Unter der Mode-Kollektion steckt ein staufischer Keller

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Denkmalschützerin Sandra Bosch und Bauleiter Markus Schurr sind unten in der Kelleranlage - und schauen auf den Plan, um die bevorstehende Sanierung zu besprechen.
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Ein Rundgang durch die mittelalterliche Kelleranlage im Freudental, die nun saniert wird, damit sie wieder betreten werden kann.

Schwäbisch Gmünd

Oben läuft vermutlich gerade Popmusik zwischen Kleiderkäufern und Kleiderständern, hier unten im Keller steht man an einer Grundmauer aus der Zeit der Stadtgründung. „Wir stehen direkt unter dem New Yorker“, sagt Markus Schurr. 

In dieser Woche wird Schurr als Bauleiter damit anfangen, die historische Kelleranlage unter den Häusern zwischen Marktplatz, Freudental und Mohrengässle zu sanieren. Es ist verborgene Stadtgeschichte, die wieder sichtbar gemacht werden soll. Gut 250 000 Euro wird die Stadt Gmünd dafür ausgeben. 

Wie eine Zeitreise 800 Jahre in die Vergangenheit ist es, wenn man mit Markus Schurr und der Denkmalschützerin Sandra Bosch die sieben zusammenhängenden Keller betritt. „Die Grundmauern sind alle aus staufischer Zeit“, sagt Bosch. Gebaut wie für die Ewigkeit; langlebig und hochwertig, wie man heute sagen würde. „Die Grundmauern sind hoffnungslos überdimensioniert, das sind zwei Meter dicke Außenwände“, sagt Bosch. Auch der Fußboden ist überaus solide: „Diese Quadersteine sind von hoher Qualität, die sind eins a behauen.“ 

Fast 10 Jahre lang hat die alten Keller niemand mehr betreten. Wozu soll eine Kleiderkette wie New Yorker historische Kellerräume nutzen? „Beim letzten Umbau 2014 hat man den Zugang mit einer Betonplatte zugemacht“, erzählt Schurr. „Solche Keller braucht kein Mensch mehr.“ Trotzdem will die Stadt die verborgenen Geschichtszeugen wieder zugänglich machen. „Es ist ein ganz toller Ort, den wir hier haben. Es lohnt sich, das wieder ins Bewusstsein zu setzen“, findet der Bauleiter. 

So außergewöhnlich wie das Objekt ist auch das Bauprojekt, das in dieser Woche startet - auch für Bauleiter Schurr, der sich sonst ums Gebäudemanagement der Stadt kümmert. Ohne zu investieren kann man die unterirdischen Räume nicht guten Gewissens für die Öffentlichkeit zugänglich machen. „Es geht darum, die Keller statisch zu ertüchtigen“, sagt Schurr. 

An einigen Stellen seien die Kellerwände „statisch überlastet“. Die ursprünglichen Erbauer haben alles perfekt gebaut – es waren die Eingriffe in späteren Jahrhunderten, die der Statik geschadet haben: Umbauten an den Häusern darüber, und ein Umbau der Keller, der 1877 passiert ist, als am Marktplatz das Gasthaus Bären gebaut wurde. Die Gastwirte konnten einen großen Lagerraum gut gebrauchen, also sind sechs aneinandergrenzende Keller durch Durchbrüche verbunden worden. Ein Statiker ist wohl nicht zu Rate gezogen worden. „Man sieht man den pragmatisch-brachialen Umgang der Nachfolger“, sagt Markus Schurr. 

Er steht vor einer rund zwei Meter breiten Wand an einem der Durchbrüche und zeigt auf Risse im Mauerwerk. Es ist eine der Stellen, an der die Bauarbeiten ansetzen müssen. „Hier wird jetzt wird ein neues Kapitel der Baugeschichte hinzugefügt“, sagt Schurr. Die belastete Wand bekommt zur Stabilisierung einen 20 Zentimeter starken Edelstahlmantel. 

Auch an anderer Stelle kommt Stahl zum Einsatz. Der am weitesten westlich gelegene Keller, neben dem Café La Scala gelegen, muss von oben einen Schutz bekommen. Der „Keller eins“, wie er im Bauplan heißt, dessen darüber stehendes Gebäude vor einigen Jahren abgerissen worden ist, wird derzeit durch eine Konstruktion aus Holzbalken gestützt. Damit künftig auf der entstandenen freien Fläche auch ein Feuerwehrfahrzeug fahren könnte, kommt eine drei Tonnen schwere Stahlplatte drüber. Die muss 40 Tonnen aushalten“, erzählt der Bauleiter. 

Wenn die Sanierung fertig ist, sollen die Keller durch Führungen zugänglich gemacht werden. Events wie etwa Weinproben im Keller wird es wohl keine geben. „Dafür fehlt ein zweiter Fluchtweg“, sagt Schurr. 

Die rissige Wand wird einen Edelstahlmantel bekommen.

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