„Öffentlichen Raum nicht den Tätern überlassen“

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Kundgebung Fraueninitiative
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Rund 100 Frauen und Männer versammeln sich am Freitagabend an der Waldstetter Brücke, um ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen zu setzen.

Schwäbisch Gmünd

Wir holen uns die Straße wieder zurück“, sagt die Rednerin. Rund 100 Menschen, viele Frauen, einige Männer, sind am Freitagabend um 18 Uhr an der Waldstetter Brücke versammelt, um „ein Zeichen zu setzen“. Sie stehen nicht weit von dem Ort, an dem eine Woche zuvor eine junge Frau von zwei Männern überfallen worden war. Die 20-Jährige wehrte sich und konnte die Täter in die Flucht schlagen. Eine Versuchte Vergewaltigung, so lautete der Polizei zufolge eine mögliche Begründung der Tat. Die Fraueninitiative sieht darin einen „sexualisierten Übergriff zweier sexistischer Täter“. Das Treffen  sollte Solidarität ausdrücken. „Ein Angriff auf eine von uns ist ein Angriff auf uns alle“, sagt Freya, die ihren Nachnamen nicht in der Zeitung lesen will, in ihrer Ansprache. Den Angriff wolle man einfach „nicht so stehen lassen“, betont Barbara Herzer von der Frauen-Initiative. 

Von den Täter gibt es eine Woche später noch keine Spur. „Es gibt keine neuen Erkenntnisse, die Ermittlungen laufen weiter“, diesen Stand teilt am Nachmittag vor der Kundgebung Polizeisprecher Bernd Märkle mit. 

An der Waldstetter Brücke werden am Abend von vielen Frauen Kerzen angezündet. Auf dem Boden wird der Begriff „Frauen-Solidarität“ mit Kerzen zum Leuchten gebracht. Das Treffen nahe des Tatorts soll zuallererst eines demonstrieren: dass die Frauen den öffentlichen Raum nicht Gewalttätern, Übergriffigen, Sexisten überlassen wollen. „Lassen wir nicht zu, dass öffentliche Angsträume entstehen - sondern erobern wir uns als Frauen die Stadt zurück“, sagt Freya. E sei wichtig, sichtbar zu sein. Kurz gibt es sogar einen Sprechchor: „Frauen, die kämpfen sind Frauen, die leben.“

Was motiviert die Menschen, die gekommen sind an diesem Abend? Von Zurückerobern spricht auch eine Frau, und sie sagt, es gehe darum „dem öffentlichen Raum positiv zu besetzen und ihn nicht den Tätern zu überlassen“.  Darin liegt auch ein Widersprechen gegen eingeübte, vielfach gelehrte Verhaltensmuster. „Wir Frauen bekommen von der Kindheit an erzählt, pass' auf; und dass wir dies nicht machen soll, dort aufpassen, das Handy immer griffbereit, am besten mit der Notfallnummer“, sagt Freya. „Wir üben uns ständig im Mitdenken, im Mitdenken von sexualisierter Gewalt.“ Und wenn eine Frau zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort sei, dann sei sie quasi selbst schuld. 

Es ist ein Zusammen-sind-wir-stark-Gestus und ein Wir-dürfen-auch-überall-sein-Gestus, die an diesem Abend betont werden: „Keiner von uns ist allein, wir haben eine Stimme. Wir sind auch hier, um zu zeigen, dass wir keine Angst haben.“ Und: „Wir schauen nicht mehr weg, wir mischen uns ein.“ Frauen wollten nicht „zu Objekten gemacht werden“, sagt Freya. „Wir sind die Hälfte der Welt, unser Platz ist im öffentlichen Raum und in der Gesellschaft.“

Die Gesellschaft muss geändert werden, auch das ist ein Impuls beim dem Protest. Vom „Patriarchat“ ist die Rede, Freya beklagt eine Gesellschaft, in der „sexuelle Verfügbarkeit und sexuelle Gewalt normalisiert“ würden. 

Gegen eines wehrt sich die Rednerin ausdrücklich: „gegen rechte Gruppen wie die AfD, die Gewalt gegen Frauen“ zum Anlass für Rassismus machten. „Gewalt gegen Frauen ist keine Frage von Herkunft oder Religion – sexuelle Gewalt findet überall auf der Welt statt. “

Ein junger Mann, der mit seiner Freundin da ist, findet die Kundgebung „eine gute Idee“ und fügt hinzu: „Ich finde, dass es alle angeht.“

Info: Die Fraueninitiative Gmünd, gegründet 2020, versteht sich als überparteiliches Bündnis. Die Frauen, die dabei sind, wollen gemeinsam „dem alltäglichen Sexismus, der Diskriminierung, der Gewalt und der Ausbeutung von Frauen etwas entgegensetzen“. Die Aktivistinnen der Initiative stellen ihr Engagement in einen breiten Kontext. Ihnen gehe es um die „Befreiung der Frau“  - und die „Befreiung von Patriarchat, Rassismus und Kapitalismus“.

  • Frauen Union: mehr Sicherheit im öffentlichen Raum
  • Abgesagt: Eine für den 4. Februar geplante öffentliche Veranstaltung zum Thema „Innere Sicherheit“ ist abgesagt worden. Auf Initiative der Frauen-Union Schwäbisch Gmünd und in Zusammenarbeit mit der Stadt Gmünd sollte Innenminister Thomas Strobl nach Gmünd kommen. Die Absage wegen der Pandemie sei besonders bedauerlich „angesichts des Vorfalls sexualisierter Gewalt in der Josefstraße und der dadurch entstandenen Beeinträchtigung der Sicherheitslage in  Gmünd“, sagt Gisela Stephan, die Vorsitzende der Gmünder Frauen-Union. Ihrer Vereinigung sei es ein großes Anliegen, Gmün sicherer zu machen. „Die Sicherheit im öffentlichen Raum ist ein kommunales Thema, das Frauen besonders betrifft. Cat-Calling, sexualisierte Gewalt und vieles mehr trägt zur gefühlten und realen Unsicherheit von Frauen in der Stadt bei.  Sicherheit im öffentlichen Raum ist daher ein wesentlicher Aspekt der Lebensqualität und Attraktivität einer Stadt und nützt allen: Frauen, Männern und der ganzen Stadt.“  Ein neuer Termin soll im Frühjahr oder Sommer gesucht werden.

Ein Angriff auf eine von uns ist ein Angriff auf uns alle

Rednerin, der Frauen-Initiative
Kundgebung Fraueninitiative
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Bei der Kundgebung der Gmünder Fraueninitiative waren rund 100 Menschen dabei - viele Frauen, einige Männer.

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