Ein echter Schaffer feiert 90. Geburtstag

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Auch im stolzen Alter von 90 Jahren ist Willy Weigle noch immer voller Schaffensdrang.

Willy Weigle passionierter Möbelschreiner und langjähriger Gemeinderat.

Ruppertshofen.Wer ihm zuhört, kommt leicht ins Staunen. Denn er hat sooo viel zu erzählen. Kein Wunder, 90 Lebensjahre sind ja auch kein Pappenstiel. Die Rede ist von Willy Weigle, der am 22. April heute vor 90 Jahren als Ruppertshofener Bub das Licht der Welt erblickte. Er wuchs mit drei Geschwistern am Katzenberg 47 auf. Heute umbenannt in Gmünder Straße 12. Als Sohn von Karl Weigle, der 1930 seinen eigenen Möbel- und Bauschreinereibetrieb gründete. So ist klar, dass das Wort Arbeit für Willy nie ein Fremdwort war. Nach seiner Mittleren Reife an der Handelsschule in Schwäbisch Gmünd lernte er von 1948 bis 1950 in einer Stuttgarter Schreinerei das Handwerk bei der Firma Junker. Und hatte damals ein Ziel: In der Schweiz arbeiten.

Doch dazu kam es nicht. Denn auf Wunsch des Vaters trat er ins elterliche Unternehmen ein. Manche Anekdote hält das heutige Geburtstagskind bereit. Etwa, wie er einst mit Vater Karl auf dem Motorrad nach Stuttgart fuhr, um Furnier abzuholen. Die Rückfahrt war unbequem, hatte man doch damals auf der alten B 29 ein gerolltes Furnier auf dem Tank liegen und eins auf den Rücken geschnallt. „Das könnte man heute auch nicht mehr machen“, meint der Jubilar und grinst verschmitzt.

1962 heiratete Willy seine Brunhilde, geborene Ammon. Tochter Marieluise und Sohn Martin entstammen ihrer Liebe. Mittlerweile gibt’s auch zwei Enkeltöchter, Simone und Julia.

Willy Weigle übernahm die Möbel- und Bauschreinerei des Vaters. Ans elterliche Haus wurde angebaut und auf zwei Ebenen produziert und gearbeitet. Ohne Aufzug, was immer beschwerlicher wurde. So kam schließlich der Umzug in einen Neubau in der Industriestraße 5.

Diesen Betrieb übernahm 1998 Sohn Martin, der 2002 eine weitere Halle andockte. Noch im stolzen Alter von 80 Jahren fuhr Willy Weigle mit dem Lastwagen Möbel aus, war bis 2015 im Betrieb. „Ich war 65 Jahre Schreiner“, sagt er stolz und deutet auf seinen „Diamantenen Meisterbrief“, den er 2018 erhielt. Seitdem hängt das wertvolle Dokument im Büro. Wichtig war ihm ebenso wie heute seinem Sohn Martin, dass im Betrieb jungen Menschen das Schreinerhandwerk nahegebracht wird. Mindestens 75 Auszubildende absolvierten ihre Lehrjahre bei der Möbel- und Bauschreinerei Weigle. Viele prämierte Gesellstücke zeugen von der hervorragenden Ausbildung.

Und dann gibt es da noch die andere Seite von Willy Weigle. Die, des waschechten Ruppertshofeners. Herausragendes Zeugnis legen davon die 21 Jahre Gemeinderatstätigkeit ab, lange Jahre war er zugleich Stellvertreter des Bürgermeisters. Baugebiete, der Bau der Kläranlage und gewerbliche Ansiedlungen prägten seine ehrenamtlichen Jahre zum Wohl der Gemeinde. Auch bei der Schulreform und dem Kampf um den Erhalt der örtlichen Grundschule war er als Gemeinderat mittendrin. Ebenso wie bei der Gemeindereform, als der Verwaltungsverband Schwäbischer Wald gegründet wurde. Danach war er Gemeindevertreter in Verbandsausschüssen. Etwa im Realschulausschuss. Zudem liegen ihm die Vereine am Herzen. Bei manchen ist er Ehrenmitglied. Etwa im TSV, den er 1949 mitgegründet hatte.

Heute widmet sich Willy Weigle hauptsächlich seinem Hobby, dem Drechseln. Wovon viele profitieren. Auch die evangelische Kirche, in der von ihm gedrechselte Kerzenständer stehen. Bis zum Ausbruch der Pandemie gab es regelmäßige Drechsel-Treffen von 14 „bunt zusammengewürfelten Personen“. Willy Weigle ist gespannt, wie es nach Corona mit der Drechselgruppe weitergeht. Er will auf jeden Fall weiter aktiv mit dabei sein. Anja Jantschik

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