Weleda hat „gute Nachrichten“ für Gmünd

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So will die Weleda AG auf dem Gügling bauen: im Vordergrund das Verwaltungsgebäude, dahinter das Logistikzentrum, das über einen Mittelgang mit dem Hochregallager verbunden ist. Visualisierung: Michelgroup
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Weleda AG plant ein Logistikzentrum auf dem Gügling. Der Beschluss über den Bebauungsplan steht am Mittwoch an. Das sagen die Stadträte.

Schwäbisch Gmünd

Ein Logistikzentrum inmitten von viel Grün will die Weleda AG auf dem Gügling bauen. Unter anderem dafür will die Stadtverwaltung das Industriegebiet erweitern um den 166 000 Quadratmeter großen Bereich Gügling Nord IV. Weleda würde 40 Prozent davon kaufen – wenn der Gemeinderat den für das Bauprojekt nötigen Bebauungsplan beschließt, sagt Weleda-Sprecher Theo Stepp. Die Entscheidung dazu steht am Mittwoch, 5. Mai, an. Im Vorfeld haben die Stadträte des Bau- und Umweltausschusses darüber diskutiert.

Das plant Weleda: Die Weleda AG will in Gügling Nord IV ein Zentrum für Vertrieb, Versand und Logistik samt Verwaltungsgebäude bauen und dafür 68 000 Quadratmeter Fläche kaufen. Davon werden 10 150 Quadratmeter bebaut, inklusive Parkplätze, erläutert Karl-Heinz Türk, Infrastruktur-Bereichsleiter bei Weleda, den Stadträten im Ausschuss. Mit Visualisierungen des Architekturbüros Michelgroup zeigt er auf, dass die Gebäude mit Holz verkleidet sein sollen. Auf dem Dach für die Parkplätze ist eine Fotovoltaikanlage vorgesehen. Und die Bauten sind umgeben von Wiesen und Bäumen.

Das Vorhaben auf dem Gügling bedeute „eine große Aufwertung für den Standort“ Schwäbisch Gmünd, sagt Karl-Heinz Türk. Die Weleda AG möchte laut Stadtverwaltung auf dem Gügling rund 60 Millionen Euro investieren. Langfristig sei geplant, dort verschiedene Einheiten der Produktion zusammenzuführen, die derzeit noch in der Möhlerstraße sind, erläutert Theo Stepp. Wann die Zusammenlegung komme, sei noch offen. Die Stadtverwaltung sieht jedenfalls vor, Weleda weitere Erweiterungsflächen von rund 54 000 Quadratmeter einzuräumen, um den entstehenden Betrieb zu einem „Campus Weleda“ weiterzuentwickeln. „Diese Flächen sollen in einem fünften Bauabschnitt des Gewerbegebiets Gügling Nord realisiert werden“, heißt es in der Vorlage der Stadtverwaltung.

Das sagen die Stadträte dazu: CDU-Stadtrat Thomas Kaiser nennt die Pläne „gelungen“. Er habe allerdings „ein weinendes Auge“, weil mit der Erweiterung von Gügling Nord IV viel Produktionsfläche für die Landwirtschaft verloren gehe. „Doch unterm Strich sehen wir, dass die Natur gewinnt“, meint er. Bei Karl-Heinz Türk fragt er nach, was mit den jetzigen Liegenschaften für Logistik passiere und ob neue Arbeitsplätze auf dem Gügling entstehen oder bestehende verlagert werden. Die angemieteten Immobilien in Mögglingen und an der Möhlerstraße in Gmünd wolle Weleda zurückgeben, antwortet dieser. Und: Der erwartete Produktionszuwachs sei glücklicherweise eingetreten. Obgleich das Vorhaben zunächst eine Verlagerung der Arbeitsplätze bedeute, bringe es „einen Schub für den Standort Schwäbisch Gmünd“ mit aktuell rund 1000 Mitarbeitern, ergänzt Theo Stepp auf Nachfrage nach der Ausschusssitzung: „Die neuen Arbeitsplätze entstehen dadurch, dass die Verhältnisse für Wachstum gegeben sind.“

Die Pläne der Weleda AG seien eine gute Alternative für die sehr automobilgeprägte Wirtschaft in Gmünd, meint Grünen-Stadtrat Karl-Andreas Tickert. Es gehe tatsächlich viel Ackerfläche verloren. Doch er wäre froh, wenn auch andere Firmen so ökologisch und nachhaltig bauen würden wie Weleda. Für die Bettringer bedeute das Logistikzentrum eine weitere Verkehrsbelastung, meint er in seiner Funktion als Ortsvorsteher und fordert die Anbindung der Lise-Meitner-Straße auf dem Gügling an die Ortsumfahrung Bargau.

„Wir freuen uns, dass Weleda hier bleibt und sich vergrößert“, sagt SPD-Stadtrat Johannes Zengerle. Er fragt nach der Anbindung der Lise-Meitner-Straße an die Straße zwischen Zimmern und Bargau. Das sei „ein extra Thema“, antwortet Oberbürgermeister Richard Arnold.

„Wir wissen, was wir an Ihnen haben“, wendet sich Linke-Stadtrat Professor Dr. Andreas Benk an die Vertreter von Weleda. Der Aussage von Thomas Kaiser, „die Natur gewinnt“, wolle er allerdings widersprechen: „Es geht auch viel für die Natur verloren.“ Von Stadtplanungsamtsleiter Gerhard Hackner fordert er, den Stadträten das Ökokonto aufzuzeigen, mit dem die Stadtverwaltung auch für diese Bebauung Ausgleichsmaßnahmen für die Natur verrechnen muss. „Sie verweigern die Zukunft der Stadt Schwäbisch Gmünd“, entgegnet CDU-Stadtrat Christof Preiß dem Linken-Politiker. „Das habe ich so nicht verstanden“, sagt der OB dazu. Und Andreas Benk antwortet: „Das ist absurd. Es geht mir um die Zukunft.“ Der Einwand zeigte, wie schwer es sei, umzudenken.

Bürgerliste-Sprecher Ullrich Dombrowski nennt die Weleda-Pläne „eine sehr verantwortungsbewusste Form von Gewerbeentwicklung“. So könne sich Gmünd ein Stück weit von seiner Abhängigkeit von der Automobilindustrie lösen. Auch FDP/FW-Stadtrat Dr. Peter Vatheuer nennt es „eine gute Nachricht für Schwäbisch Gmünd“, dass sich Weleda nachhaltig zum Standort Gmünd bekenne. Solche Nachrichten habe die Stadt angesichts der angespannten Haushaltslage „bitter nötig“.

Der Appell des Oberbürgermeisters: Weleda sei ein wichtiger Partner, was das Thema „Klimaschutz vorleben“ betrifft, sagt der OB. Und: „Wir wollen zeigen, dass die Versöhnung von Ökonomie und Ökologie gelingt.“ Daher erhoffe er sich am 5. Mai „ein starkes Votum für Weleda und unseren Wirtschaftsraum.“ Denn dann steht der Beschluss über den Bebauungsplan für Gügling Nord IV auf der Tagesordnung des Gemeinderats. Für die restlichen Flächen dort haben Bosch AS und die Leicht Küchen AG Interesse angemeldet.

Die öffentliche Gemeinderatssitzung beginnt am Mittwoch, 5. Mai, um 16 Uhr im Peter-Parler-Saal des Congress-Centrums Stadtgarten.

Wir wollen zeigen, dass die Versöhnung von Ökonomie und Ökologie gelingt.“

Richard Arnold, Oberbürgermeister

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