Ausgleichsringe gegen „Mähunfälle“

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Gartenbauverein Eschach
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Wie der Obst- und Gartenbauverein Eschach mit Kreativität und einem guten Miteinander für eine nachhaltige Entwicklung auf der von ihm betreuten Streuobstwiese sorgt.

Eschach

Nicht ärgern, lieber überlegen, hat sich Harald Wahl als Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins gesagt, als immer dann des Guten zuviel geschah, wenn weniger erfahrene Mitglieder hilfsbereit mit dem Balkenmäher unterwegs waren. Schwupp hatten die scharfen Messer dabei auch mal dem ein- oder zweijährigen Trieb einer liebevoll gehegten Staude den Garaus gemacht. Oder auch einem wertvollen Kräutlein den Kopf abgeschnitten.

Was Harald Wahls Fantasie ebenfalls beflügelt hat: Der Wildblumenstreifen, den die Gemeinde auf der Streuobstwiese angelegt hatte, nachdem die Abwasserleitungen in Richtung Regenüberlauf mit Erde zugedeckt waren. „Im ersten Jahr war das eine wahre Blütenpracht. Im zweiten Jahr war es deutlich weniger. Und im dritten wächst quasi nichts mehr“, beschreibt OGV-Vorstandsmitglied Monika Woinke-Berroth, während ihr Vorstandskollege Dr. Werner Neunzig eine dicke Ampferwurzel hochhält, die er gerade aus besagter Pflanzfläche gezogen hat. „Neben derart kraftvollem Unkraut hat keine Wildpflanze eine Chance“, stellt er nüchtern fest.

Ausgleichsringe sollen Mähunfälle verhindern.

Beides, die „Mähunfälle“ und die kurze Lebensdauer der Wildblumenwiese, haben die Kreativität des Eschacher OGV-Teams beflügelt. Eine Lösung musste her – auch um des friedlichen Miteinanders im Verein Willen. Im Baustoffhandel hat man so genannte Ausgleichsringe entdeckt, wie sie zum Beispiel um Kanalisationsschächte verlegt werden. Rund 60 Zentimeter beträgt der Innendurchmesser, rund sechs Zentimeter hoch ist der Betonrand, etwa sechs Kilogramm Eigengewicht hat der Ring. Diese haben die Eschacher jetzt in unregelmäßigen Abständen auf dem „Kanalisationsstreifen“ in ihrer Streuobstwiese verteilt und annähernd bündig in die Grasnarbe eingepasst. Jeder der Ringe wird dann in seinem Innern mit Pflanzerde befüllt und kann, ganz nach Belieben, von einem der Mitglieder bepflanzt und gepflegt werden. „Auf diese Weise gelingt es uns, dauerhaft wertvolle Blüten in unserer Streuobstwiese anzusiedeln“, erzählt Harald Wahl, während seine Margret schlichte Stöcke geschickt mit hübschen Schildern garniert, auf dass jeder sofort erkennen kann, was in den einzelnen Ringen in absehbarer Zeit wachsen wird: Lavendel zum Beispiel oder Feld-Thymian, kleinwüchsiger Schmetterlingsflieder, Salbei oder Kuhschellen. Alles, was den Bienenvölkern in der Streuobstwiese wertvolle Nahrung bieten kann. Und ganz sicher geschützt vor jedem Balkenmäher. Noch praktischer wäre es gewesen, man hätte rechteckige „Ringe“, weil sich daran besser entlangmähen ließe, räumt Harald Wahl ein. Aber die hätte man extra herstellen lassen müssen und das wäre dann zu kostspielig geworden. Deshalb habe man pragmatisch entschieden: Rund funktioniert auch.

30 Hochstämme – viele Sorten

So aber sind alle hoch motiviert an diesem Mittwoch in der idyllischen Anlage. 30 Hochstämme – zum Teil 25 bis 30 Jahre alt – wachsen hier in einer guten Mischung aus alten, erhaltenswerten Obstsorten und modernen wie Topas, Rubinola oder Pilot, die heute gerne gegessen werden. Gerade das sei wichtig, findet Harald Wahl, dass jeder Einsatz auch einen Zweck hat. Denn das garantiere Nachhaltigkeit.

Genau mit diesem Ziel werden der Vorstand und die aktiven der rund 180 Mitglieder überlegen, wie sie den neuen Regenüberlauf in die von ihnen betreute Streuobstwiese einbinden. Mit der Lage des Trockenbeckens habe man einen guten Kompromiss gefunden, findet der Vorsitzende und ist besonders glücklich darüber, dass ein stattlicher Zwetschgenbaum vor der Säge bewahrt werden konnte. Jetzt sei wieder Kreativität gefragt, um der Natur an dieser Stelle etwas zurückzugeben. In bewährter Manier werde der Obst- und Gartenbauverein hier alle Gedanken zusammentragen und am Ende ein Konzept umsetzen, das wieder durch seinen Nutzwert besticht.

Mit Ausgleichsringen legen die Mitglieder des Obst- und Gartenbauvereins einen nachhaltigen, gegen Unkraut resistenten Blühstreifen auf der vom Verein betreuten Streuobstwiese an. Foto: aks

Im dritten Jahr ist quasi nichts mehr Wertvolles gewachsen.“

Monika Woinke-Berroth

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