Roter Jugendtag an Pfingsten 1925 im katholischen Gmünd

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Mit diesem Plakat warben die Organisatoren für den Roten Jugendtag an Pfingsten 1925 in Gmünd. Foto: mil
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Was eine Polizeiakte von 1925 bis 1933 über Kommunisten in Gmünd in der Zeit zwischen den Kriegen erzählt.

Schwäbisch Gmünd

Einer der Funde, der verborgenen Schätze im Gmünder Stadtarchiv ist eine Akte der städtischen Polizei in Gmünd, die dort von 1925 bis 1933 geführt wurde. Die Polizei, sagt Stadtarchivar Dr. Niklas Konzen, war damals noch kommunal organisiert. Die Polizisten waren also Angestellte der Gemeinde. Die Akte enthielt jedoch Eingänge der Landeskriminalpolizei zu Aktivitäten der Kommunistischen Partei. Darunter Informationen über die Kommunistische Jugend und den Roter Frontkämpferbund. Dieser war eine dem Militär ähnliche Organisation und ein Veteranenverband der KPD. Gegründet wurde er 1924 in Halle an der Saale, er hatte zwischen 50 000 und 100 000 Mitglieder. In Württemberg wurde er am 13. Mai 1929 durch das Innenministerium verboten.

Die Akte im Stadtarchiv lässt den Rückschluss zu, dass die Kommunistische Jugend und der Roter Frontkämpferbund auch in Schwäbisch Gmünd aktiv waren. In Gmünd wirkte Alfred Haag mit. Er war ab 1932 der jüngste KPD-Abgeordnete im Stuttgarter Landtag und kommunistischer Widerstandskämpfer zur Zeit des Nationalsozialismus. 1933 wurde er verhaftet und in ein KZ bei Ulm gebracht.

Die Akte enthält ein Schreiben der Landeskriminalpolizei vom 18. Mai 1925, in dem diese das Polizeiamt Gmünd über eine an Pfingsten 1925 geplante Veranstaltung des Roter Frontkämpferbundes und der KPD informiert. Die Stadtpolizei reagierte und verhängte für den Pfingstsonntag ein Verbot für den „Roten Jugendtag“. Dessen Organisatoren hatten in ganz Württemberg für diesen Tag geworben. Die Aufrufe, so ist einer Zeitungsveröffentlichung nach dem Jugendtag zu entnehmen, seien „mit saftigen Schlagern auf die 'Pfaffen' und auf das schwarze 'Königreich' Gmünd gespickt gewesen. Etwa 600 Teilnehmer sollen dem Bericht nach an Pfingsten 1925 in Gmünd gewesen sein. Ein für Pfingstsonntag geplanter Fackelumzug kam des Verbots wegen nicht zustande. Das Verbot aber umgingen die Organisatoren, indem sie am Pfingstmontag eine Versammlung auf der Mutlanger Heide abhielten. Zudem zogen sie zweimal durch die Stadt. Nach Mittag gab es eine Kundgebung vor dem Rathaus, „wo von Ganz- und Halberwachsenen und von einer Schülerin die bekannten kommunistischen Sprüche hergesagt wurden“. So ist's dem Zeitungsbericht zu entnehmen. Dazu noch, dass „drei Kommunisten, vielleicht wegen der Hitze und nicht der Reden wegen, Ohnmachtsanfälle erlitten und in die 'königlichen' Polizeiräume des Rathauses getragen werden mussten“.

Kurz danach soll der Zug am Bahnhof Halt gemacht haben. Dort, so schildert der Redakteur, sei ein christlicher Männerverein aus der Backnanger Gegend durch den Zug gelaufen. Mit Musik und wehender Fahne, auf der geschrieben stand: „Christus siegt“. Die roten Genossen, schreibt der Berichterstatter weiter, seien betroffen gewesen und hätten geschwiegen. Aber „still gelächelt“. Ausschreitungen seien nicht vorgekommen, auch, weil der Kommunistenführer den Teilnehmern morgens erklärt habe, dass man in Gmünd „nur durch geordnetes Betragen Eindruck machen“ könne. Der Berichterstatter enthielt sich nicht einer Wertung des Jugendtages: „Aus den Reden, Liedern und dem Gesamteindruck der ganzen Aufmachung sprach greifbar der Geist der Verneinung und nicht der Geist des aufbauenden Wirkens.“ .

Im Jahr 1929 verbot das Innenministerium den Roten Frontkämpferbund. In Gmünd führte dies zu Hausdurchsuchungen, auch bei Alfred Haag. Deren Ergebnis: dass die Ortsgruppe lange schon nicht mehr existiert hatte.

Die Serie: Verborgene Schätze im Stadtarchiv

2. August, Die GT-Serie zum Stadtarchiv vorgestellt.

9. August: Kommunisten in Gmünd in der Kriegszwischenzeit

16. August: Überzeugter Nazi und homosexuell – der tragische Fall Ernst Haug

23. August: „The kiss I never got“ – US-Soldaten schreiben sich in Kläre Dangelmaiers Freundschaftsbuch.

30. August: Zwangssterilisierungen im städtischen Krankenhaus 1934 - 1945

6. September: Die Sittenpolizei ahndet: Prostitution im 19. Jahrhundert.

Die von 1925 bis 1933 geführte Polizeiakte im Archiv. Foto: mil

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