Der „Lisel ihr Lädle“ gehört jetzt zum Jubiläumspfad

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Ortshistoriker Erich Pommerenke, Bürgermeister Johannes Schurr und Gemeinderätin Sarah Heide an der neuen Tafel im Ölgarten 16, direkt vor dem Haus, in dem Elisa Wahl ihren Dorfladen führte.
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Welche Tür in die Vergangenheit die zweite Tafel des Geschichtsprojekts öffnet.

Spraitbach. Die 7 und die 25, die können sich die Bürgerinnen und Bürger ab sofort in ihren Kalendern rot markieren. Denn an jedem 7. und an jedem 25. Tag der folgenden Monate wird der Jubiläums-Geschichtspfad zum 725-jährigen Bestehen des Orts um eine Station erweitert. Je nach Pandemielage fallen diese Eröffnungstermine allerdings mal kleiner und mal größer aus. „Vielleicht können wir ja auch bald Festle feiern“, hofft Bürgermeister Johannes Schurr.

Ein Festle wert wären die Inhalte der jeweiligen Schautafeln allemal. Die Nummer zwei, an diesem Montag offiziell übergeben, verleitet den Schultes sogar zum Geschichtenerzählen und Philosophieren: „Das erinnert mich so sehr an meine Jugend. Wie ich 50 Pfennige von der Tante meines Vaters bekam und damit zum ersten Mal in den Wirtschaftskreislauf eingegriffen habe“, beschreibt er lachend. Weiße Schaumstoffmäuse und saure Zungen waren damals der Renner bei den Kids. Und die Süßigkeiten gab es noch direkt in die Hand - ohne aufwendige Verpackung.

Genau so sei das bei Elise Wahl gewesen, bestätigen Sarah Heide und Erich Pommerenke, die als Abordnung des Gemeinderats bei der kleinen Zeremonie im Gewitterregen dabei sind. Beide haben auch sie in diesem, mit 3,30 auf 2,54 Meter kleinsten Dorfladen im Ostalbkreis als Kinder eingekauft. Heute, in Zeiten, in denen einem nicht mal mehr die Einkaufszentren außergewöhnlich groß vorkämen, kaum mehr vorstellbar.

„Man hat alles gekriegt, was man gebraucht hat“, versichert Johannes Schurr und überlegt: „Was hat sich bei uns geändert, dass wir heute so große Läden brauchen? Was kann man daraus für die Gesellschaft ableiten?“ Wenn die Menschen, die auf dem Spraitbacher Geschichtspfad wandern, über solche Fragen nachdenken - „das würde mich freuen“, sagt der Bürgermeister. Und dankt zugleich allen, die beim Zusammentragen der Fakten geholfen haben: Jeder, der bis Mitte der 1990er-Jahre geboren und in Vorderlintal aufgewachsen ist, kannte der „Lisel ihr Lädle“. Die Betreiberin selbst stammte ursprünglich aus der Hirschmühle. Bis zum 31. Dezember 1999 war Elisa Wahl quasi rund um die Uhr für ihre Kunden da. „Das war kein Job. Die Leute mit dem Notwendigen zu versorgen, das war ihr Leben“, erzählt Sarah Heide - aber auch, dass die Menschen in Vorderlintal vor dieser Einstellung und Lebensleistung so viel Respekt hatten, dass niemand unnötig spätabends oder nachts bei Elisa Wahl geläutet hätte.

Auf kleinstem Raum gab es in diesem Vollsortimenter alles - Haushaltswaren, frisches Brot oder Brezeln, Wurst und Fleisch, angeliefert von der Metzgerei Hirth aus Gschwend. Das Bild auf der Infotafel, deren Text Doris Kurz geschrieben hat, zeigt Elisa Wahl mit hohem Besuch: Landrat Klaus Pavel, der damalige Bürgermeister Rolf Siebert und der Ostalb-Wirtschaftsbeauftragte Rainer Fünfgelder sind darauf zu sehen. Anke Schwörer-Haag

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