Hier schmeckt‘s: Die Osteria in Schwäbisch Gmünd

Okzident, Orient, Osteria - bei Aziz und Claudia ein leckerer Dreiklang

+
Das Paar Claudia Reiter und Aziz Ait Oujane leiten die orientalische Osteria in Schwäbisch-Gmünd. In der Hand halten sie ihre beliebte Marakkesch-PLatte.
  • schließen

Warum die Osteria in Gmünd marokkanische Gerichte serviert und es die Speisekarte nur handschriftlich gibt.

Schwäbisch Gmünd. Nehmen Sie sich Zeit. Sie müssen sich Zeit nehmen für Claudia Reiter und Aziz Ait Oujane. Dem Paar gehört das Restaurant Osteria in Schwäbisch Gmünd. Sie sollten sich für ein gemütliches Abendessen sowieso immer Zeit nehmen. Bei den Beiden gibt es aber noch kulinarische Geschichten aus 1001 Nacht. Claudias Gewürze-Stimmung-Rezeptidee ist zudem eine Wucht.

Osteria … ? Klingt nach Pasta und Italien. Die Osteria in Gmünd am Türlensteg 35/1 direkt neben dem Traumpalast ist indes geografisch und auch geschmacklich noch weiter südlich verortet. Aziz kommt aus Marokko. 1997 kam er nach Deutschland. Seit 2009 leitet er mit seiner Frau die Osteria. Er kocht. Claudia managt das kleine Serviceteam und hilft selbst mit. Die Speisekarte trägt sprichwörtlich ihre Handschrift, denn Aziz entscheidet täglich neu, welche Gerichte er seinen Gästen anbietet. Dann schreibt Claudia die Gerichte auf eine große Tafel, die auf einer Staffelei zum Gast getragen wird. Da passt es, dass Claudia Kunst studiert hat.

Die Karte schreibt Claudia Reiter jeden Tag mit der Hand, weil Koch Aziz sehr täglich neu entscheidet, was es gibt.

Zwischen Okzident und Orient heißt es im Untertitel der Speisekarte. Allein der Blick in den idyllischen Innenstadt-Biergarten, äh … natürlich in die Innenstadt-„Oase“ gibt die geschmackliche Richtung vor. Entweder sitzen die Gäste unter Obstbäumen, aus deren Früchten Aziz seine Chutney macht, am Rande des kleinen Gewürzgartens oder unter einem Zelt mit marokkanischem Muster. Ach ja, es gibt auch noch eine marokkanische Cocktailbar.

Im Tajine gart alles schonend

Die Küche ist klein, drei Leute habe darin Platz – maximal. Was dieses Team um „Chefkoch“ Aziz indes aus dem kleinen Raum auf die Teller zaubert, ist beeindruckend. Wer es marokkanisch mag, kommt am Tajine nicht vorbei. Ein Tajine ist ein nach alter Töpferkunst der marokkanischen Berber hergestellter Naturkochtopf aus Lehmerde. Durch den meist spitzen Deckel garen die Gerichte in dem Tajine auf schonende Weise. In der Osteria werden die Speisen meist in den dekorierten Töpfen serviert. Fisch, Huhn, Rind das Fleisch ist immer butterweich und zart.

Pilpil (Fischgericht) im Tajine mit Falafel-Salat und Berbertee.

Obwohl es auch Bier und Wein in der Osteria gibt, sollte das perfekte Gericht mit einem marokkanischen Tee beginnen. Das stimmt schon einmal auf die orientalische Küche ein. Der Berbertee ist auch zu empfehlen. Er hat einen zitronenminzigen Geschmack. Vor allem der Geruch des Tees stimmt aufs Schlemmern ein. Falafel muss es immer geben. Das lieben Aziz Gäste. Wer sich zwischen der marokkanischen Crossover-Küche - „es gibt bei mir auch mal marokkanischen Sauerbraten“ (Aziz) - nicht entscheiden mag, bestellt die Marrakesch-Platte. Claudia und Aziz sorgen dann dafür, dass das Essen zu einer orientalischen Geschmacksreise wird.

Gekocht wird mit vielen Gewürzen. Richtig scharf geht es in der marokkanischen Küche meist nie zu, obwohl Aziz roter Dipp schon ordentlich Feuer hat. Der Joghurt-Minz-Dipp ist ein leckerer Snack für heiße Tage.

Bleiben noch zwei Fragen offen? Wieso Osteria? Bevor Claudia und Aziz das Restaurant 2009 übernommen haben, war dort eine italienische Osteria. Der Name war bekannt in Gmünd, warum ihn also ändern. „Außerdem kostete die Namensänderung Geld“, sagt Aziz. „Da ist er Schwabe“, sagt Claudia. Und was hat es mit der Gewürz-Stimmung-Idee auf sich? „Wäre es nicht toll, wenn die Menschen sagen, heute bin ich fröhlich, ich möchte Gewürze, die fröhlich schmecken, oder ich bin verliebt und möchte Liebesgewürze“, sagt Claudia. Sie wüsste auch schon ganz genau, welches Gewürz zu welcher Stimmung passt. Dem Autor dieser Zeilen war es orientalisch zumute. Er wurde nicht enttäuscht.

Neu: Keinen Gastrotipp mehr verpassen. Anmelden für den Genuss-Newsletter, jeden Mittwoch im Mailfach.

Hier schmeckt‘s

Besonders beliebt: Aziz Falafel, gerne mit Salat du Aziz Spezialdressing, 11,90 Euro.
Das Schmankerl: Die Marrakesch-Platte.
Das günstigste Gericht: Tomatensuppe, 5,40 Euro.
Das teuerste Gericht: Gegrilltes Rindersteak, 27,80 Euro.
Sitzplätze: Innen 45, draußen im Biergarten 100 Plätze.
Öffnungszeiten: Dienstag bis Donnerstag 12 bis 14 Uhr, Dienstag bis Samstag, 17.30 bis 23 Uhr. Sonntag und Montag Ruhetag. Keine Kartenzahlung.

Zurück zur Übersicht: Stadt Schwäbisch Gmünd

Mehr zum Thema

Kommentare