Unruhe bei Nanogate

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Mit roten Regenschirmen gegen die Kündigung des Haustarifvertrags: gewerkschaftliche Aktion bei Nanogate in Schwäbisch Gmünd.
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Nach der Übernahme durch einen US-Konzern hat Nanogate in Schwäbisch Gmünd den Haustarifvertrag mit der IG Metall gekündigt. Die Gewerkschaft protestiert.

Schwäbisch Gmünd

Mit einer sogenannten „aktiven Mittagspause“ haben die Beschäftigten von Nanogate am Standort in Schwäbisch Gmünd gegen die Kündigung des Haustarifvertrags durch das Unternehmen protestiert. „Mit dieser Aktion erreichen wir alle Beschäftigten der Früh- und Spätschicht“, erklärt Peter Hofer von der IG Metall die Kundgebung vor der Nanogate-Fabrik im Gmünder Gewerbe- und Industriegebiet Gügling.

Laut der Gewerkschaft hat das Unternehmen den bestehenden Haustarifvertrag zum 30. September gekündigt. Wie Hofer erklärt, will Nanogate am Standort unter anderem die 40-Stunden-Woche einführen, zudem sollen die Beschäftigten auf 5 Tage Urlaub im Jahr verzichten. „Es ist eine sehr ernste Situation“, sagt Hofer.

Das Unternehmen, in Gmünd besser bekannt unter dem einstigen Namen Gesellschaft für Oberflächentechnik, GfO, gehörte bis vor wenigen Monaten zum Nanogate-Konzern aus dem Saarland. Dieser hatte, nachdem die Verhandlungen mit den betreffenden Banken über ein neues Finanzierungskonzept gescheitert waren, ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Betroffen von der Insolvenz waren die Muttergesellschaft Nanogate SE sowie diverse Tochterfirmen, die GmbH in Schwäbisch Gmünd jedoch nicht.

Nach einer Sanierung fand sich ein Käufer für das Kerngeschäft von Nanogate. Der US-amerikanische Konzern Techniplas hat dieses, inklusive des Standorts in Schwäbisch Gmünd, zum 1. Juli übernommen. Der Kaufpreis liegt laut diversen Medienberichten im mittleren zweistelligen Millionenbereich. Von der Übernahme sind 1600 Arbeitsplätze betroffen, 150 davon in Schwäbisch Gmünd.

Offenbar um Kosten zu sparen, hat nun das Unternehmen die bestehenden Verträge mit der IG Metall gekündigt. Laut der Gewerkschaft will Nanogate dadurch pro Jahr knapp eine Million Euro am Standort einsparen. Der Grund: „Das Unternehmen befindet sich in einer wirtschaftlichen Schieflage“, erklärt Hofer. Als Ursache führt der Gewerkschafter unter anderem den Strukturwandel in der Automobilindustrie an. Nanogate beschichtet für die Autohersteller Komponenten, sowohl für den Innen- wie den Außenbereich. Zwar ist man deshalb vom Ende des Verbrennermotors nicht unmittelbar betroffen. „Dennoch ist die Lage schwierig“, sagt Hofer. Das Unternehmen selbst war bis Redaktionsschluss nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Dass die IG Metall derzeit nicht zu Kompromissen bereit ist, begründet Hofer ebenfalls mit der wirtschaftlichen Situation des Unternehmens. Einsparungen würden Nanogate nicht nachhaltig helfen, die Beschäftigten einseitig belastet, ohne die Aussicht auf Besserung zu haben. Stattdessen müsse die Firma ihr Geschäftsmodell auf den Prüfstand stellen und sich strategisch – auch mit Hilfe der neuen US-Mutterfirma – neu aufstellen, fordert Hofer.

Mit der aktiven Mittagspause will die IG Metall nicht nur gegen die Pläne protestieren, sondern auch die Belegschaft informieren, wie Hofer erklärt. „Nach dem 1. Oktober haben nur Gewerkschaftsmitglieder Anspruch das zuvor vereinbarte Entgelt“, so Hofer. Der Organisationsgrad der IG Metall in dem Betrieb sei aber bereits recht hoch. Der Gewerkschafter wirft der Geschäftsführung zudem vor, die Informationsarbeit des Betriebsrats zu behindern. Man wolle mit der Kundgebung vor der Fabrik die Belegschaft deshalb über die rechtlichen Folgen der Kündigung, sowie über die aktuelle Situation bei Nanogate informieren.

Es ist eine sehr ernste Situation."

Peter Hofer, Gewerkschaftssekretär IG Metall

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