkräfte in Pflegeheimen kamen durchschnittlich auf 3363 Euro, Pflegende in Altenheimen auf 3291 Euro. Die Unterschiede in der Bezahlung sind auch darauf zurückzuführen, dass in der Pflege vielfach Tarif bezahlt wird. Erstmals verdienten Pflegekräfte in 2020 mehr als Beschäftigte im produzierenden Gewerbe oder im Dienstleistungsbereich. Dort liegt der Schnitt bei 3286 Euro. Diese Angaben sind Durchschnittswerte, die Beschäftigten verdienen der Anzahl der Dienstjahre und der Qualifikation entsprechend mehr oder weniger. Die Quelle für diese Angaben ist das Statistische Bundesamt.

Zurück zur Übersicht: Stadt Schwäbisch Gmünd

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL

Kommentare