Kommentar: Michael Länge über die Situation der Grundschule Hardt

Weil die Kinder und Familien hier Unterstützung brauchen

  • Weitere
    schließen
+
Die Grundschule Hardt fürchtet um ihre Zweizügigkeit, wenn ihr Schulbezirk verkleinert wird. Rektorin Bärbel Schlienz, die hier mit der 4. Klasse einen Tanz fürs Abschlussfest einübt, hofft auf Gmünds Gemeinderat, dass die Verkleinerung ein Jahr verschoben wird.
  • schließen

Die Rektorin der Grundschule Hardt, Bärbel Schlienz, erklärt im GT-Gespräch, weshalb die Zweizügigkeit an ihrer Schule so wichtig ist.

Schwäbisch Gmünd

Sie kommen aus Syrien, aus der Türkei, aus Deutschland, aus Russland, Griechenland, Eritrea oder aus dem Sudan: 117 Kinder besuchen zurzeit die Grundschule auf dem Hardt. Sie und ihre Schule sind in den vergangenen Wochen in den Blick der Öffentlichkeit geraten. Denn der Bettringer Ortschaftsrat will, dass der Schulbezirk für die Grundschule Hardt kleiner und der für die Bettringer Uhlandschule größer wird. Über diesen Antrag der Bettringer entscheidet der Gmünder Gemeinderat an diesem Mittwoch.

Die Diskussion über die beiden Schulbezirke dauert inzwischen 15 Monate an. Den Bettringern geht es um das Wir-Gefühl in ihrem Stadtteil. Die Grundschule Hardt fürchtet, dass sie mit der Verkleinerung ihres Schulbezirks die Zweizügigkeit verliert. Inzwischen gibt es einen Kompromiss. Die Schulbezirke sollen zum Schuljahr 2023/24 geändert werden. Dies soll der Grundschule ermöglichen, durch Familien, die in neue Wohnungen auf dem Hardt ziehen, weitere Schüler zu gewinnen.

Die Rektorin der Grundschule Hardt, Bärbel Schlienz, ist skeptisch, dass dies gelingt. Sie glaubt, dass diese Zeitspanne nicht ausreicht. Sie bat deshalb die Stadträte des Verwaltungsausschusses am Mittwoch um ein weiteres Jahr. Im Gespräch mit der Gmünder Tagespost erläuterte Schlienz dies. Ja, sagt die Rektorin, „wir sind eine Brennpunktschule“. Und: „Wir stehen dazu.“ Zurzeit hat die Schule sieben Klassen: zwei erste Klassen, zwei zweite Klassen, eine dritte Klasse und zwei vierte Klassen. Im kommenden Schuljahr wird sie voraussichtlich nur eine erste Klasse haben. Schlienz weiß also bereits, was es bedeutet, eine Klasse mit 26, 27 oder 28 Schülern zu haben. Anstatt in zwei Klassen mit je 15 oder 16 Schüler unterrichten zu können. Die Schüler der Grundschule kommen aus etwa 25 verschiedenen Ländern und Kulturen, beschreibt sie. Manche von ihnen können kein Wort Deutsch, wenn sie in die erste Klasse kommen. Dazu kommt: Schüler kommen und gehen, weil Familien den Stadtteil immer wieder verlassen, wenn sie zum Beispiel eine größere Wohnung gefunden haben. All dies, sagt Schlienz, erfordert große Flexibilität vom 17-köpfigen Lehrerkollegium. Die Lehrer gehen individuell auf die Kinder ein, arbeiten und besprechen sich auch mit den Eltern. „Das geht bei 15, 16 Kindern, nicht aber bei 28“, sagt Schlienz. Die Lehrer machen ihren Job trotzdem gerne. Auch sie selbst, sagt Schlienz, habe sich bewusst für diese Schule entschieden. Weil die „Kinder und Familien hier Unterstützung brauchen“. Weil sie so eine Chance haben, „Bildung zu erfahren“, die ihnen ihre Eltern nicht geben können. „Der Blick auf jedes einzelne Kind trägt diese Schule“, sagt deshalb Schlienz und bittet einmal mehr, mit der Schulbezirksänderung bis zum Schuljahr 2024/25 zu warten. Denn dann bestehe die Chance, dass die Schule mehr Kinder bekommt.

Der Blick auf jedes einzelne

Bärbel Schlienz, Rektorin der Grundschule Hardt

Diesen Kindern Chance geben

Ja, Bettringen-Nordwest war lange genug ein Stadtteil, den Bettringer und Gmünder nicht als Bettringen sahen. Wenn die Bettringer dies nun ändern wollen, nur zu! Ein feines Ansinnen! Dies aber ist nicht der einzige Grund, weshalb Eltern die Schulbezirke verändern wollen. Es gibt, BL-Stadträtin Brigitte Abele hat als einzige Stadträtin darauf hingewiesen, Eltern, die nicht wollen, dass ihre Kinder mit Migrantenkindern in die Schule gehen. Dies ist kein Bettringer Thema allein. Es ist auch ein Thema der Klösterleschule, der Rauchbeinschule, des Kindergartens St. Michael in der Weststadt, ... Wer es aber mit Integration ernst meint, muss gerade Kindern, die offen sind, unkompliziert, unvorbelastet, eine Chance geben, voneinander zu lernen. Liebe Bettringer, liebe Stadträtinnen, liebe Stadträte, geben Sie diesen Kindern eine Chance. Selbst wenn nicht ausgemacht ist, dass das eine Jahr hilft: Geben Sie ihnen dieses Jahr!

Zurück zur Übersicht: Stadt Schwäbisch Gmünd

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL