Scharfe Worte an die Politik

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Foto: Jan-Philipp Strobel
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Rund 300 Teilnehmer bei Kundgebung von „Fridays for future“ und bei Radler-Demo in Gmünd.

Schwäbisch Gmünd

Das Weltklima, aber auch die Politik der Gmünder Stadtverwaltung, spielte eine große Rolle bei der von „Fridays for future“ (FFF)organisierten Kundgebung am Freitag auf dem Marktplatz. Und natürlich die bevorstehende Bundestagswahl. „Wir brauchen Politiker, denen unsere Zukunft nicht egal ist“, sagte zum Beispiel FFF-Aktivistin Leah Marie Baum.

Ihr Mitstreiter Linus Nolte forderte die Verantwortung Deutschlands ein: Wer, wenn nicht eine der weltweit führenden Industrienationen, könne die Klimawende schaffen? Ein bisher für das Jahr 2038 angepeilter Ausstieg aus der Kohlenutzung komme viel zu spät. Spätestens 2035 müsse und könne Deutschland klimaneutral sein.

Silas Schimmel von der Grünen Jugend Ostalb sagte, dass Deutschland seit rund 200 Jahren die Luft verpeste - viel länger als viele Entwicklungsländer, von denen man heutzutage den raschen Wandel verlange. Er forderte weitere Aktionen wie diesen weltweit ausgerufenen Protesttag, zu dem es allein in Deutschland etwa 400 Veranstaltungen gab. „Geht weiter auf die Straße“, rief er den schätzungsweise 300 Zuhörern zu, denn „jede Bundesregierung braucht den Druck der Straße“. Laura Weber von den Ostalb-Jusos erinnerte daran, dass die Klimakrise kein reines Umweltproblem sei, sondern auch eine große soziale Herausforderung. Den Profit aus der Krise jedoch ziehe die Wirtschaft: 100 Unternehmen weltweit seien für 70 Prozent des Kohlendioxid-Ausstoßes verantwortlich.

Stadtverwaltung am Pranger

Als Vertreterin der Generation 50+ trat Kathrin Bareiß, Sprecherin der örtlichen Gruppe der „Omas for future“ ans Mikrofon. „Wir haben ganz schön viel verbockt“, sagte sie über den bisherigen Umgang der älteren deutschen Bevölkerung mit der Umwelt. Deshalb solle diese Generation nun auch helfen, das auszubaden. Umweltschutz könne bereits in kleinen Maßnahmen anfangen, zum Beispiel, wenn man Mineralwasser in Plastikflaschen vermeide.

„Die Gmünder Stadtverwaltung nimmt den Klimaschutz nicht ernst“, kritisierte der Regionalgeschäftsführer des BUND, Andreas Mooslehner. Vor 21 Jahren sei sie dem Klimabündnis europäischer Städte beigetreten. Den daraus resultierenden Verpflichtungen jedoch komme sie nicht nach. Nun denke sie bereits über die Versiegelung weiterer Flächen nach, obwohl die Einwohnerzahl im Vergleich zu 2020 zurückgegangen sei.

Doch auch die überregionale Politik nahm der BUND-Geschäftsführer in die Pflicht: So werde die Bundesstraße 29 vierspurig ausgebaut. während viele Bahnstrecken noch einspurig sind. Zudem gebe es viel zu viele Autos - egal, ob sie mit Strom oder Wasserstoff betrieben werden. Die Zahl der Autos müsse deutlich sinken. Doch Parteien seien „zu feige für Forderungen, die auch Verzicht bedeuten“, so Mooslehner.

Jürgen Stemke, bekannt als Vertreter der gleichnamigen Bäckerei, nahm die Demonstranten mit in die Geschichte der Klimaforschung.

Wir haben ganz schön viel verbockt.“

Kathrin Bareiß,, Omas for future
  • Demonstration auch auf zwei Rädern
  • Die Politik habe die Aufgabe, Grenzen zu setzen. Dieser Aufgabe aber kämen die Politiker nicht nach- auch die im Gmünder Rathaus nicht. Das sagte der Gmünder Fahrradkurier und -aktivist Volker Nick den Demonstranten auf dem Marktplatz. Viele von ihnen schlossen sich anschließend einer von Nick geleiteten Fahrrad-Demo an, die zu Orten führen sollte, „wo es wehtut“. Ins Taubental zum Beispiel, wo Linke-Stadtrat Andreas Benk über die Flächenversiegelung Gmünds sprach.
  • Am Bahnhof war die Mobilität der Zukunft ein Thema, bei einem Stopp in der Remsstraße wurde der Vorrang für Busse und Fahrräder im innerstädtischen Verkehr gefordert. Den Gmünder Stadtwerken warf Nick eine Mitverantwortung für die Klimakrise vor, am Baldungkreisel kritisierte er die Vernachlässigung der Radfahrer bei Verkehrs-Investitionen. Das lange diskutierte Vorhaben, Klarenbergstraße und Schwerzerallee zu Fahrradstraßen zu erklären, solle endlich umgesetzt werden, so Nick. wof
Foto: Jan-Philipp Strobel
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Die Fahrrad-Demo in der Ledergasse.

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