Heftiges Ringen um regionalen Raum

+
Flug über Eschach. Im Vordergrund das neue Baugebiet Tann II.
  • schließen

Nach dem Unmut in der Oktobersitzung erläutert Regionalverbandsdirektor Thomas Eble den Regionalplan bis 2035 dem Eschacher Gremium. Wo die Gemeinderäte nachhaken.

Eschach

Perspektivflächen Wohnen: 0,0 Hektar“. Wie ein rotes Tuch steht dieses Ergebnis am Ende des komplizierten Bewertungsverfahrens, das Thomas Eble dem aufmerksam lauschenden Gemeinderat samt etlichen Zuhörern erklärt. Und bei den Gewerbeflächen sieht es nicht anders aus. Die Fortschreibung des Regionalplans 2035 hatte deshalb schon in der jüngsten Sitzung für heftige Reaktionen gesorgt. Die ausführliche Stellungnahme, die Bürgermeister Jochen König anschließend verfasst und an den Regionalverband geschickt hatte, war verbunden mit der Bitte, der Direktor möge diese Einschätzung doch bitte selbst erläutern.

Also ist Thomas Eble an diesem Abend in Eschach und gibt Auskunft über Datenbänke, Zahlenkolonnen und Diagramme, die eine Gemeinde aufgrund des Bestands klassifizieren; er zeigt regionale Entwicklungsachsen, denen im Planungsrecht quasi der entsprechende Vorrang eingeräumt ist - und die weit entfernt von Eschach entlang der großen Bundesstraßen verlaufen. Und Eble verweist darauf, dass die Innenentwicklung deutlich mehr Sympathie genießt als die Außenentwicklung.

Dabei sichert der Regionalverbandsdirektor den Eschachern zu, dass die Planungsgrundlagen aktualisiert werden. Denn Bürgermeister Jochen König hatte in seiner Stellungnahme auf einige Unschärfen hingewiesen. Was ganz konkret bedeutet, dass Wohngebiete wie Tann und Hinter den Gärten, die als schnell zu bebauende Abrundungen über den Sonderparagrafen 13b des Baugesetzbuchs ausgewiesen wurden, noch in die Regionalplanung eingearbeitet werden. Ebenso Tauschflächen wie etwa von der Rochade bei der Ausweisung des Gewerbegebiets Gassenäcker, wofür im Süden der Froschlache ein Grundstück zurückgegeben wurde. Auch die inzwischen geschlossenen Baulücken im Gewerbegebiet Froschlache und der Lindenstraße werden in die Planung aufgenommen. Ebenso werden die noch als Lücken geführten Wohnbauflächen in der Adlerstraße, im Kirchbergweg, in der Holzhausener Straße sowie der Grauwiesen-/Hurdstraße dann als geschlossen aufgeführt.

„Wie soll Eschach 2035 aussehen“, will Marcus Krieg vom Regionalverbandsdirektor wissen, der in seinem Vortrag mit keinerlei Zugeständnissen auf den Unmut reagiert hatte. „Das ist ihre Sache“, antwortet Thomas Eble. Ziel der Regionalplanung sei, dass Eschach sich aus der Gemeinde heraus harmonisch entwickle. Dafür setze man einen vernünftigen Rahmen.

Auf den Hinweis von Jürgen Bleicher, die meisten unbebauten Innenflächen befänden sich in Privathand und schon deshalb müssten die Vorgaben komplett überarbeitet werden, stellt der Regionalverbandsdirektor klar: „Die Planung wird nicht komplett überarbeitet. Wir geben keinen Plan vor, wir gewährleisten eine organische Entwicklung in einer Gesellschaft, in der es seit 40 Jahren mehr Todesfälle als Geburten gibt und die von der Zuwanderung lebt.“

„Wie können wir gegensteuern“, will Michael Held wissen. Man solle nicht nachlassen, private Besitzer anzusprechen, um deren Flächen zu aktivieren, mahnt Thomas Eble. Eine weitere Möglichkeit der Kommune sei, dass Mehrgeschosswohnbau gefördert wird. „Auch in Eschach gibt es junge Leute, die sich kein Einfamilienhaus bauen können oder wollen.“

Wie eng das Korsett der Regionalplanung bis 2035 sei, will Jürgen Bleicher wissen. Pläne könnten angepasst werden, wenn es Sondereinflüsse gebe, verweist Thomas Eble auf etliche Fälle, in denen genau dies in Eschach passiert sei.

Zur Anmerkung von Stephan Gora, dass Streuobstwiesen im Dorf und luftige Bebauung zur Lebensqualität gehörten, konkretisiert der Regionalverbandsdirektor: Es gehe nicht darum, alles zuzupflastern. Vielmehr müssten leerfallende, bebaute Flächen - Höfe oder Scheuern etwa - aktiviert werden.

Nicht nachvollziehbar sei, warum Eschach von Vorrangflächen für die Landwirtschaft umschlossen ist, die Nachbargemeinden aber nicht, merkt unter anderem Klaus-Peter Wahl an. Hier habe man die Bodenrichtwerte der Landwirtschaftsverwaltung als Datengrundlage verwendet, erklärt Thomas Eble. Eschach habe keinen Nachteil dadurch, dass es von guten Böden umgeben sei. „Das ist doch auch ein Pluspunkt in einer hervorragenden Landschaft zu leben.“ Organisches Wachstum und Standortvorsorge ließen sich trotzdem immer erarbeiten.

Man werde nun die Stellungnahme überarbeiten und gegebenenfalls nachschärfen, schließt der Bürgermeister nach mehr als einer Stunde die Diskussion.

Mehr zum Thema: 

Der neue Regionalplan wäre  „Der Tod der Gemeinde Eschach“

Zurück zur Übersicht: Eschach

Kommentare