Weltladen kommt gut durch die Krise

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Der Gmünder Weltladen steht für einen fairen Handel in der Welt. Stefanie Herrmann (links) und Daniela Merk (rechts) stehen hier zwischen Lebensmittel, Kunst und Getränken.
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Welche Spuren der Lockdown und die Pandemie bei Cordula Reichert und ihrem Team hinterlassen haben und wie sie die Herausforderungen gemeistert haben.

Schwäbisch Gmünd

Der Weltladen und der dazugehörige Verein „Aktion für Partnerschaft im Weltmarkt“ sind bereits seit über 40 Jahren ein fester Teil der Gmünder Innenstadt. Die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter setzen sich zusammen mit der Vorsitzenden des Vereins, Cordula Reichert, für einen fairen Handel in der Welt und vor allem in den Entwicklungsländern ein. Doch die Corona-Pandemie ist auch an ihnen nicht spurlos vorbeigegangen, auch wenn sie den Laden die meiste Zeit über öffnen durften.

Im ersten Lockdown im März 2020 musste der Verein den Laden für vier Wochen lang schließen. Danach durfte auch der „Weltladen“ mit Click&Collect das Geschäft weiterführen. „Da wir auch Lebensmittel wie Schokolade aus Afrika, Getreide und Gewürze im Sortiment haben, durften wir öffnen“, erklärt Cordula Reichert. Auch Kunsthandwerkliches konnte anschließend weiterhin verkauft werden. „Wir machen hier einen sogenannten Schaufensterverkauf“, sagt Reichert. Dies bedeutet: Die Kunsthandwerke aus der ganzen Welt stehen in den Schaufenstern, und alle Produkte haben eine eigene Nummer. „Diese können die Kunden auswählen, per Telefon oder Mail bestellen und anschließend bezahlen“, erklärt sie.

Das Miteinander fehlt

Für die Vorsitzende war und ist die momentane Situation eine große Herausforderung. „In der Zeit musste ich die meisten Schichten im Laden selber übernehmen“ sagt Reichert. Das lag vor allem daran, dass „ein hoher Prozentsatz der Mitarbeiter ein hohes Alter hat“. Es sei deshalb verständlich, dass einige von ihnen die Arbeit aufgegeben haben, da sie für sie zu riskant sei. So sind von den 25 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tatsächlich nur noch 15 übrig. Das war nicht nur für Reichert schwierig, sondern auch für die Ehrenamtlichen selbst. „Manche waren über 30 Jahre lang dabei“, erklärt sie. Sie dagegen hat mit ihren 69 Jahren nicht allzu viel Angst. „Ich habe jetzt auch schon meine zweite Impfung bekommen.“

Sie sei erfreut über das große Hilfsangebot, vor allem bei den jungen Leuten. „Es war ein Geschenk des Himmels“, sagt sie. „Zuerst kam eine FSJlerin und hat mir ein halbes Jahr lang geholfen.“ Wenig später kamen noch zwei Studenten von der Hochschule für Gestaltung aus Schwäbisch Gmünd dazu und haben sich ebenfalls schnell eingearbeitet. „Sie übernahmen dann die Kasse“, erzählt die Vereinsvorsitzende.

Die Sozialen Medien sind auch für den Weltladen wichtig. „Zwei junge Leute haben es sich zur Aufgabe gemacht, einen Kanal auf Instagram zu erstellen“, sagt sie. Jetzt seien sie aber wieder mitten im Studium, und sie sei gespannt, wie das weitergehe. Neben dem sonst so regen Kontakt zu den Kunden gibt es vieles, was Cordula Reichert immer mehr vermisst. Auch intern. „Wir haben einmal im Monat eine Teamsitzung gehalten und über Aktuelles gesprochen“, sagt sie. Das ist momentan nicht möglich. Wenn sie etwas besprechen müssen, dann machen sie das meistens mit einer Videokonferenz.

Spenden sind ein Segen

„Wir können sagen, dass wir bislang ganz gut durch die Krise gekommen sind“, sagt Reichert. Durch die fortlaufenden Einnahmen und Spenden musste der Weltladen keinerlei Hilfen in Anspruch nehmen, weder vom Staat noch von der Stadt Schwäbisch Gmünd. Erst kürzlich hat die Firma Weleda 1000 Gutscheine für die Mitarbeiter bestellt, und auch die Kirche hat 450 Gutscheine bestellt. „Das war wirklich ein Segen für uns.“ Cordula Reichert konnte dadurch selber etwas zurückgeben. „Wir haben die Mehrwertsteuersenkung auf Zustimmung nicht den Kunden ausgezahlt, sondern haben dieses Geld den Lieferanten und in die Dritte Welt gespendet“, erklärt sie. Da sei eine Summe von 12 500 Euro zusammengekommen.

Abschließend sagt sie, dass es trotzdem schwierig sei, in diesen Zeiten auf Distanz zu gehen. Entscheidungen direkt zu klären oder Waren zu verkaufen, sei dann doch einfacher, wenn es persönlich ist. „Doch ich bin mir sicher, dass hier jeder im Team weiterhin das tut, was er kann“, sagt sie. Ansonsten sei sie sehr zufrieden damit, wie es im Moment vorangeht. „Andere Vereine und Läden haben es wirklich viel schwerer.“

Ich bin mir sicher, dass hier jeder im Team das tut, was er kann.“

Cordula Reichert,, Geschäftsführerin

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