Kneippen am Baach wirkt ansteckend

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Dr Peter Krubasik zeigt im Kneippbecken am Baach den korrekten "Storchenschritt".
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Warum sich Anwohner, Gesundheitsbewusste und Gemeindevertreter regelmäßig im Mai an der selbst gebauten Anlage bei der Quelle im Tal treffen. Und welche Tipps es für Laien gibt.

Eschach

Wenn das kein Segen für die Saison ist, was dann: Ringsum kreisen an diesem Abend die Gewitter. Über der idyllischen Kneippanlage am Baach lugt die Sonne aus den Wolken, spiegelt sich glitzernd im frischen Wasser, dem Martin Stein am frühen Morgen den Weg freigemacht hatte. Seitdem darf die Quelle wieder fröhlich in das liebevoll im Ehrenamt gefertigte Becken plätschern.

Ein Grund zu feiern. Wie es, abgesehen von der Pandemie-Zwangspause, längst Tradition ist, gibt es zum Ankneippen ein Grillfest. Eingeladen sind die Anwohner, die 2014 in schöner Eintracht einen alten Brunnentrog durch eine perfekte Kneippanlage ersetzt haben. Die Anregungen hat man sich bei Experten geholt. Die Idee entstand nämlich bei einem Besuch in Bad Wörishofen, der Wiege der Kneippschen Medizin.

Unterstützt wurde das Projekt finanziell von Bürgern und Firmen, ideell und ganz praktisch von der Gemeinde. Allen voran Bürgermeister Jochen König und den Beschäftigten des Bauhofs. Die beim aktuellen Fest allerdings ohne ihren Chef auskommen müssen. WhatsApp-Grüße und Fotos, die die Genesung beschleunigen sollen, werden ihm aber fleißig geschickt. Denn immerhin hat der erkrankte Schultes die Würstle spendiert.

Das innerlich kühlende Nass, wie Bauhofmitarbeiter Ralf Sommer beschreibt, entstammt dagegen einer medizinisch motivierten Spende. Dr. Peter Krubasik hat, überzeugt vom gesundheitsfördernden Wert der Kneippanlage, die Anschaffung der notwendigen Getränke für die Ankneippen-Feier finanziell unterstützt. Bier von innen passe prima zum Waten im kniehohen Wasser, findet er und demonstriert gekonnt diese bilaterale Anwendung.

Kneippen wirkt ansteckend. Immer mehr der Gäste und Fans dieser Praxis ziehen die Schuhe und die dicken Socken aus und wagen sich ins kühlende Nass. „Macht trotzdem Spaß“, spielen Harald Hägele und Frank Hermann auf die derzeit fast frostigen Maitemperaturen an, räumen aber ein, noch mehr Spaß mache Kneippen im Sommer.

Dafür wächst mit dem Waten am Ankneipp-Tag die Vorfreude auf die roten Würste, die Grillmeister Sören Pfab inzwischen auf dem Rost platziert und gewissenhaft genau zur richtigen Zeit wendet. Mittlerweile sind es fast 30 Leute, die sich gemeinsam feiernd auf eine schöne Saison freuen und wissen, dass viele Wanderer und Radfahrer regelmäßig oder ganz spontan die Kneippanlage nutzen. Manche, erzählt Günter Hermann, fahren auch mit dem Auto hin. Einige, weil sie nicht mehr so weit laufen könnten, andere weil sie zu bequem seien.

Immerhin tun sie trotzdem etwas für ihre Gesundheit. Denn Kneippen sorge für eine bessere Durchblutung, stärke den Kreislauf und helfe, weil das Wasser kalt ist, sogar gegen Fußpilz, versichert Dr. Peter Krubasik. Nicht zu unterschätzen sei zudem die ausgleichende und beruhigende Wirkung. Wer richtig kneippen will, sollte sich etwa eine halbe Stunde Zeit nehmen. Was, wie Dr. Inge Krubasik findet, im schönen Umfeld des Beckens am Baach auch der psychischen Entspannung dienen dürfte.

Für Nicht-Profis gibt es an der Anlage übrigens eine Tafel mit Tipps für die richtige Anwendung: Dass man sich vor dem Abkühlen aufwärmen sollte, steht da zum Beispiel. Auch dass es ratsam ist, zwischen Armbad und Fußbad zu pausieren. Am besten auf dem extra-hohen „Baumelbänkle“. Das erlaubt ein rhythmisch-entspanntes Füßeschütteln. Denn auch das lernt der Laie: Abtrocknen mit dem Handtuch gehört nicht zur Kneippschen Lehre. Trocknen lassen, sei viel gesünder. Am besten durch Bewegung. Dabei könnte jeder seinen Müll aufräumen. Denn dass sie sauber bleibt, verdient die tolle Anlage am Baach.

Der Fuß muss immer ganz aus dem Wasser.“

Dr. Peter Krubasik,, erklärt den „Strochenschritt“.
Idyllisch gelegen, mitten im Ort: Die Kneippanlage am Baach, 2014 von den Anwohnern ehrenamtlich gebaut mit Untersütztung von Spendern und der Gemeinde.
Sie lassen vorschriftsmäßig die Füße auf dem "Baumelbänkle" trocknen (v.l.): Anwohner Frank Herrmann, Bauhofchef Harald Hägele und Anwohner Martin Stein.

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