Mit dem Minibagger geht es runter in die Rems

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Wie eine imposante Kunstinstallation im Bett der Rems: Der wilde Haufen angeschwemmten Holzes reicht für mehrere LKW-Ladungen. In der kommenden Woche soll die Hochwasser-Mitgift aus dem Fluss gebaggert werden.
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Wo die große Menge angeschwemmten Holzes im Remspark herkommt - und wie die Stämme und Äste beseitigt werden sollen.

Schwäbisch Gmünd

Kleine Äste, große Äste, sogar Baumstämme, die Rems ist auf halber Breite voll mit Holz. Passanten bleiben stehen, um sich die imposante Installation anzuschauen, die das Hochwasser vom Dienstag im Remspark geschaffen hat.

Die Einzelteile des angeschwemmten Holzhaufens, der locker für zwei, drei LKW-Ladungen reicht, stammt vor allem aus dem Josefsbach. Der wird unter anderem vom Waldstetter Bach und dem Strümpfelbach aus Bettringen gespeist. Im Einzugsgebiet dieser eigentlich kleinen Bäche ging am Dienstagabend die mit Abstand größte Regenmenge binnen kurzer Zeit im Gmünder Raum nieder. „In Weiler waren es an dem Tag 24 Liter pro Quadratmeter, in Gmünd dagegen nur vier Liter“, berichtet Martin Klamt, der Gmünder Wetterbeobachter.

Schon die Tage zuvor hatte es in Weiler viel geregnet, am Sonntag etwa 28 Liter je Quadratmeter, auch das waren schon deutlich mehr als zur gleichen Zeit in Gmünd. „Insgesamt sind in Weiler seit Sonntag über 80 Liter Regen gefallen, das ist schon fast so viel wie das normale Monatsmittel im Juni“, rechnet Klamt vor.

Holz und Abfälle nah am Wasser

Aber wieso ist jetzt so enorm viel Holz mitgerissen worden? Markus Herrmann, der Sprecher der Stadt Gmünd, sieht einen Grund: Nachlässigkeit. Nach dem großen Unwetter vor fünf Jahren seien Besitzer von Gärten und Grundstücken nah am Wasser sehr vorsichtig geworden, was die Lagerung von Holz oder Schnittabfällen in der Nähe von Bach und Fluss angeht. „Aber wie das so ist im Leben: Das schleift sich ab. Die Leute sind zu fahrlässig geworden.“ Wobei das sicher oft keine böse Absicht sei, und auch nicht alles Holz von privaten Grundstücken komme.

Das Starkregen-Unwetter vom Mai 2016, auf das Herrmann Bezug nimmt und bei dem zwei Menschen ums Leben kamen, hatte eine andere Dimension als die Regengüsse dieser Woche. „Damals sind mehr als 50 Liter pro Quadratmeter gefallen – in nur einer Stunde“, erinnert sich Klamt. Einen Trend zu steigenden Regenmengen sieht der langjährige Wetterbeobachter nicht, „es hat auch früher schon Hochwasser gegeben“, sagt er. Dass solche Unwetter häufiger werden, das beobachte er aber schon.

Im Schnitt wird es trockener

Der Klimawandel lässt seit Jahren die durchschnittlichen Temperaturen auch in Gmünd und Umgebung steigen, „das sieht man ganz klar an den Messwerten“, so Martin Klamt. Der Zusammenhang zum Starkregen ist einfach erklärt: Höhere Temperaturen bedeuten mehr Energie in der Atmosphäre, die sich dann in der Sommerzeit häufig in heftigen Gewittern entlädt.

Übers Jahr hinweg ist der Trend beim Niederschlag übrigens genau andersherum: „In den letzten Jahren ist es trockener geworden, mit einer zusätzlichen Verschiebung im Jahr: im Sommer regnet es weniger, im Winter etwas mehr als im langjährigen Mittel.“

Erst muss der Pegel sinken

Und wie bekommt man das Holz, das die Grundfläche eines Einfamilienhauses einnimmt, nun wieder aus der Rems? Der städtische Bauhof hat schon einen Plan, aber es wird noch einige Tage dauern, bis dessen Mitarbeiter an die Arbeit gehen. „Wir werden mit einem Minibagger über die Rampe am Josefsbach ins Bachbett fahren“, sagt Markus Herrmann. Dass die städtischen Arbeiter nicht gleich loslegen, hat mit dem Wasserpegel zu tun. „Es ist bei solchen Arbeiten im Wasser einfach eine Frage des Risikos“, sagt er. Aber am Wochenende solle es ja trockener werden, sagt Herrmann. Er geht davon aus, dass die Bergungsaktion Anfang der kommenden Woche starten kann.

Link: Aktuelle Pegelwerte und weitere Wetterdaten zeigt die Seite der Hochwasservorhersagezentrale: www.hvz.baden-wuerttemberg.de

Die Leute sind zu fahrlässig geworden.“

Markus Herrmann,, Stadtsprecher

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