Inklusives griechisches Tuning

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Mit der Startnummer 10 geht ein besonderes Rennteam beim Mofarennen in Durlangen an den Start: Das inklusive Team „Benzinschlucker“.
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Mit der Startnummer 10 geht ein besonderes Rennteam beim Mofarennen in Durlangen an den Start: Das inklusive Team „Benzinschlucker“.

Eschach/Durlangen. „Das wird eine knappe Kiste“ schmunzelt Udo Grau. Er ist Heilerziehungspfleger bei der Stiftung Haus Lindenhof und gleichzeitig Mitarbeiter für das Gmünder Projekt „Kommune Inklusiv“, das Inklusion in die Breite bringen soll. Anfang Mai hatte Udo Grau die Idee, mit Menschen mit Beeinträchtigungen ein Fahrerteam beim Durlanger Mofarennen zu stellen. Gesponsert von der Stiftung Haus Lindenhof konnte zeitnah ein „ausrangiertes Rennmofa“ auf einer großen Internetbörse erstanden werden. Was noch fehlte, waren die Piloten, die ein Mindestalter von 16 Jahren haben und im Besitz einer Fahrerlaubnis sind.

Das Problem löste sich schneller als gedacht. Sabine Schöttle, von der inklusiven Guggentruppe „Los Krawallos“ fährt seit einer gefühlten Ewigkeit Roller und ist auch sonst für jeden Jux rund um die Stiftung zu haben. Im „bunten Hund“ dem inklusiven Café im Herzen von Schwäbisch Gmünd, macht sie oft den Kassendienst und auch bei weiteren Aktionen ist sie immer eine der Ersten, die sich meldet. Mit dem 21-jährigen Christos Alexopoulos konnte ein weiterer Fahrer gefunden werden. Der junge Grieche besitzt die Fahrerlaubnis der Klasse B „seit 17. Januar“ kommt es von ihm, wie aus der Pistole geschossen. Christos ist zudem das „Gedächtnis“ der Truppe.

Kein Datum, keine Zahl, die der junge Mann nicht auf der Stelle nennen kann. Erfahrung mit Zweirädern sammelt der junge Mann regelmäßig bei Verwandtschaftsbesuchen in der alten Heimat Griechenland. Das ausgemusterte Rennmofa, eine Honda PXR 50, aus dem Baujahr 1987, wie Christos erzählt, wurde in einer Gemeinschaftsaktion in Freiburg abgeholt und bedurfte einiger Instandsetzungsmaßnahmen. Geschraubt wurde auf Udos Graus elterlichem Hof bei Vellbach.

Unter den Augen des befreundeten Tankwarts und Mechanikers Armin Fröhlingsdorf, dessen Sorge momentan nur die Finanzen der Renncrew sind. Das zur Verfügung stehende Budget ist aufgebraucht und wird wohl nicht mehr für den benötigten Sprit reichen. Mit rund 30 Litern rechnet der Tankwart. Um Gelder zu sparen, wurde man aber schnell kreativ. Christos wendete einfach das System des „griechischen Tunings“ an: Eine PET-Flasche dient als Luftfilterabdeckung, Vergaser und Zündung wurden eingestellt und das Hinterradgewinde überprüft. Der Mechaniker erzählt, dass man gezielt dieses Mofa ausgewählt habe, da es bereit „Rennerfahrung“ hat. Die Leistung dieser Rennmaschine schätzt der 37-Jährige vorsichtig auf „rund 5 PS“.

Für das Projekt Mofarennen sei ihnen viel Zuspruch zuteil worden, freut sich Udo Grau. Es habe sehr viel Unterstützung auch in kleinen Dingen gegeben, viele Ersatzteile seien zu fairen Preisen angeboten worden, und die Stollenreifen haben Bekannte kostenlos montiert. Fragen und Warnungen, ob Menschen mit Beeinträchtigung Rennen fahren sollten, wischen Sabine und Christos weg. Sie sehen voller Vorfreude und angstfrei dem Rennen entgegen. „Der Hintern tat mir noch nie weh“ wiegelt Sabine hinsichtlich der drei Rennstunden ab.

Und falls Sabine und Christos doch eine längere Pause brauchen sollten, stände Udos Kumpel und Hobbycrosser Max Fuchs als „Pausenjoker“ zur Verfügung. Obwohl sie noch keinen Meter gefahren sind, träumen Sabine, Christos und Armin bereits vom 24-Stunden-Mofarennen bei Nürnberg. Auf die Frage, was das bunte Pilotenteam vom Renntag erwarte, lachen alle drei: „Dass die Maschine und die Fahrer durchhalten“ Selbst wenn das in Durlangen nicht klappen sollte „gefeiert wird heute auf jeden Fall.“

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