Mindestlohn auch für Behinderte?

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Barrierefreiheit für den Bus, der Lohn in den Behindertenwerkstätten - und will jemand in eine Partei eintreten? Bei der VHS diskutierten die Bundestagskandidaten (v.l.) David-Sebastian Hamm (FDP), Tim-Luka Schwab (SPD), Ricarda Lang (Grüne) und Inge Grä
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Busfahren, Arbeitslohn, Pflegeberufe: Vier Kandidatinnen und Kandidaten für den Bundestag erklären bei der Gmünder Volkshochschule ihre Ideen - in einfacher Sprache.

Schwäbisch Gmünd

Vorneweg eine Frage an die Kandidatinnen und Kandidaten: Die wievielte Wahlveranstaltung ist das heute Abend? Genau mitgezählt hat keiner. „Alle Termine zusammengenommen, auf jeden Fall dreistellig“, antwortet Tim-Luka Schwab (SPD), und alle nicken zustimmend. Am Wahltag werde er morgens zwei - und abends drei Kreuze machen, sagt FDP-Kandidat David-Sebastian Hamm.

Also los mit der nächsten Diskussionsrunde, diesmal bitte in einfacher Sprache. Das ist der Ansatz der Veranstaltung, die es seit 2009 als Kooperation von Haus Lindenhof und Volkshochschule zu jeder Wahl gibt. Eingeladen waren Inge Gräßle (CDU), Tim-Luka Schwab (SPD), Ricarda Lang (Grüne), David-Sebastian Hamm (FDP) und Annette Keles (Linke). Die ersten vier waren dabei, Keles hatte aus beruflichen Gründen abgesagt, wie Organisator Helmut Schwimmbeck von der VHS erzählt. Und was ist mit AfD-Kandidat Andreas Wörner? Schwimmbeck antwortet indirekt, er zeigt auf die Liste auf dem Plakat zur Veranstaltung: „Diese fünf wollten wir haben.“

Was wollen Sie für Menschen mit Handicap tun? Das war die erste Frage der Moderatoren Gerburg Maria Müller und Fin Lührs. Alle Kandidaten versprachen, sich für weiteren Ausbau von Barrierefreiheit einzusetzen. Tim-Luka Schwab sprach von einem „Bundesprogramm Barrierefreiheit“, David-Sebastian Hamm erzählte, dass sich seine Partei ganz konkret für Verbesserungen auf der Remsbahn einsetze. Und Inge Gräßle meinte: „Wir haben viele erreicht, aber wir sind noch nicht am Ende mit dem Thema.“

Viele Fragen kommen aus dem Publikum, von Männern und Frauen mit Handicap. Es sind ganz lebensnahe Themen: Bus fahren, Arbeiten, Wohnen. Es geht um Zugang, Teilhabe, um Lohn. „Inklusion wollen wir in allen Bereichen“, sagt Ricarda Lang, „in den Schulen, bei der Arbeit“. Inge Gräßle befürwortet Behindertenwerkstätten: „Ich finde die Werkstätten gut, aber wir haben uns vor genommen, das weiterzuentwickeln, dass Sie mehr in der Tasche haben.“ Tim-Luka Schwab setzt auf Inklusion: „Wir setzen uns dafür ein, dass in Zukunft alle Menschen zusammenarbeiten, da muss es darum gehen, dass Ihr mehr Geld bekommt für die Arbeit." Die Grünen-Kandidatin wird ganz konkret: „In Werkstätten wollen wir, dass jeder den Mindestlohn verdient.“

Es wird nach den Pflegeberufen gefragt, und auch da sind sich die Kandidaten in vielem einig. „Wir müssen diesen Beruf attraktiver machen“, sagt Hamm. Das sei die Aufgabe. Die sachliche Diskussion, in der Kandidaten auch mal der Konkurrenz zustimmen, steht in einem Kontrast zu den streitgesättigten Diskussionsrunden, wie es sie zuletzt im Fernsehen zu sehen gab. Aber es gibt nicht nur Einigkeit: Inge Gräßle meinte, man solle doch „nicht die Platte auflegen, die Pflegekräfte verdienen so schlecht“. Sie sieht es so: „Wer ausgelernt hat, verdient 3000 Euro im Monat, das ist doch keine schlechte Bezahlung, Pflege ist wichtig, das sind gute Berufe.“ Ricarda Lang widerspricht: „Wenn ein Drittel der Leute in diesen Berufen sagt, ich will raus, dann ist das schon eine Aufgabe, das zu ändern.“

Als es zuletzt um politische Teilhabe geht - auch für Menschen mit Behinderung - gibt es auch offene, persönliche Worte der Kandidaten, Einblicke ins Seelenleben von Politikern. "Wir schauen, dass diese Demokratie funktioniert, und wir haben wenig Rückhalt in der Bevölkerung. Wir stehen am Marienbrunnen und müssen uns da einiges anhören", erzählt Gräßle. Man habe ja die Wahl zwischen Pest und Cholera, höre er Leute sagen, erzählt Hamm. Das beste Rezept aber sei: Nicht schimpfen, sondern selber machen und in eine Partei eintreten. Und er fügt hinzu: „Wir alle wollen doch dieses Land besser machen.“

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