Wo in Durlangen ein Schatzkästlein entsteht

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Durlangen Heimatsverein
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Wie die Arbeitsgemeinschaft Heimat eine ehemalige Lagerhalle zu einem Dorfmuseum umgestaltet und was es mittlerweile alles aus Durlangens Vergangenheit zu sehen gibt.

Durlangen

Von außen ist es ein schlichter Zettel an der Glastür. AG Heimat steht da, in großen Druckbuchstaben. Mehr deutet nicht darauf hin, dass sich der Anbau an der Raiffeisenbank in der Schillerstraße vom Warenlager zum Schatzkästlein gemausert hat. Die Arbeitsgemeinschaft Heimat, ein loser Zusammenschluss von Durlangern mit Gefühl für die Bedeutung der Ortsgeschichte, hat hier Erhaltens- und Wissenswertes zusammengetragen und mit viel Liebe zum Detail aufgebaut. Und will das weiterhin tun.

Was es inzwischen zu sehen gibt im noch nicht so genannten, aber sich entwickelnden Dorfmuseum? „Die alte Amtsglocke zum Beispiel“, antwortet Egon Müller lachend auf diese Frage und schüttelt kräftig das bronzene Gerät, mit dem der Amtsbote noch bis 1966 unter anderem Wasserrohrbrüche, Notschlachtungen oder andere Notfälle im Ort ausgeschellt hat. Da wussten dann alle Durlanger sofort Bescheid und konnten helfend mit anpacken. Im Empfangsraum der ehemaligen Lagerhalle steht diese Glocke auf einem kleinen Holzpodest. Das hat Bernhard Hägele angefertigt, ebenso wie alle anderen Einrichtungselemente in den Ausstellungsräumen, erzählt Egon Müller bewundernd. Denn sein Mitstreiter hat die 80 Jahre längst überschritten und leistet mit seiner Schreinerkunst noch immer unersetzliche Dienste für die lebendige Erinnerung an längst vergangene Durlanger Zeiten. Deshalb gibt es im werdenden Dorfmuseum zum Beispiel eine originelle Darstellung aller Hausnamen in Durlangen, Tanau und Zimmerbach. Und auch prächtige Modelle der Durlanger Kapelle, die 1956 schließlich der Antoniuskirche weichen musste, oder der 1771 erbauten Durlanger Mühle, die in den 1930er- bis 1950er-Jahren als Gaststätte ein beliebtes Ausflugsziel war und 1965 dem Täferroter Rückhaltebecken weichen musste.

Wer als Durlanger die Schwelle des ehemaligen Lagerhauses überschritten hat, kann Stunden verbringen mit dem Betrachten der Fotos von historischen Bauten, die oft auch das Dorfleben widerspiegeln - aber auch Handwerksgeschichte mit den Personen und Familien im Ort verknüpfen. Die begeisterten Macher der AG Heimat sind aber bei der Gestaltung so geschickt vorgegangen, dass auch Nicht-Einheimische viel Wissens- und Bestaunenswertes entdecken können. So gibt es im Untergeschoss quasi kleine Werkstätten. Sie zeigen die Gerätschaften, mit denen Schuster, Schlosser, Schreiner, Küfer oder Zimmerleute in der Gemeinde einst ihr Handwerk ausgeübt haben. Auch eine Abteilung Landwirtschaft gibt es, für die besonders Hans Schuster seinen Sachverstand eingebracht habe, erzählt Egon Müller und zeigt stolz ein komplettes „Soichfass„ mit Pumpe - „alles voll funktionsfähig“ - mit dem im Ort früher die Güllegruben geleert wurden.

Der obere Stock der ehemaligen Lagerhalle sei dagegen eher die „Damenabteilung“, scherzt Egon Müller augenzwinkernd. Hier gibt es eine Küche, ein Wohn-, ein Schlaf- und ein Kinderzimmer. Es gibt aber auch Einrichtungsgegenstände des Schneider-Ateliers, das Edmund Hieber lange im Ort betrieben hat. Und es gibt das Reich von Alfons Miller: Ein komplett bestückter Salon, in dem der Friseurmeister sofort wieder arbeiten könnte. Der aber auch ganz plastisch vor Augen führt, warum der Volksmund wusste: Wer schön sein will, muss leiden.

Zwischen Dach und Keller hat die AG Heimat schließlich einen kompletten Raum den Durlanger Floriansjüngern gewidmet. Alte Feuerspritzen - auch jene Handgeräte, die in Kriegsjahren jeder zu Hause vorhalten musste - dazu Uniformen und weitere technische Gerätschaften, aber auch Bilder von spektakulären Einsätzen schmücken den Raum, geben Einblick in die Geschichte.

Diese weiter zu vertiefen, bleibe das Ziel der AG Heimat, sagt Egon Müller. Unermüdlich ist er auf der Suche nach Exponaten, die in den Räumen, die die Gemeinde dankenswerterweise zu Verfügung stelle, der Nachwelt präsentiert werden können.

„Die Amtsglocke wurde bis 1966 ausgeschellt.“

Egon Müller,, AG Heimat
  • Verstärkung gesucht - Führungen möglich
  • Die AG Heimat - das ist ein harter Kern von acht Männern, die zwischen 65 und 83 Jahre alt sind, bietet noch keine festen Öffnungszeiten an. Ziel wäre, einmal im Monat das „Dorfmuseum“ zu öffnen. Doch auch dafür braucht es Verstärkung - männlich und gerne auch weiblich, sagen die Macher. Für Gruppen, Vereine, Schulen oder Kindergärten können Termine für Führungen vereinbart werden. Kontakt: (07176) 6487, Egon Müller.

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