Zengerle nimmt den Bauhelm

"Es gab wunderbare Tage, kuriose und solche, an denen Probleme aufgetreten sind, die unüberwindbar schienen", sagt Johannes Zengerle an seinem letzten Tag als Bauleiter des Einhorn-Tunnels. "Der Tunnel wird aber auch ohne mich fertig", scherzt der Ruheständler in spe, der glücklich darüber ist, ein Teil eines so gigantischen Projekts gewesen zu sein.

Zum Abschied gab's eine Feier für Kollegen und alte Weggefährten, und auch Regierungspräsident Johannes Schmalzl verabschiedete die "Institution Zengerle".

Fast 30 Jahre hat ihn der Gmünder Tunnelbau beschäftigt. 1980 war er bei den ersten Bohrungen dabei, er war an den Ausschreibungen beteiligt und war dabei, als die Detailplanungen begannen. Johannes Zengerle und der Gmünder Einhorn-Tunnel haben eine lange gemeinsame Geschichte. An seinem letzten Arbeitstag auf der Baustelle steht er in der Sonne und ist glücklich: "Es geht mir wunderbar. Wenn ich sehe, wie hier alles gedeiht und wächst – das ist ein erhebendes Gefühl." Er lächelt herzlich. In seinem Blick ist keine Wehmut zu erkennen. Der 65-Jährige sorgt sich auch nicht um die Fertigstellung des Tunnels, denn "dieses Team ist einmalig", sagt Zengerle, der in seiner bescheidenen Art immer wieder betont, dass das Großprojekt nicht ohne viele helle Köpfe und fleißige Hände funktionieren würde. An seinem letzten Tag erinnert sich Johannes Zengerle an schöne Tage auf der Baustelle: "Die Teamarbeit, den Spaß, den wir gemeinsam hatten, und die Tunnelführungen." Die sind ihm besonders im Gedächtnis geblieben, denn jede Führung war anders – und jedes Mal wieder eine spannende Erfahrung. Wenn dann die Teilnehmer um einiges Wissen reicher und meist auch begeistert von der Baustelle gingen, sei das ein schönes Gefühl für ihn gewesen. "Wir wollten die Menschen von Anfang an mitnehmen und sie immer auf den neuesten Stand der Arbeiten bringen." Dass das so gut ankommt, damit hätte auch Johannes Zengerle nicht gerechnet. Rund 700 Führungen gab es bisher. Und auch wenn Zengerle nicht alle Führungen durch die gigantische Baumaßnahme selbst führte, hat er seinen heutigen Bekanntheitsgrad mitunter ihnen zu verdanken. Auch kuriose Geschichten hat Johannes Zengerle als Bauleiter erlebt. Etwa die Episode rund um den Tunnelnamen. "Wir wollten, dass die Bürger ihre Ideen einbringen können", sagt er heute. Dass diese Aufforderung derartige Auswirkungen haben könnte, damit habe er nie gerechnet. Auch schwierige Zeiten hat es in den vergangenen Jahren gegeben. "Etwa die Diskussion um den Tunnelfilter oder technische Probleme, die auf der Baustelle aufgetreten sind und die im ersten Moment unüberwindbar erschienen", erinnert sich Zengerle. Doch jedes Mal habe das Team gemeinsam Lösungen gesucht – und gefunden.

An seinem letzten Tag auf der Tunnelbaustelle will Johannes Zengerle vor allem von seinen Kollegen Abschied nehmen und hat im alten Hallenbad beim Baubüro ein Abschiedsfest organisiert. Auch Regierungspräsident Johannes Schmalzl vom Regierungsbezirk Stuttgart war eingeladen und hatte neben Geschenken auch viel Lob für ihn übrig: "Mit Ihnen, Herr Zengerle, geht eine Institution aus dem Geschäft." Nur ungern verliere die Kollegenschaft und auch das Regierungspräsidium den Mann, der dafür gesorgt habe, dass die Tunnelbaustelle zur "transparenten Baustelle" wurde. Doch nicht nur dort lägen Zengerles Stärken: "Ihre besonnene Art, ihr Fachwissen und ihr Einsatz für Kollegen, zeichnen sie aus." Für den kommenden Ruhestand wünschte der Regierungspräsident Gesundheit und bot Zengerles Ehefrau scherzhaft einen Integrationshelfer an, für den Fall, dass die Pension ihrem Ehemann nicht schmecken könnte. Doch die macht sich darüber keine Sorgen, denn die Ehepartner hätten bereits Reisepläne, verrät sie. Aber auch, wenn es Zengerle erst mal in die Ferne zieht, ganz fremd wird er auf der Baustelle nicht werden. "Ich werde meine Tochter, die in die Bauleitung nachrückt, besuchen und schauen, ob alles nach Plan läuft." Denn der Ruheständler hat einen Wunsch: "Dass der Tunnel im Spätsommer eröffnet wird."

nicole Kiemel

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